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Spannungsabhängige Ionenkanäle im dystrophen Muskel

Voltage-gated ion channel dysfunction in dystrophic muscle

Karlheinz Hilber (ORCID: 0000-0002-3033-0874)
  • Grant-DOI 10.55776/P23060
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.2011
  • Projektende 30.04.2016
  • Bewilligungssumme 323.101 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (100%)

Keywords

    Voltage-Gated Ion Channels, Muscular Dystrophies, Dystrophy-Associated Proteins, Skeletal Muscle, Cardiac Muscle, Mouse Models

Abstract Endbericht

Ausgelöst durch eine Vielzahl genetischer Mutationen, umfassen die Muskeldystrophien eine heterogene Gruppe an Erkrankungen, die durch eine progressive Muskelschwäche mit Zyklen von Nekrosen und Regeneration der Muskulatur gekennzeichnet sind. Mit Fortschreiten der Erkrankung können die Reparaturmechanismen die Muskelschädigung nicht ausreichend kompensieren, und Muskelfasern werden schrittweise durch Bindegewebe und Fett ersetzt. Dieser Verlust an Muskelfasern beeinträchtigt die muskuläre Funktion, und schwerwiegende Dystrophieformen, wie z.B. Duchenne Muskel-Dystrophie (DMD), sind charakterisiert durch eine weit verbreitete Muskelschwäche, die zu Gehverlust, Atemversagen, Herzversagen, und frühzeitigem Tod führen kann. Bis heute gibt es keine effektive Therapie, um das Fortschreiten der DMD oder anderer Dystrophieformen zu stoppen. Anti- inflammatorische Glukokortikoide werden derzeit zur Behandlung der meisten DMD- Patienten eingesetzt. Diese Medikamente verlangsamen die Progression der Erkrankung aber nur und verursachen schwere Nebenwirkungen. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine fehlgesteuerte Expression, und eine beeinträchtigte Funktion von spannungsabhängigen Ionenkanälen wichtige Merkmale der dystrophen Skelett- und Herzmuskulatur sind, welche zur Pathologie beitragen. Folglich können spannungsabhängige Ionenkanäle als potentielle neue Ziele für Medikamente angesehen werden, und Medikamente, die diese Kanäle modulieren, könnten sich nützlich in zukünftigen Therapiestrategien erweisen. Das derzeitige Wissen in diesem Wissenschaftsbereich ist sehr limitiert, sodass es schwer ist, die tatsächliche Dimension der Effekte einer "gestörten Elektrophysiologie" auf den dystrophen Muskel abzuschätzen. Außerdem basiert das vorhandene Wissen fast ausschließlich auf elektrophysiologischen Studien am Skelett- und Herzmuskel der Dystrophin- defizienten mdx Maus, deren Eignung als Modell für die humane DMD angezweifelt wird. Diese Umstände, sowie der offensichtliche Mangel an Daten, die von Mausmodellen für andere humane Dystrophieformen stammen, heben den dringenden Bedarf an elektrophysiologischen Studien an geeigneten Dystrophie- Mausmodellen hervor. Das geplante Projekt soll neue Informationen liefern, um die genannten Wissenslücken zu füllen. Dazu werden wir im Detail die elektrophysiologischen Abnormalitäten der dystrophen Skelett- und Herzmuskulatur von Mäusen aus einem existierenden Pool von Mausmodellen für verschiedene humane Dystrophieformen untersuchen. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf den Herzmuskel gelegt. Die Hauptziele sind: 1) Charakterisierung der elektrophysiologischen Beeinträchtigungen, die mit Mutationen in Genen, die für Dystrophie- assoziierte Proteine kodieren, zusammenhängen. Diese Strategie soll bis jetzt noch unbekannte Interaktionen zwischen spannungsabhängigen Ionenkanälen und Dystrophie- assoziierten Proteinen und Proteinkomplexen identifizieren; 2) Aufdeckung von Ionenkanaldefekten, welche allgemein oder spezifisch für verschiedene Typen der muskulären Dystrophien sind; 3) Vergleich zwischen den elektrophysiologischen Defekten in dystrophen Skelett- und Herzmuskelzellen; und 4) Aufdeckung von Mechanismen, durch welche gestörte Ionenkanäle zur Skelett- und Herzmuskelpathologie der Muskeldystrophien beitragen. Die erwarteten Ergebnisse sollen eine profunde Basis für zukünftige Studien über die therapeutischen Effekte von Ionenkanalmodulatoren auf den dystrophen Skelett- und Herzmuskel bereitstellen.

Die Projektstudie konnte substantielle Ionenkanalabnormalitäten in dystrophen Herzmuskelzellen aufgedecken, welche potentielle neue therapeutische Zielstrukturen für die Behandlung der kardiovaskuären Komplikationen, die im Rahmen von Muskeldystrophieerkrankungen auftreten, darstellen. Ausgelöst druch eine Vielzahl genetischer Mutationen umfassen die Muskeldystrophien eine heterogene Gruppe von pathologischen Konditionen, die durch progressive Schwäche und Degeneration des Skelettmuskels gekennzeichnet sind. Bei der häufigsten und schwersten Form, der Duchenne Muskeldystrophie (DMD), treten bei betroffenen Patienten Gangunfähigkeit, Atemversagen, und vorzeitiger Tod auf. Neben der Degeneration des Skelettmuskels sind DMD Patienten auch mit schweren Herzkomplikationen konfrontiert. Hierbei tragen Herzrhythmusstörungen und die Entwicklung einer dilatativen Kardiomyopathie beträchtlich zur Morbidität und Mortalität der Erkrankung bei. Da die spezifischen Mechanismen, welche die Herzkomplikationen in der DMD verursachen, bis heute kaum verstanden werden, sind die derzeitigen Therapiestrategien weder zielgerichtet noch effektiv.Im Rahmen unserer Projektstudien konnten wir zeigen, dass dysregulierte Expression und abnorme Funktion von Herzionenkanälen wichtige Merkmale von dystrophen Herzmuskelzellen sind, welche für die mit DMD assoziierten Herzkomplikationen verantwortlich gemacht werden können. Dies ist ein Ansatzpunkt für die Entwicklung von neuen zielgerichteten und evidenzbasierten therapeutischen Strategien. In dystrophen Herzmuskelzellen waren L-Typ Ca Kanalströme signifikant vergrößert, und die Ca Kanalinaktivierung substantiell vermindert. Das kann zumindest teilweise auf eine beeinträchtigte Ca Kanalregulation druch die neuronale Stickstoffmonoxidsynthase in dystrophen Zellen zurückgeführt werden. Weil eine gesteigerte L-Typ Ca Kanalfunktion pro-arrhythmisch ist, haben unsere Ergebnisse einen Mechanismus aufgedeckt, der Herzrhythmusstörungen in DMD Patienten erklären kann. Zudem könnte eine gesteigerte L-Typ Ca Kanalfunktion ein Auslöser für die Entwicklung einer Kardiomyopathie sein, und als solcher eine neue potentielle Zielstruktur für Pharmaka zur Verhinderung der Erkrankung. Durch unseren Befund einer signifikanten Reduktion von IK1 Kaliumströmen in dystrophen Herzmuskelzellen haben wir einen weitere potentielle dytrophe Quelle für Herzrhythmusstörungen aufgedeckt. Schließlich konnten wir auch noch zeigen, dass nicht alle Formen der Muskeldystrophie mit signifikanten Abnormalitäten in Herzionenkanälen assoziiert sind.Unsere Grundlagenforschung im Rahmen des Projekts ist direkt klinisch relevant, weil die erfolgreiche Validierung einer therapeutischen Zielstruktur, gefolgt von vielversprechenden Tierversuchen zur Erprobung von wirksamen Substanzen, klinische Studien initiieren könnte, in etwa die Verabreichung von Ca Kanalinhibitoren zur Behandlung von jungen DMD Patienten noch bevor sich eine Kardiomyopathie manifestiert hat, und/oder für eine verbesserte Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Neben der klinischen Relevanz würde eine erfolgreiche Medikamentneuentwicklung auch einen beachtlichen ökonomischen Nutzen bringen. Derzeit wird nämlich viel Geld für die Behandlung von DMD Patienten und zur Erforschung von neuen Therapien ausgegeben, bis jetzt leider mit bescheidenem Erfolg.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Julio L. Vergara, University of California at Los Angeles - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 336 Zitationen
  • 19 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel The anti-addiction drug ibogaine inhibits cardiac ion channels: a study to assess the drug’s proarrhythmic potential
    DOI 10.1186/2050-6511-13-s1-a38
    Typ Journal Article
    Autor Koenig X
    Journal BMC Pharmacology and Toxicology
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Anti-addiction drug ibogaine inhibits hERG channels: a cardiac arrhythmia risk.
    Typ Journal Article
    Autor Hilber K Et Al
  • 2011
    Titel The anti-addictive drug ibogaine modulates voltage-gated ion channels and may trigger cardiac arrhythmias
    DOI 10.1186/1471-2210-11-s2-a1
    Typ Journal Article
    Autor Kovar M
    Journal BMC Pharmacology
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Proper Voltage-Dependent Ion Channel Function in Dysferlin-Deficient Cardiomyocytes
    DOI 10.1159/000430278
    Typ Journal Article
    Autor Rubi L
    Journal Cellular Physiology and Biochemistry
    Seiten 1049-1058
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Abstracts
    DOI 10.1007/s10974-015-9407-3
    Typ Journal Article
    Journal Journal of Muscle Research and Cell Motility
    Seiten 71-143
    Link Publikation
  • 2015
    Titel The Anti-Addiction Drug Ibogaine and the Heart: A Delicate Relation
    DOI 10.3390/molecules20022208
    Typ Journal Article
    Autor Koenig X
    Journal Molecules
    Seiten 2208-2228
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Calcium current properties in dystrophin-deficient ventricular cardiomyocytes from aged mdx mice
    DOI 10.14814/phy2.13567
    Typ Journal Article
    Autor Rubi L
    Journal Physiological Reports
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Decreased inward rectifier potassium current IK1 in dystrophin-deficient ventricular cardiomyocytes
    DOI 10.1080/19336950.2016.1228498
    Typ Journal Article
    Autor Rubi L
    Journal Channels
    Seiten 101-108
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Anti-addiction drug ibogaine inhibits voltage-gated ionic currents: A study to assess the drug's cardiac ion channel profile
    DOI 10.1016/j.taap.2013.05.012
    Typ Journal Article
    Autor Koenig X
    Journal Toxicology and Applied Pharmacology
    Seiten 259-268
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Enhanced currents through L-type calcium channels in cardiomyocytes disturb the electrophysiology of the dystrophic heart
    DOI 10.1152/ajpheart.00441.2013
    Typ Journal Article
    Autor Koenig X
    Journal American Journal of Physiology-Heart and Circulatory Physiology
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Mechanism of hERG Channel Block by the Psychoactive Indole Alkaloid Ibogaine
    DOI 10.1124/jpet.113.209643
    Typ Journal Article
    Autor Thurner P
    Journal The Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics
    Seiten 346-358
  • 2013
    Titel VUT-MK142 : a new cardiomyogenic small molecule promoting the differentiation of pre-cardiac mesoderm into cardiomyocytes
    DOI 10.1039/c3md00101f
    Typ Journal Article
    Autor Koley M
    Journal MedChemComm
    Seiten 1189-1195
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Modulation of the heart's electrical properties by the anticonvulsant drug retigabine
    DOI 10.1016/j.taap.2017.06.018
    Typ Journal Article
    Autor Rubi L
    Journal Toxicology and Applied Pharmacology
    Seiten 309-317
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Anti-addiction Drug Ibogaine Prolongs the Action Potential in Human Induced Pluripotent Stem Cell-Derived Cardiomyocytes
    DOI 10.1007/s12012-016-9366-y
    Typ Journal Article
    Autor Rubi L
    Journal Cardiovascular Toxicology
    Seiten 215-218
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Abstracts of the 41st European Muscle Conference
    DOI 10.1007/s10974-012-9313-x
    Typ Journal Article
    Journal Journal of Muscle Research and Cell Motility
    Seiten 235-289
    Link Publikation
  • 2012
    Titel The anti-addiction drug ibogaine inhibits cardiac ion channels: a study to assess the drug's proarrhythmic potential.
    Typ Journal Article
    Autor Hilber K Et Al
  • 2012
    Titel Impaired L-type Ca2+ channel function in the dystrophic heart
    DOI 10.1186/2050-6511-13-s1-a41
    Typ Journal Article
    Autor Koenig X
    Journal BMC Pharmacology and Toxicology
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Anti-addiction drug ibogaine inhibits hERG channels: a cardiac arrhythmia risk
    DOI 10.1111/j.1369-1600.2012.00447.x
    Typ Journal Article
    Autor Koenig X
    Journal Addiction Biology
    Seiten 237-239
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Small Molecule Cardiogenol C Upregulates Cardiac Markers and Induces Cardiac Functional Properties in Lineage-Committed Progenitor Cells
    DOI 10.1159/000356663
    Typ Journal Article
    Autor Mike A
    Journal Cellular Physiology and Biochemistry
    Seiten 205-221
    Link Publikation

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