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Die Privatbibliothek Kaiser Franz´ I. von Österreich

The Private Library of emperor Franz I of Austria

Hans Petschar (ORCID: 0000-0001-8767-4662)
  • Grant-DOI 10.55776/P22774
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2010
  • Projektende 30.06.2015
  • Bewilligungssumme 321.254 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (30%); Kunstwissenschaften (10%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (60%)

Keywords

    Library History, History Of Thought, Cultural History, Austrian history 1780-1835, Franz I of Austria, Visual Culture

Abstract Endbericht

Die Privatbibliothek von Kaiser Franz` I., die spätere Fideikommissbibliothek, gilt als ein hervorragendes Beispiel einer herrschaftlichen Buch- und Grafiksammlung, die in ihren Beständen großteils bis heute in ihrer ursprünglichen Form als eigene Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek erhalten geblieben ist. Gleichwohl ist sie bis dato inhaltlich kaum erschlossen und im Hinblick auf ihre Sammlungsgeschichte großteils unaufgearbeitet. Dies mag der wesentliche Grund dafür sein, dass die Bestände selbst in Fachkreisen wenig bekannt sind und von der kulturhistorischen Forschung nur selten als Quelle herangezogen werden. Das Projekt ist als Beitrag zur Bibliotheks- und Buchgeschichte zu verstehen und versucht die Geschichte der Privatbibliothek von Franz I. in die Kulturgeschichte dieser Epoche einzubetten. Anhand der drei folgenden Schwerpunkte soll eine Rekonstruktion der Privatbibliothek erfolgen: " die Rekonstruktion der historischen Privatbibliothek Franz I. anhand archivalischer und bibliotheksgeschichtlicher Quellen " die Beschreibung und Analyse der Bibliothek als ein kulturgeschichtlicher Erinnerungsraum im Spannungsfeld privaten (fürstlichen) Interesses und imperialer Repräsentation " die Einbettung der Bibliotheksgeschichte in den politischen, sozialen, intellektuellen und kulturellen Kontext des Zeitraumes von 1784 bis 1835 Das vorliegende Projekt versucht nun in einem ersten Schritt, die Geschichte dieser Sammlung von ihren Ursprüngen in den 1780er Jahren bis zum Tode ihrer Gründers Franz I. 1835 näher zu beleuchten. Basierend auf dem Archiv der Fideikommissbibliothek und dem sogenannten "Handarchiv" des Kaisers im Haus-, Hof- und Staatsarchiv sollen die Erwerbspolitik, die Funktion und die Ordnungskriterien der Sammlung aufgearbeitet und gedeutet werden. In einem weiteren Schritt wird es Aufgabe des Projektes sein, die Fideikommissbibliothek im Vergleich mit der Hofbibliothek und weitern europäischen Fürsten- und Privatbibliotheken in eine allgemeine Wissens- und Ideengeschichte einzuordnen. Der dritte Teil widmet sich der Darstellung der politischen Schlüsselereignisse der Zeit zwischen 1784 und 1835 (Französische Revolution, Napoleonische Kriege, Gründung des Kaisertums Österreich, Ende des Heiligen Römischen Reichs, Wiener Kongress und die Errichtung einer neuen europäischen Friedensordnung) in den Buch- und Graphikbeständen der Fideikommissbibliothek mit einem Schwerpunkt auf Ikonografie und historischer Bildwissenschaft. Die Ergebnisse der Bearbeitung des Archivs der Fideikommissbibliothek sollen als Datenbank im Internet abrufbar gemacht werden; zwei internationale Kongresse in den historischen Räumlichkeiten der Fideikommissbibliothek sowie wissenschaftliche Publikationen werden die Geschichte der Bibliothek, die Deutung ihrer Strukturen und Organisationsprinzipien und Analysen ausgewählter Bildquellen beinhalten.

Die einstige Privatbibliothek des Kaisers Franz II./I. (heute als Habsburg-Lothringische Fideikommissbibliothek Teil der Österreichischen Nationalbibliothek) ist eine nach Umfang und Inhalt herausragende Sammlung von Büchern und Grafiken, die nahezu geschlossen erhalten geblieben ist. Das vorliegende Projekt war dem rund fünfzigjährigen Entstehungszeitraum der Bibliothek unter ihrem Gründer (17841835) gewidmet. Es lieferte eine detaillierte Darstellung der Entwicklung dieser außergewöhnlichen Sammlung, die alle bibliotheksgeschichtlichen Aspekte im engeren Sinn berücksichtigt, einen Beitrag zum Verständnis der Person des Kaisers Franz II./I. und eine Analyse der gesellschaftlichen, ökonomischen, historischen und kulturellen Verflechtungen, in die die Geschichte der Bibliothek verwoben ist.Als Grundlage war es zunächst unerlässlich, die Erziehung des späteren Kaisers am Florentiner Hof und die dortige Privatbibliothek seines Vaters (Großherzog Pietro Leopoldo, der spätere Kaiser Leopold II.) in ihrer Vorbildwirkung zu beleuchten. Als wesentliches Ergebnis für diese Phase vor der eigentlichen Bibliotheksgründung kann hervorgehoben werden, dass der Erzherzog bereits damals umfassend mit dem Schrifttum der französischen Aufklärung konfrontiert wurde. Für die bis dato dunkle Zeit zwischen der ersten Erwähnung und der schrittweisen Institutionalisierung der Sammlung, die mit der Berufung eines Bibliothekars (1806), dem Beginn der Katalogisierung (1807), der Einrichtung eines Bibliotheksarchives (1809) und der Einführung einer fixen Dotation (1812) erfolgte, konnte der bereits damals beträchtliche Bestandszuwachs aufgrund externer Quellen einigermaßen genau rekonstruiert werden. In weiterer Folge wurde der biographische Hintergrund des Bibliothekspersonals ebenso unter die Lupe genommen wie die Interaktion zwischen dem Kaiser, seinem Bibliothekar und anderen Hofstellen auf der einen sowie dem Buchmarkt in allen seinen Facetten auf der anderen Seite. Ein grundsätzliches Anliegen des Projektes war es, die Entwicklung der Bibliotheksbestände nach Inhalten, Sprachen, Bezugsquellen etc. grosso modo nachzuzeichnen. Spezialfälle, die sich in diesem Zusammenhang als von nicht zu unterschätzender Bedeutung erwiesen und die deshalb ausführlich untersucht wurden, sind der Erwerb geschlossener Sammlungen und der Ankauf im Rahmen von Nachlässen und Auktionen. Weitere Detailstudien waren der Finanzierung der Sammeltätigkeit aus der Privatkasse des Kaisers, der architektonischen Verortung der Bibliothek im Gefüge der kaiserlichen Hofburg und der Katalogisierung der Bestände gewidmet, die zugleich den Versuch einer Systematisierung des zeitgenössischen Wissens darstellt. Als Grundlage für die Erforschung dieser Themenbereiche konnten vielfältige Quellen herangezogen werden: Akten aus dem hauseigenen und anderen in- und ausländischen Archiven, die alten, handgeschriebenen Bibliothekskataloge, Rechnungen, Auktionskataloge und ausgewählte Bestände aus der eigentlichen Sammlung, die im Hinblick auf die sich ergebenden Zusammenhänge mit den vorgenannten Quellen inhaltlich analysiert wurden. Neben der beschreibenden Darstellung wurden auf dieser Basis auch statistische Auswertungen (der Bibliotheksbestände) vorgenommen, die dazu dienten maßgebliche Hypothesen zu untermauern. Aufgrund von Vergleichen konnten schließlich sowohl Einflüsse und Vorbilder wie auch die besondere Eigenart der Bibliothek im historischen Kontext aufgezeigt werden.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Nationalbibliothek - 100%

Research Output

  • 1 Zitationen
  • 4 Publikationen
Publikationen
  • 2014
    Titel Die Privatbibliothek Kaiser Franz' I. Politik und Geschichte im Spiegel einer Sammlung zur Zeit des Wiener Kongresses.
    Typ Journal Article
    Autor Valenta R
    Journal Mächtepolitik und Friedenssicherung. Zur Politischen Kultur Europas im Zeichen des Wiener Kongresses (Austria. Forschung und Wissenschaft. Geschichte 9, Berlin-Münster-Wien-Zürich-London 2014)
  • 2014
    Titel Die Geschichte der Privatbibliothek Kaiser Franz’ I. von Österreich 1784–1835
    DOI 10.1515/bfp-2014-0026
    Typ Journal Article
    Autor Huber-Frischeis T
    Journal Bibliothek Forschung und Praxis
    Seiten 461-467
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Die Privatbibliothek Kaiser Franz' I. von Österreich. Bibliotheks- und Kulturgeschichte einer fürstlichen Sammlung zwischen Aufklärung und Vormärz.
    Typ Book
    Autor Huber-Frischeis T
  • 2011
    Titel Die Privatbibliothek Kaiser Franz' I. von Österreich. Ein Werkstattbericht.
    Typ Journal Article
    Autor Knieling N
    Journal In: Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich

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