Mechanismen der Metronidazolresistenz in T. vaginalis
Mechanisms of metronidazole resistance in T. vaginalis
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (50%); Geowissenschaften (20%); Gesundheitswissenschaften (30%)
Keywords
-
Trichomonas,
Thioredoxin reductase,
Metronidazole,
Flavin metabolism,
Resistance
Der mikroaerophile Parasit Trichomonas vaginalis ist der Erreger einer als "Trichomonose" bezeichneten Vaginits bzw. Urethritis im Menschen. Die Trichomonose ist die häufigste nicht-virale und heilbare Geschlechtskrankheit mit ca. 170 Millionen gemeldeten Neuerkrankungen pro Jahr. Die Therapie der Trichomonose basiert fast ausschließlich auf der Gabe von Metronidazol und anderen 5-Nitroimidazolen. Tatsächlich ist Metronidazol praktisch gegen alle anaeroben bzw. mikroaerophilen Pathogene einsetzbar und zählt daher zu den 100 am häufigsten verschriebenen Medikamenten weltweit. Die spezifische Toxizität der 5-Nitroimidazole gegen Anaerobier und Mikroaerophile erklärt sich aus der Notwendigkeit der Reduktion der Nitrogruppe für die Bildung toxischer Metabolite, eine Reaktion die bevorzugt unter weitgehendem Ausschluss von Luftsauerstoff abläuft. In unserer bisherigen Arbeit über die Wirkungsweise von Metronidazol in T. vaginalis entdeckten wir, dass das Flavinenzym Thioredoxinreduktase Nitroimidazole reduzieren kann. Bei einer Zellinie mit hochgradiger, in vitro induzierter, Metronidazolresistenz konnten wir keine Thioredoxinreduktaseaktivität feststellen, obwohl das Enzym exprimiert wurde. Allerdings konnte die Aktivität durch Zugabe des enzymatischen Co-Faktors Flavinadenindinukleotid (FAD) in Enzymaktivitätsmessungen wiederhergestellt werden. Weiters entdeckten wir, dass metronidazolresistente Zellen keine freien Flavine, also Riboflavin, Flavinmononukleotid (FMN) und FAD reduzieren können. Folglich schlossen wir aus unseren Beobachtungen, dass die Reuktion von Metronidazol flavinvermittelt ist, und dass Metronidazolresistenz durch eine schwere Störung des Flavinmetabolismus verursacht wird, welche in geringeren Mengen an reduziertem Metronidazol in der Zelle resultiert. Tatsächlich konnten wir zeigen, dass die direkte Inhibierung flavinabhängiger Reaktionen, inklusive der Reduktion von Thioredoxin durch Thioredoxinreduktase, mit dem Flavininhibitor Diphenyleniodonium zu einer praktisch sofortigen und hochgradigen Resistenz gegenüber Metronidazol führt. Es wird daher Hauptziel dieses Projekts sein, die Zusammenhänge zwischen dem Flavinmetabolismus und der Reduktion von Metronidazol weiter zu beleuchten, und somit unsere Kenntnisse über die Metronidazolresistenz in T. vaginalis zu vertiefen. Zu diesem Zweck wird einerseits die Rolle der Thioredoxinreduktase bei der Reduktion von Metronidazol durch Deletion des entsprechenden Gens direkt untersucht werden. Andererseits werden die intrazellulären Konzentrationen von Riboflavin, FMN und FAD in normalen und metronidazolresistenten T. vaginalis gemessen und miteinander verglichen werden, und jene Enzyme, welche an der Synthese bzw. Reduktion von Flavinen in T. vaginalis beteiligt sind, auf genetischer und biochemischer Ebene in normalen und metronidazolresistenten Zellen untersucht werden.
Die Zielsetzung dieses Projekts war die Identifizierung und Charakterisierung von Faktoren, die zur Metronidazolresistenz im humanpathogenen, mikroaerophilen Protisten Trichomonas vaginalis beitragen. Obwohl das seit mehr als 50 Jahren eingesetzte Metronidazol (Flagyl) auch heute noch ein verlässliches Therapeutikum gegen T. vaginalis darstellt, werden immer wieder metronidazolresitente Trichomonaden aus Patienten isoliert. Da die von T. vaginalis hervorgerufene Trichomonose eine der am weitesten verbreiteten Geschlechtskrankheiten bzw. Parasitosen überhaupt darstellt, ist das Auftreten von resistenten T. vaginalis Stämmen eine beträchtliche medizinische Herausforderung. Frühere, u.a. durch den Projektleiter publizierte Studien legten zwei mögliche Mechanismen der Metronidazolresistenz nahe: 1, eine verringerte Reduktion der Nitrogruppe des Metronidazols, welche für die toxische Wirkung notwendig ist und 2, eine erhöhte intrazelluläre Sauerstoffkonzentration, welche die reduzierte Nitrogruppe reoxidiert und daher zur Entgiftung Metronidazols führt. Im Rahmen dieses Projekts konnte gezeigt werden, dass der erste Mechanismus nur in Laborstämmen mit in vitro induzierter Resistenz von Bedeutung, der zweite Mechanismus hingegen, bei metronidazolresistenten Laborstämmen und Patientenisolaten gleichermaßen beobachtbar ist. Es wurde zudem das Enzym identifiziert und charakterisiert, dessen verringerte Aktivität für die höheren intrazellulären Sauerstoffkonzentrationen verantwortlich ist: eine NADPH-abhängige Flavinreduktase, welche freie Flavine (d.h. FAD, FMN und Riboflavin) reduziert. Reduzierte Flavine, wiederum, reagieren mit Sauerstoff unter Bildung von Wasserstoffperoxid. Dieses Enzym weist in metronidazolresistenten T. vaginalis eine verringerte Aktivität auf oder fehlt sogar völlig. Die Transfektion eines metronidazolresistenten Isolats mit einem episomalen, funktionsfähigen Flavinreduktasegen stellte die ursprüngliche Empfindlichkeit gegenüber Metronidazol wieder fast völlig her. Interessanterweise sind keine näher verwandten Enzyme in anderen Parasiten auf genetischer Ebene bisher identifiziert worden, allerdings konnte im Rahmen dieses Projekts gezeigt werden, dass metronidazolresistente Stämme von Giardia lamblia, einem weiteren humanpathogenen, mikroaerophilen Protisten, ebenfalls eine verringerte Fähigkeit zur Reduktion von freien Flavinen aufweisen. Es ist daher wahrscheinlich, dass die verringerte Reduktion von Flavinen einen bedeutenden Einfluss auf die Entstehung von metronidazolresitenten Parasitenstämmen hat. Diese Erkenntnisse könnten in nicht allzu ferner Zukunft in die Diagnose und Therapie von durch mikroaerophile/anaerobe Erreger hervorgerufenen Infektionskrankheiten einfließen.
- Daniel Kolarich, Griffith University - Australien
Research Output
- 473 Zitationen
- 9 Publikationen
-
2012
Titel Down-regulation of flavin reductase and alcohol dehydrogenase-1 (ADH1) in metronidazole-resistant isolates of Trichomonas vaginalis DOI 10.1016/j.molbiopara.2012.03.003 Typ Journal Article Autor Leitsch D Journal Molecular and Biochemical Parasitology Seiten 177-183 Link Publikation -
2012
Titel Disrupted intracellular redox balance of the diplomonad fish parasite Spironucleus vortens by 5-nitroimidazoles and garlic-derived compounds DOI 10.1016/j.vetpar.2012.05.011 Typ Journal Article Autor Williams C Journal Veterinary Parasitology Seiten 62-73 -
2019
Titel Identification of the NADH-oxidase gene in Trichomonas vaginalis DOI 10.1007/s00436-019-06572-8 Typ Journal Article Autor Lamien-Meda A Journal Parasitology Research Seiten 683-686 Link Publikation -
2013
Titel A Reprofiled Drug, Auranofin, Is Effective against Metronidazole-Resistant Giardia lamblia DOI 10.1128/aac.01675-12 Typ Journal Article Autor Tejman-Yarden N Journal Antimicrobial Agents and Chemotherapy Seiten 2029-2035 Link Publikation -
2014
Titel A study on Nim expression in Bacteroides fragilis DOI 10.1099/mic.0.074807-0 Typ Journal Article Autor Leitsch D Journal Microbiology Seiten 616-622 Link Publikation -
2012
Titel Nitroimidazole drugs vary in their mode of action in the human parasite Giardia lamblia DOI 10.1016/j.ijpddr.2012.04.002 Typ Journal Article Autor Leitsch D Journal International Journal for Parasitology: Drugs and Drug Resistance Seiten 166-170 Link Publikation -
2013
Titel Unexpected properties of NADP-dependent secondary alcohol dehydrogenase (ADH-1) in Trichomonas vaginalis and other microaerophilic parasites DOI 10.1016/j.exppara.2013.03.034 Typ Journal Article Autor Leitsch D Journal Experimental Parasitology Seiten 374-380 Link Publikation -
2013
Titel Trichomonas vaginalis flavin reductase 1 and its role in metronidazole resistance DOI 10.1111/mmi.12455 Typ Journal Article Autor Leitsch D Journal Molecular Microbiology Seiten 198-208 Link Publikation -
2011
Titel Pyruvate:ferredoxin oxidoreductase and thioredoxin reductase are involved in 5-nitroimidazole activation while flavin metabolism is linked to 5-nitroimidazole resistance in Giardia lamblia DOI 10.1093/jac/dkr192 Typ Journal Article Autor Leitsch D Journal Journal of Antimicrobial Chemotherapy Seiten 1756-1765 Link Publikation