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Mechanismen der Metronidazolresistenz in T. vaginalis

Mechanisms of metronidazole resistance in T. vaginalis

David Leitsch (ORCID: 0000-0001-9128-4501)
  • Grant-DOI 10.55776/P22546
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2010
  • Projektende 28.02.2014
  • Bewilligungssumme 252.189 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (50%); Geowissenschaften (20%); Gesundheitswissenschaften (30%)

Keywords

    Trichomonas, Thioredoxin reductase, Metronidazole, Flavin metabolism, Resistance

Abstract Endbericht

Der mikroaerophile Parasit Trichomonas vaginalis ist der Erreger einer als "Trichomonose" bezeichneten Vaginits bzw. Urethritis im Menschen. Die Trichomonose ist die häufigste nicht-virale und heilbare Geschlechtskrankheit mit ca. 170 Millionen gemeldeten Neuerkrankungen pro Jahr. Die Therapie der Trichomonose basiert fast ausschließlich auf der Gabe von Metronidazol und anderen 5-Nitroimidazolen. Tatsächlich ist Metronidazol praktisch gegen alle anaeroben bzw. mikroaerophilen Pathogene einsetzbar und zählt daher zu den 100 am häufigsten verschriebenen Medikamenten weltweit. Die spezifische Toxizität der 5-Nitroimidazole gegen Anaerobier und Mikroaerophile erklärt sich aus der Notwendigkeit der Reduktion der Nitrogruppe für die Bildung toxischer Metabolite, eine Reaktion die bevorzugt unter weitgehendem Ausschluss von Luftsauerstoff abläuft. In unserer bisherigen Arbeit über die Wirkungsweise von Metronidazol in T. vaginalis entdeckten wir, dass das Flavinenzym Thioredoxinreduktase Nitroimidazole reduzieren kann. Bei einer Zellinie mit hochgradiger, in vitro induzierter, Metronidazolresistenz konnten wir keine Thioredoxinreduktaseaktivität feststellen, obwohl das Enzym exprimiert wurde. Allerdings konnte die Aktivität durch Zugabe des enzymatischen Co-Faktors Flavinadenindinukleotid (FAD) in Enzymaktivitätsmessungen wiederhergestellt werden. Weiters entdeckten wir, dass metronidazolresistente Zellen keine freien Flavine, also Riboflavin, Flavinmononukleotid (FMN) und FAD reduzieren können. Folglich schlossen wir aus unseren Beobachtungen, dass die Reuktion von Metronidazol flavinvermittelt ist, und dass Metronidazolresistenz durch eine schwere Störung des Flavinmetabolismus verursacht wird, welche in geringeren Mengen an reduziertem Metronidazol in der Zelle resultiert. Tatsächlich konnten wir zeigen, dass die direkte Inhibierung flavinabhängiger Reaktionen, inklusive der Reduktion von Thioredoxin durch Thioredoxinreduktase, mit dem Flavininhibitor Diphenyleniodonium zu einer praktisch sofortigen und hochgradigen Resistenz gegenüber Metronidazol führt. Es wird daher Hauptziel dieses Projekts sein, die Zusammenhänge zwischen dem Flavinmetabolismus und der Reduktion von Metronidazol weiter zu beleuchten, und somit unsere Kenntnisse über die Metronidazolresistenz in T. vaginalis zu vertiefen. Zu diesem Zweck wird einerseits die Rolle der Thioredoxinreduktase bei der Reduktion von Metronidazol durch Deletion des entsprechenden Gens direkt untersucht werden. Andererseits werden die intrazellulären Konzentrationen von Riboflavin, FMN und FAD in normalen und metronidazolresistenten T. vaginalis gemessen und miteinander verglichen werden, und jene Enzyme, welche an der Synthese bzw. Reduktion von Flavinen in T. vaginalis beteiligt sind, auf genetischer und biochemischer Ebene in normalen und metronidazolresistenten Zellen untersucht werden.

Die Zielsetzung dieses Projekts war die Identifizierung und Charakterisierung von Faktoren, die zur Metronidazolresistenz im humanpathogenen, mikroaerophilen Protisten Trichomonas vaginalis beitragen. Obwohl das seit mehr als 50 Jahren eingesetzte Metronidazol (Flagyl) auch heute noch ein verlässliches Therapeutikum gegen T. vaginalis darstellt, werden immer wieder metronidazolresitente Trichomonaden aus Patienten isoliert. Da die von T. vaginalis hervorgerufene Trichomonose eine der am weitesten verbreiteten Geschlechtskrankheiten bzw. Parasitosen überhaupt darstellt, ist das Auftreten von resistenten T. vaginalis Stämmen eine beträchtliche medizinische Herausforderung. Frühere, u.a. durch den Projektleiter publizierte Studien legten zwei mögliche Mechanismen der Metronidazolresistenz nahe: 1, eine verringerte Reduktion der Nitrogruppe des Metronidazols, welche für die toxische Wirkung notwendig ist und 2, eine erhöhte intrazelluläre Sauerstoffkonzentration, welche die reduzierte Nitrogruppe reoxidiert und daher zur Entgiftung Metronidazols führt. Im Rahmen dieses Projekts konnte gezeigt werden, dass der erste Mechanismus nur in Laborstämmen mit in vitro induzierter Resistenz von Bedeutung, der zweite Mechanismus hingegen, bei metronidazolresistenten Laborstämmen und Patientenisolaten gleichermaßen beobachtbar ist. Es wurde zudem das Enzym identifiziert und charakterisiert, dessen verringerte Aktivität für die höheren intrazellulären Sauerstoffkonzentrationen verantwortlich ist: eine NADPH-abhängige Flavinreduktase, welche freie Flavine (d.h. FAD, FMN und Riboflavin) reduziert. Reduzierte Flavine, wiederum, reagieren mit Sauerstoff unter Bildung von Wasserstoffperoxid. Dieses Enzym weist in metronidazolresistenten T. vaginalis eine verringerte Aktivität auf oder fehlt sogar völlig. Die Transfektion eines metronidazolresistenten Isolats mit einem episomalen, funktionsfähigen Flavinreduktasegen stellte die ursprüngliche Empfindlichkeit gegenüber Metronidazol wieder fast völlig her. Interessanterweise sind keine näher verwandten Enzyme in anderen Parasiten auf genetischer Ebene bisher identifiziert worden, allerdings konnte im Rahmen dieses Projekts gezeigt werden, dass metronidazolresistente Stämme von Giardia lamblia, einem weiteren humanpathogenen, mikroaerophilen Protisten, ebenfalls eine verringerte Fähigkeit zur Reduktion von freien Flavinen aufweisen. Es ist daher wahrscheinlich, dass die verringerte Reduktion von Flavinen einen bedeutenden Einfluss auf die Entstehung von metronidazolresitenten Parasitenstämmen hat. Diese Erkenntnisse könnten in nicht allzu ferner Zukunft in die Diagnose und Therapie von durch mikroaerophile/anaerobe Erreger hervorgerufenen Infektionskrankheiten einfließen.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Daniel Kolarich, Griffith University - Australien

Research Output

  • 473 Zitationen
  • 9 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Down-regulation of flavin reductase and alcohol dehydrogenase-1 (ADH1) in metronidazole-resistant isolates of Trichomonas vaginalis
    DOI 10.1016/j.molbiopara.2012.03.003
    Typ Journal Article
    Autor Leitsch D
    Journal Molecular and Biochemical Parasitology
    Seiten 177-183
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Disrupted intracellular redox balance of the diplomonad fish parasite Spironucleus vortens by 5-nitroimidazoles and garlic-derived compounds
    DOI 10.1016/j.vetpar.2012.05.011
    Typ Journal Article
    Autor Williams C
    Journal Veterinary Parasitology
    Seiten 62-73
  • 2019
    Titel Identification of the NADH-oxidase gene in Trichomonas vaginalis
    DOI 10.1007/s00436-019-06572-8
    Typ Journal Article
    Autor Lamien-Meda A
    Journal Parasitology Research
    Seiten 683-686
    Link Publikation
  • 2013
    Titel A Reprofiled Drug, Auranofin, Is Effective against Metronidazole-Resistant Giardia lamblia
    DOI 10.1128/aac.01675-12
    Typ Journal Article
    Autor Tejman-Yarden N
    Journal Antimicrobial Agents and Chemotherapy
    Seiten 2029-2035
    Link Publikation
  • 2014
    Titel A study on Nim expression in Bacteroides fragilis
    DOI 10.1099/mic.0.074807-0
    Typ Journal Article
    Autor Leitsch D
    Journal Microbiology
    Seiten 616-622
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Nitroimidazole drugs vary in their mode of action in the human parasite Giardia lamblia
    DOI 10.1016/j.ijpddr.2012.04.002
    Typ Journal Article
    Autor Leitsch D
    Journal International Journal for Parasitology: Drugs and Drug Resistance
    Seiten 166-170
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Unexpected properties of NADP-dependent secondary alcohol dehydrogenase (ADH-1) in Trichomonas vaginalis and other microaerophilic parasites
    DOI 10.1016/j.exppara.2013.03.034
    Typ Journal Article
    Autor Leitsch D
    Journal Experimental Parasitology
    Seiten 374-380
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Trichomonas vaginalis flavin reductase 1 and its role in metronidazole resistance
    DOI 10.1111/mmi.12455
    Typ Journal Article
    Autor Leitsch D
    Journal Molecular Microbiology
    Seiten 198-208
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Pyruvate:ferredoxin oxidoreductase and thioredoxin reductase are involved in 5-nitroimidazole activation while flavin metabolism is linked to 5-nitroimidazole resistance in Giardia lamblia
    DOI 10.1093/jac/dkr192
    Typ Journal Article
    Autor Leitsch D
    Journal Journal of Antimicrobial Chemotherapy
    Seiten 1756-1765
    Link Publikation

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