Neuropeptide in Furcht und Angst
Neuropeptides in fear and anxiety
Wissenschaftsdisziplinen
Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (100%)
Keywords
-
Neuropeptides,
Anxiety,
Neuropeptide Y,
Central Extended Amygdala,
Fear,
Depression
Angststörungen stellen für die Gesellschaft eine große sozioökonomische Belastung dar. Angst ist definiert als ein anhaltender Zustand, der durch eine gesteigerte Vorahnung einer potentiellen Bedrohung charakterisiert ist. Furcht hingegen stellt eine kurzzeitige Alarmreaktion, ausgelöst durch eine eindeutig identifizierbare, unmittelbar bevorstehende Bedrohung dar. Forschungen der letzten Jahre weisen auf eine wichtige Funktion von Neuropeptiden in der Regulation von Angst und Furcht hin. Ziel des geplanten Projekts ist es die Rolle von Neuropeptiden, insbesondere von Neuropeptid Y (NPY), in unterschiedlichen Kernen der Amygdala, speziell der zentralen (CEA), basolateralen (BLA) Amygdala und des Bed Nucleus der Stria terminalis (BNST) aufzuklären. NPY hat eine vorwiegend angstlösende Wirkung, die durch Y1 Rezeptoren vermittelt wird. Y2 Rezeptoren hingegen sind meist präsynaptisch an Nervenenden lokalisiert, wo sie durch eine Hemmung der NPY Freisetzung anxiogen wirken. In jüngsten Untersuchungen zeigten wir, dass die durch Y2 Rezeptoren vermittelte Wirkung in der CEA und BLA entsteht. Präliminäre Daten unserer Gruppe zeigen eine Rolle von NPY auch in der Konditionierung und Extinktion von Furcht. 1) Wir planen nun in Mäusen die Wirkungen eines lokal in die CEA und in deren Projektionsorten (z.B. BNST, Nucleus accumbens) applizierten viralen Vectors, der lokal eine Expression des Y1 Agonisten Leu31Pro 34NPY bewirkt, auf Änderungen im Angstverhalten von Mäusen zu untersuchen. Hierfür werden wir neben Wildtyp Mäusen insbesondere NPY-KO Mäuse verwenden, die von Natur aus bereits erhöhte Angstspiegel aufweisen. 2) Weiters werden wir den Effekt einer Deletion von NPY, und von Y1, Y2 oder Y4 Rezeptoren in Mäusen auf Veränderungen bei "Angst"konditionierung und Extinktion untersuchen. Mittels viraler Vektoren, die lokal zur Expression von NPY oder des Y1-Agonisten Leu31Pro 34NPY führen werden wir versuchen, das in NPY-KO Mäusen beschleunigt Furchterlernen zu antagonisieren. Diese Experimente werden Einblick geben, in welchen Hirnarealen und über welche Rezeptoren NPY Furchtlernen moduliert. 3) Weiters werden wir die Auswirkung eines NPY Knockouts auf die Expression anderer an der Angstmodulierung beteiligter Neuropeptide in der CEA und im BNST untersuchen (z.B. Neurokinin-B, Dynorphin, Enkephalin, Corticotropin-releasing Faktor). 4) Wir werden die Auswirkung einer lokalen Hemmung der Neurokinin-B Synthese in der CEA, wo es sehr stark exprimiert wird auf die Entstehung von Angst und Furcht untersuchen. 5) Unter den oben genannten experimentellen Bedingungen werden wir auch Veränderungen in Depressions- ähnlichem Verhalten der Tiere untersuchen. Zusammenfassend, wollen wir die Rolle von Neuropeptiden, insbesondere von NPY und Neurokinin-B in der Integration von Angst und Furcht untersuchen und so mögliche neue Ansätze für die Therapie von Angststörungen aufzeigen.
Angststörungen sind jene Hirnerkrankungen mit der höchsten Prävalenz und stellen eine besondere sozioökonomische Herausforderung für die Gesellschaft dar. Belastend ist hier vor allem, dass ein großer Anteil der Patienten gar nicht oder nur ungenügend auf die Behandlung anspricht. In unseren Untersuchungen haben wir zwei Neuropeptid Rezeptoren entdeckt, die eine Unterdrückung von Furcht, sowie eine Auslöschung neu erlernter Furcht unterstützen. Medikamente, die diese Rezeptoren ansprechen, könnten daher eine kognitive Psychotherapie von Angststörungen unterstützen. Des Weiteren konnten wir erstmals die enge Verflechtung von neuronalen Schaltkreisen, die für die Nahrungsaufnahme von Bedeutung sind und solchen, die Furchtverhalten regulieren aufzeigen. Diese Erkenntnisse bilden ein solides Konzept, für die Entwicklung von neuen Medikamenten zur Behandlung von Angst- und auch Essstörungen. Neuropeptid Y (NPY) ist ein Modulator der neuronalen Signalübertragung im Gehirn und vor allem in solchen Hirnarealen enthalten, die eng mit Furcht-assoziiertem Verhalten einhergehen. In unseren Forschungen konnten wir die Bedeutung von NPY Y2 und Y4 Rezeptoren in der Unterdrückung und Auslöschung von Furcht darlegen. Da Y2 Rezeptoren eine synergistische Wirkung zu den bereits untersuchten Y1 Rezeptoren haben, müssen etablierte Konzepte, welche eine Modulation des NPY Systems zur Unterdrückung von Angststörungen in Betracht ziehen, neu überdacht werden. Unsere elektrophysiologischen und anatomischen Charakterisierungen haben ergeben, dass Y2 Rezeptoren auch ankommende und ausgehende Bahnen des Mandelkerns beeinflussen und damit zentral an der Verarbeitung von Angstreizen beteiligt sind. Interessanterweise konnten wir zeigen, dass auch Y4 Rezeptoren vor allem in der Auslöschung von Furcht eine zentrale Rolle spielen. Diese Rezeptoren werden nicht nur von NPY selbst angesprochen, sondern auch durch periphere, hormonelle Mediatoren aktiviert. Da das NPY System sowohl an der Regulierung der Nahrungsaufnahme als auch von Angstverhalten beteiligt ist, vermuten wir eine enge Assoziation der beiden Systeme. Wir haben entdeckt, dass kurzzeitige Nahrungskarenz Furchtverhalten entscheidend unterdrückt und die Auslöschung von Furcht permanent fördert. Dies hat bedeutende Konsequenzen für die pharmakologische Unterstützung der kognitiven Verhaltenstherapie, da Modulatoren von Essverhalten und Energiehomöostase somit wichtige Werkezuge zur Therapie von Angststörungen darstellen.
- Herbert Herzog, St Vincent’s Centre for Applied Medical Research - Australien
- Regine Heilbronn, Charité - Universitätsmedizin Berlin - Deutschland
Research Output
- 383 Zitationen
- 10 Publikationen
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2012
Titel Neuropeptide Y modulates fear and fear extinction in distinct nuclei of the amygdala DOI 10.1186/2050-6511-13-s1-a87 Typ Journal Article Autor Tasan R Journal BMC Pharmacology and Toxicology Link Publikation -
2012
Titel NPY controls fear conditioning and fear extinction by combined action on Y1 and Y2 receptors DOI 10.1111/j.1476-5381.2012.01872.x Typ Journal Article Autor Verma D Journal British Journal of Pharmacology Seiten 1461-1473 Link Publikation -
2015
Titel Structure and function of the amygdaloid NPY system: NPY Y2 receptors regulate excitatory and inhibitory synaptic transmission in the centromedial amygdala DOI 10.1007/s00429-015-1107-7 Typ Journal Article Autor Wood J Journal Brain Structure and Function Seiten 3373-3391 Link Publikation -
2015
Titel NPY Y2 receptors in the central amygdala reduce cued but not contextual fear DOI 10.1016/j.neuropharm.2015.08.038 Typ Journal Article Autor Verma D Journal Neuropharmacology Seiten 665-674 Link Publikation -
2016
Titel Pancreatic polypeptide and its central Y4 receptors are essential for cued fear extinction and permanent suppression of fear DOI 10.1111/bph.13456 Typ Journal Article Autor Verma D Journal British Journal of Pharmacology Seiten 1925-1938 Link Publikation -
2015
Titel Hunger Promotes Fear Extinction by Activation of an Amygdala Microcircuit DOI 10.1038/npp.2015.163 Typ Journal Article Autor Verma D Journal Neuropsychopharmacology Seiten 431-439 Link Publikation -
2015
Titel The role of Neuropeptide Y in fear conditioning and extinction DOI 10.1016/j.npep.2015.09.007 Typ Journal Article Autor Tasan R Journal Neuropeptides Seiten 111-126 Link Publikation -
2011
Titel Neuropeptide Y Y2 receptors modulate trace fear conditioning and spatial memory in the dorsal hippocampus DOI 10.1186/1471-2210-11-s2-a2 Typ Journal Article Autor Tasan R Journal BMC Pharmacology Link Publikation -
2011
Titel Reduced fear conditioning after viral vector mediated neuropeptide Y administration into the basolateral amygdala DOI 10.1186/1471-2210-11-s2-a3 Typ Journal Article Autor Verma D Journal BMC Pharmacology Link Publikation -
2011
Titel Altered GABA transmission in a mouse model of increased trait anxiety DOI 10.1016/j.neuroscience.2011.03.051 Typ Journal Article Autor Tasan R Journal Neuroscience Seiten 71-80 Link Publikation