Wissenschaftsdisziplinen
Chemie (100%)
Keywords
-
Germanium,
Oligogermanes,
Cluster,
Rearrangement,
Anions
Lange Ketten aus Siliciumatomen, sogenannte Polysilane, sind seit den 1960er Jahren, aufgrund ihrer ungewöhnlichen Eigenschaft der Delokalisierung von Sigma-Bindungselektronen Gegenstand intensiver Untersuchungen. Auch Ketten aus Zinnatomen, Polystannane, zeigen diese Eigenschaft und werden ebenso wie Polysilane auf ihre Eignung als molekulare Leiter studiert. Ketten aus Germanium, dem Element zwischen Silicium und Zinn, wurden dagegen bisher kaum als interessant wahrgenommen. Dieses Phänomen reflektiert leider ein allgemeines Desinteresse an Germaniumchemie. Lange Zeit besaß Germanium den Ruf ein langweiliger Hybrid aus Silicium und Zinn ohne großes chemisches Potential zu sein. Auch unsere eigenen Arbeiten der letzten Jahre waren auf das Element Silicium fokussiert. Vor allem durch systematische Untersuchungen von Polysilylanionen und -kationen gelang uns die Entwicklung von Methoden zur zielgerichteten Darstellung vielgestaltiger Polysilane. Im Zusammenhang mit diesen Studien wurde unser Interesse an analogen Reaktionen mit Germanium geweckt. In ersten Umsetzungen zeigte sich rasch, dass die Germaniumverbindungen nicht nur eine einzigartige Reaktivität besaßen, sondern sich auch in ihren strukturellen Eigenschaften erstaunlich von den Polysilanen unterschieden. Untersuchungen in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Cork in Irland zeigten zudem, dass unsere Verbindungen bei der thermolytischen Zersetzung in überkritischen Lösungen in einem Schritt zur Bildung einzigartiger Nanodrähte mit einem kristallinen Germaniumkern und einer amorphen Siliciumoxidoberfläche führen. Die geplanten Arbeiten in diesem Projekt sollen, ausgehend von unseren Erfahrungen mit Polysilanen weiter die Reaktivität analoger Germaniumverbindungen untersuchen. Germylanionen mit und ohne Siliciumanteil sollen als Bausteine für größere Moleküle verwendet werden. Die Umsetzung zu Kationen führt bei diesen Verbindungen zu Strukturumlagerungen. Die so erhaltenen Verbindungen sollen weiter genutzt werden um strukturell definierte Germaniumcluster zu synthetisieren. Ähnlich wie die erwähnten Nanodrähte, sind solche Cluster, die weiter funktionalisiert werden können, von hohem Interesse als Materialien im Bereich vielfältiger Anwendungen der Nanotechnologie.
Das Forschungsprojekt Polygermaniumchemie befasste sich mit einer Reihe unterschiedlicher Aspekte von Germanium (Ge), welches im Periodensystem der Elemente zwischen Silicium und Zinn steht. Es ist daher ein guter Halbleiter, wegen seiner geringeren Häufigkeit ist es jedoch viel schlechter untersucht. Der erste Projektteilbereich befasste sich mit molekularen Ketten die aus Germaniumatomen bestehen. Solche Verbindungen kann man als molekulare Drähte interpretieren. Ihre Synthese ist jedoch anspruchsvoll und unsere Untersuchungen befassten sich vornehmlich mit der Herstellung von Bausteinen die zu größeren Strukturen verknüpft werden können. Ein wichtiger Aspekt dieser Synthesen ist, dass die Leitfähigkeit in solchen Molekülen nur bei bestimmten räumlichen Orientierungen der Kette gegeben ist. Diese Eigenschaft könnte man nutzen um durch Bewegung der Molekularstruktur einen molekularen Schalter zu konstruieren. Ein weiterer Projektbereich befasste sich ebenfalls mit den Halbleiteraspekten von Germanium. Durch Zersetzung kleiner Moleküle mit Ge-Ge Bindungen in Gegenwart von Indium-Nanoteilchen gelang die Synthese von Germanium-Nanodrähten mit einer Indiumspitze. Solche Materialien sind technologisch interessant unter anderem als Elektrodenmaterialien in Lithium-Ionenakkus.Der größte Teilbereich des Projekts war Verbindungen des zweiwertigen Germaniums gewidmet. Obwohl Germanium für gewöhnlich in Verbindungen mit vier Bindungen (tetravalent) vorkommt, ist es möglich auch zweiwertige (divalente) Verbindungen zu erhalten. Diese sind sehr reaktiv, besitzen aber eine Reihe interessanter Eigenschaften. Insbesondere zeigen sie ein Reaktionsmuster, welches sonst nur die Elemente der Übergangsmetalle zeigen. Letztere fungieren typischerweise als Katalysatoren in unzähligen synthetisch interessanten Reaktionen. Um die Eigenschaften der divalenten Germaniumverbindungen zu studieren, ist es erforderlich sie zu stabilisieren, damit sie nicht mit sich selbst reagieren. Dies gelang durch Zugabe von geeigneten Basen, welche mit ihnen eine schwache Wechselwirkung eingehen. Bei Zugabe bestimmter Reagentien verdrängen diese die Base und die Germaniumverbindung reagiert wie ein Metall. Diese Eigenschaft birgt in sich die Hoffnung, dass durch maßgeschneiderte Synthese metallfreie katalytisch aktive Verbindungen entstehen, welche als Alternative oder Ergänzung zu den gängigen metallbasierten Katalysatoren gesehen werden können. Als Erweiterung des gerade beschriebenen Teils wurden Untersuchungen durchgeführt, bei denen divalente Germaniumverbindungen mit Metallen reagieren. Der Hauptgrund für die ungewöhnliche Reaktivität dieser Germaniumverbindungen liegt in ihren sowohl sauren wie auch basischen Eigenschaften. Damit können sie Bindungen zu elektronenreichen Substanzen wie Alkinen aber auch zu elektronenarmen Metallionen eingehen. Wie sich damit die Reaktivität von Metallkomplexen beeinflussen lässt, ist eine spannende Frage.
- Technische Universität Graz - 100%
Research Output
- 590 Zitationen
- 22 Publikationen
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2013
Titel Self-Seeded Growth of Germanium Nanowires: Coalescence and Ostwald Ripening DOI 10.1021/cm3032863 Typ Journal Article Autor Lotty O Journal Chemistry of Materials Seiten 215-222 Link Publikation -
2016
Titel NHC Adducts of Disilylated Germylenes and Stannylenes and Their Coordination Chemistry with Group 11 Metals DOI 10.1002/zaac.201600284 Typ Journal Article Autor Walewska M Journal Zeitschrift für anorganische und allgemeine Chemie Seiten 1304-1313 -
2016
Titel Alkyne Addition and Insertion Reactions of [(Me3Si)3Si]2Ge·PMe3 DOI 10.1002/chem.201603317 Typ Journal Article Autor Walewska M Journal Chemistry – A European Journal Seiten 18512-18521 -
2016
Titel Synthesis of indium nanoparticles at ambient temperature; simultaneous phase transfer and ripening DOI 10.1007/s11051-016-3683-8 Typ Journal Article Autor Aghazadeh Meshgi M Journal Journal of Nanoparticle Research Seiten 363 Link Publikation -
2015
Titel Synthesis of vinyl germylenes DOI 10.1039/c4cc07675c Typ Journal Article Autor Walewska M Journal Chemical Communications Seiten 276-278 -
2015
Titel Oligosilanylated Antimony Compounds DOI 10.1021/om501075v Typ Journal Article Autor Zitz R Journal Organometallics Seiten 1419-1430 Link Publikation -
2017
Titel Incorporating Methyl and Phenyl Substituted Stannylene Units into Oligosilanes. The Influence on Optical Absorption Properties DOI 10.3390/molecules22122212 Typ Journal Article Autor Stella F Journal Molecules Seiten 2212 Link Publikation -
2017
Titel Rapid, Low-Temperature Synthesis of Germanium Nanowires from Oligosilylgermane Precursors DOI 10.1021/acs.chemmater.7b00714 Typ Journal Article Autor Meshgi M Journal Chemistry of Materials Seiten 4351-4360 Link Publikation -
2017
Titel Tuning the Si–N Interaction in Metalated Oligosilanylsilatranes DOI 10.1021/acs.organomet.7b00084 Typ Journal Article Autor Meshgi M Journal Organometallics Seiten 1365-1371 Link Publikation -
2016
Titel Basic Reactivity Pattern of a Cyclic Disilylated Germylene DOI 10.1021/acs.organomet.6b00482 Typ Journal Article Autor Walewska M Journal Organometallics Seiten 2728-2737 Link Publikation -
2018
Titel Synthesis of Potassium Oligosilanides in Benzene DOI 10.1002/ejic.201800099 Typ Journal Article Autor Zitz R Journal European Journal of Inorganic Chemistry Seiten 2380-2386 Link Publikation -
2014
Titel Coordination Chemistry of Cyclic Disilylated Germylenes and Stannylenes with Group 11 Metals DOI 10.1021/om500668r Typ Journal Article Autor Hlina J Journal Organometallics Seiten 7069-7077 Link Publikation -
2011
Titel Conformational Control of Polysilanes: Use of CH2 Spacers in the Silicon Backbone DOI 10.1021/om1011159 Typ Journal Article Autor Wallner A Journal Organometallics Seiten 3930-3938 Link Publikation -
2011
Titel Rearrangement/Fragmentation Reactions of Oligosilanes with Aluminum Chloride DOI 10.1021/om1011165 Typ Journal Article Autor Wagner H Journal Organometallics Seiten 3939-3954 Link Publikation -
2015
Titel Silylated Group 14 Ylenes: An Emerging Class of Reactive Compounds DOI 10.1002/ejic.201500495 Typ Journal Article Autor Marschner C Journal European Journal of Inorganic Chemistry Seiten 3805-3820 -
2015
Titel Metalated Oligosilanylstibines DOI 10.1021/om501297h Typ Journal Article Autor Zitz R Journal Organometallics Seiten 1431-1439 Link Publikation -
2013
Titel Cyclic Disilylated and Digermylated Germylenes DOI 10.1021/om400365v Typ Journal Article Autor Hlina J Journal Organometallics Seiten 3404-3410 Link Publikation -
2013
Titel Coordination Chemistry of Disilylated Germylenes with Group 4 Metallocenes DOI 10.1021/om400215v Typ Journal Article Autor Hlina J Journal Organometallics Seiten 3300-3308 Link Publikation -
2014
Titel s-Bond electron delocalization of branched oligogermanes and germanium containing oligosilanes DOI 10.1016/j.ica.2014.07.005 Typ Journal Article Autor Hlina J Journal Inorganica Chimica Acta Seiten 120-133 Link Publikation -
2014
Titel Formation and Properties of a Bicyclic Silylated Digermene DOI 10.1002/chem.201402785 Typ Journal Article Autor Hlina J Journal Chemistry – A European Journal Seiten 9357-9366 Link Publikation -
2018
Titel Spirocyclic germanes via transannular insertion reactions of vinyl germylenes into Si–Si bonds DOI 10.1039/c8dt00315g Typ Journal Article Autor Walewska M Journal Dalton Transactions Seiten 5985-5996 Link Publikation -
2010
Titel Seedless Growth of Sub-10 nm Germanium Nanowires DOI 10.1021/ja1035368 Typ Journal Article Autor Hobbs R Journal Journal of the American Chemical Society Seiten 13742-13749 Link Publikation