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Die Fuggerzeitungen. Ein frühneuzeitliches Informationsmedium und seine Erschließung

The Fuggerzeitungen. An early modern informative medium and its indexing

Katrin Keller (ORCID: 0000-0002-8621-5162)
  • Grant-DOI 10.55776/P23080
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2011
  • Projektende 30.11.2015
  • Bewilligungssumme 399.720 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (60%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (10%)

Keywords

    Hand-Written Newspapers, Early Modern Period, Communication, Historical Sources, Media

Abstract Endbericht

Kommunikation und Medien in der Geschichte stehen in den letzten Jahren in zunehmendem Maße im Fokus der historischen Forschung nicht nur des deutschsprachigen Raumes. Im Spannungsfeld zwischen "privatem" Briefwechsel und "öffentlichen" Medien sind zuletzt auch die Anfänge des europäischen Zeitungswesens wieder ins Blickfeld gerückt. Die erste gedruckte Zeitung Europas erschien 1605 in Straßburg, aber schon Jahrzehnte vorher existierten in vielen europäischen Regionen handgeschriebene "avvisi" bzw. Zeitungen als kommerzielle Produkte. Ziel des Projektes ist es, einen der europaweit prominentesten Bestände des spezifisch frühneuzeitlichen Informationsmediums "geschriebene Zeitung" zu nutzen und zugleich der Forschung besser zugänglich zu machen. Es handelt sich dabei um die sog. Fuggerzeitungen, eine Sammlung geschriebener Zeitungen, die von den Brüdern Octavian Secundus und Philipp Eduard Fugger zusammengestellt wurde. Sie umfasst 16.021 Zeitungen aus den Jahren zwischen 1568 und 1605. Ursprünglich Bestandteil der Fuggerschen Bibliothek, befinden sich die 27 Foliobände, in denen die Zeitungen gesammelt sind, seit 1656 in der kaiserlichen Bibliothek in Wien. Die hier enthaltenen Nachrichten betreffen die gesamte damals bekannte Welt. Sie kamen aus den wichtigsten Handels- und Nachrichtenzentren Europas - die meisten Zeitungen stammen aus Antwerpen, Rom, Venedig und Köln, gefolgt von Lyon, Wien und Prag -, aber auch aus Übersee, aus Indien und dem Nahen Osten. Dieser Bestand, der in der pressegeschichtlichen, der literaturwissenschaftlichen wie der historischen Forschung immer wieder erwähnt, aber nur selten untersucht worden ist, soll nun unter verschiedenen inhaltlichen Aspekten ausgewertet werden: Einerseits geht es um die Frage, wie handschriftliche Zeitungen zur Kommunikation von Kriegsereignissen sowie höfischer Kultur und Zeremoniell in der sich entwickelnden medialen Öffentlichkeit beigetragen haben. Andererseits soll durch den Vergleich mit der Überlieferung in einer anderen bedeutenden Zeitungssammlung, der der sächsischen Kurfürsten, nach der Einbindung der Fuggerzeitungen in frühneuzeitliche Netzwerke des Nachrichtenaustauschs gefragt werden. Basis der inhaltlichen Beschäftigung wird dabei die Erschließung des gesamten Wiener Bestandes bilden. Die Zeitungen sollen in Zusammenarbeit mit der Sammlung von Handschriften und Alten Drucken der Österreichischen Nationalbibliothek digitalisiert und über den Handschriftenkatalog der Österreichischen Nationalbibliothek im Volltext zugänglich gemacht werden. Der Katalog (HANNA bzw. ÖVK-NAH), in den die Fuggerzeitungen aufgenommen werden, ist online über die Österreichische Nationalbibliothek frei zugänglich, so dass es Forschern der verschiedensten Wissensgebiete möglich sein wird, zentrale Inhalte der Zeitungen (Orte und Personen, Absendorte, Daten, Sprache) über Suchfunktionen direkt zu recherchieren und die Texte gezielt zu nutzen. Projekt-Homepage: http://www.univie.ac.at/fuggerzeitungen/de/

Zeitungen sind bis heute ein fixer Bestandteil des täglichen Lebens und unserer Medienlandschaft, obwohl in den letzten Jahren elektronische Medien sowie social media Kommunikation und Nachrichtenaustausch grundlegend verändert haben. Aber seit wann gibt es eigentlich periodisch erscheinende Nachrichtenmedien wie die Zeitung, wie sind sie entstanden? Bislang wird die Entstehung der periodischen Presse in Europa mit dem Jahr 1605 verbunden, als in Straßburg die erste gedruckte Wochenzeitung erschien. Das nunmehr abgeschlossene Projekt widmete sich aber den Jahrzehnten kurz vor diesem Datum, in denen soziale Eliten aus geschriebenen Zeitungen über das Tagesgeschehen informiert wurden. Dass diesem geschriebenen Medium bei der Entstehung der modernen Presse eine erhebliche Bedeutung zukam, wurde bislang in der Forschung nur selten und sehr allgemein thematisiert.Wichtigster Ausgangspunkt des Projektes war eine der prominentesten Sammlungen solcher Zeitungen im deutschen Sprachraum, die sog. Fuggerzeitungen. Diese Sammlung, seit dem 17. Jh. Teil der kaiserlichen Bibliothek in Wien, enthält mehr als 15.000 Zeitungen in deutscher und italienischer Sprache aus den Jahren zwischen 1568 und 1604 und dokumentiert damit zeitlich genau das Vorfeld der Entstehung der gedruckten Zeitung. Mit den 27 Bänden, die auf die Sammeltätigkeit der Brüder Octavian Secundus und Philipp Eduard Fugger in Augsburg zurückgehen, wurde weltweit erstmals eine solche Sammlung komplett digitalisiert und erschlossen: Über eine Datenbank können die Zeitungen nach Personen, Orten und Daten durchsucht werden; Karten ermöglichen neue Zugänge zum Informationsnetzwerk und die Nachrichtenübermittlung in Europa und der ganzen damals bekannten Welt. Forscher und Interessierte haben nun weltweit einen direkten Zugriff auf die Sammlung, was sowohl deren erweiterte Nutzung als Quelle wie in der akademischen Lehre erlaubt. Zugleich arbeitete das Projekt auf die Einordnung der bislang oft als Ausnahme, als Einzelstück verstandenen Sammlung hin. Dazu wurden weitere Zeitungssammlungen im deutschsprachigen Raum und in Italien ermittelt und die Fuggerzeitungen mit diesen verglichen und nach Verbindungen gesucht. Dadurch ergaben sich neue Erkenntnisse zum Transfer von Nachrichten innerhalb Europas und zur Einbindung der geschriebenen Zeitung in einen frühneuzeitlichen Medienverbund aus geschriebenen und gedruckten Texten bzw. mündlich kolportierten Informationen. Aber auch hinsichtlich der Relevanz dieser Zeitungen für die Einübung des regelmäßigen Nachrichtenkonsums sowie für die Ausprägung des Mediums im Transfer zwischen Italien und dem Alten Reich und zu differierenden Informationskulturen südlich und nördlich der Alpen konnten neue Erkenntnisse gewonnen werden. In der Konsequenz dieser Ergebnisse wird das Geburtsdatum der europäischen Presse 1605 neu zu diskutieren sein.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Johanna Rachinger, Österreichische Nationalbibliothek , assoziierte:r Forschungspartner:in

Research Output

  • 7 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Die Fuggerzeitungen. Ein Literaturbericht.
    Typ Journal Article
    Autor Keller
    Journal Jahrbuch für Kommunijkationsgeschichte
  • 2012
    Titel Die Fuggerzeitungen. Ein Literaturbericht.
    Typ Journal Article
    Autor Keller K
  • 2013
    Titel Die Fuggerzeitungen: Ein frühneuzeitliches Informationsmedium und seine Erschließung. Projektzwischenbericht.
    Typ Journal Article
    Autor Molino P
    Journal Biblos
  • 2013
    Titel Räume und Einzugsgebiete der Wiener Fuggerzeitungen. Die Geographie eines frühneuzeitlichen Nachrichtenmediums.
    Typ Journal Article
    Autor Schobesberger N
  • 2015
    Titel Die Fuggerzeitungen im Kontext. Zeitungssammlungen im Alten Reich und in Italien (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsbände 59).
    Typ Book
    Autor Keller K
  • 2014
    Titel Die Wiener Fuggerzeitungen - Geschriebenes Medium und digitale Welt.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Keller K
    Konferenz Julian Holzapfl (Hg.), Lesesaal Internet. Erfahrungen, Ergebnisse und Wünsche auf dem Weg zu einer digitalen Forschungslandschaft archivischer Quellenbestände. Workshop im Rahmen der Reihe ICARUS@work und des EU-Projektes ENArC am 11. März 2014 in München, München
  • 2016
    Titel Die Fuggerzeitungen: Geschriebene Zeitungen und der Beginn der periodischen Presse.
    Typ Book Chapter
    Autor Keller K

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