Zirkadiane Rhythmen in den Amygdala
Amygdala circadian rhythms in mouse models of mood disorders
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (30%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (70%)
Keywords
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Circadian Rhythm,
Amygdala,
Depression,
Lipopolysaccharide,
Unpredictable Chronic Mild Stress,
Synaptic Strength
Depression ist eine der am stärksten beeintraechtigenden psychischen Erkrankungen mit hohen Mortalitäts- und Morbiditätsraten. Die Depression und anderen affektiven Störungen zugrunde liegenden pathophysiologischen Mechanismen sind nicht genau bekannt. Ein entscheidender Faktor für die genaue Diagnostik der individuellen Subtypen depressiver Erkrankungen und die Entwicklung neuer Wirkstoffe, ist die Erforschung der verantwortlichen neurobiologischen Mechansimen. Beobachtungen von Veränderungen des biologischen Rhythmus bei Menschen mit Gemütsstörungen sind seit langem bekannt und wurden jetzt durch moderne wissenschaftliche Ergebnisse über Störungen des Tag/Nacht- Rhythmus bei psychiatrischen Patienten ergänzt. Diese Tatsachen, gemeinsam mit neuesten ausführlichen Darstellungen der molekularen und funktionellen Kreisläuefe des endogenen zirkadianen Systems liefern die Grundlage für das vorliegende Projekt, in dem wir Veränderungen des zirkadianen Rhythmus der clock genes in Tiermodellen für affektive Störungen untersuchen wollen. Wir werden uns im besonderen auf die Amygdala konzentrieren, jene subkortikale Hirnregion, die eine zentrale Stellung bei der Verarbeitung von Emotionen einnimmt. Es wird angenommen, dass die Amygdala an der Pathogenese von affektiven Störungen beteiligt und für die Reaktion auf Antidepressiva von Bedeutung sind. Wir werden zunächst die Expression von circadianen Genen ("clock genes") in den Amygdala bestimmen und mögliche diurnale Oszillationen ihrer Expression beschreiben. Dann werden wir bei Mäusen mittels Applikation von Lipopolysachariden (LPS) depressionsartiges Verhalten hervorrufen und die dadurch eventuell induzierten Verändeungen der zirkadianen Expressionsmuster der clock genes und der funktionellen Aktivität der Amygdala untersuchen. Diese Ergebnisse werden dann mit jenen aus einem anderen, nicht immunologisch induzierten Maus-Modell für Depression ("unpredictable chronic mild stress", UCMS) verglichen werden und so auch der Einfluss des Immunsystems auf depressionsartiges Verhalten und Veränderung der Expressions der clock genes untersucht werden. Schliesslich soll der zugrunde liegenden molekulare Signaltransdultionsaweg analysiert werden. Zukünftig wollen wir untersuchen, ob Verändeungen von zirkadianen Oszillationen in den Amygdala ursaechlich mit der Entwicklung von depressionsartigem Verhalten zusammenhängen und ob man durch die Modulation von "clock genes" in den Amygdala einen antidepressiven Effekt im Mausmodell erzielen kann.
Störungen der zirkadianen Rhythmik von Verhaltens- und anderen physiologischen Prozessen sind häufig in Patienten mit depressiven Störungen zu beobachten. Jedoch wurde eine direkte Beteiligung des zirkadianen Systems in der Pathophysiologie der Depression bzw. deren molekularen Schnittstelle bisher noch nicht beschrieben. In diesem Projekt wurden drei, einander ergänzende Zugänge gewählt, um die mögliche Rolle der sogenannten clock genes, der molekularen Organisatoren des zirkadianen Rhythmus im depressionsartigen Verhalten der Maus zu untersuchen. Hier wurde ein Schwerpunkt auf die Untersuchung dieser Gene in jenen Gehirnregionen, welche vermutlich am neuronalen Schaltkreis der Depression beteiligt sind (Amygdala und Hipppokampus), gelegt. Es konnte gezeigt werden, dass depressionsartiges Verhalten bei der Maus, welches - in Analogie zur menschlichen Situation durch langandauernde Stress-Exposition hervorgerufen wurde, mit einer gestörten Oszillation der clock gene Expression in den Amygdala einher geht (Savalli et al. 2014). Weiters wurde in einem Mausstamm, welcher durch selektive Inzucht hergestellt wurde, erstmalig das Vorliegen gestörter zirkadianer Verhaltensrhythmen in einem genetischen Tier-Modell für Depression mit co-morbider Angststörung beobachtet. Die molekularen Analysen ergaben einen Hinweis für eine spezielle Bedeutung des clock genes cry2 in diesem Zusammenhang (Griesauer et al. 2014). Nachfolgend konnte die positive Beeinflussung, sowohl der Verhaltens- als auch der molekularen Veränderungen durch pharmakologische antidepressive Therapie experimentell bewiesen werden (Schaufler et al. 2016). Zusätzlich wurde die konkrete Rolle von cry2 bei der Depression anhand der Charakterisierung des Verhaltens von cry2-defizienten Mäusen untersucht, welche vermehrt anhedonisches Verhalten und Depression-assoziierte Angst, zeigten (Savalli et al. 2015). Zusammen verstärken diese Daten die Hypothese, dass die abnorme Kontrolle der zirkadianen Rhythmik bei Depression tatsächlich ein direktes Ergebnis des psychischen Krankheitszustandes selbst sein könnte. Weiters konnten solide experimentelle Hinweise für eine konkrete Beteiligung der clock genes an den zugrunde liegenden neuropathologischen Prozessen gewonnen werden. Diese Ergebnisse bilden auch die Grundlage für zukünftige Untersuchungen, welche auf die Identifizierung alternativer pharmakologischer Behandlungsstrategien bzw. neuer Biomarker für Depression gerichtet sein könnten.
Research Output
- 818 Zitationen
- 14 Publikationen
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2020
Titel Circadian abnormalities in a mouse model of high trait anxiety and depression DOI 10.6084/m9.figshare.11798907.v1 Typ Other Autor Griesauer I Link Publikation -
2020
Titel Circadian abnormalities in a mouse model of high trait anxiety and depression DOI 10.6084/m9.figshare.11798907 Typ Other Autor Griesauer I Link Publikation -
2015
Titel Anhedonic behavior in cryptochrome 2-deficient mice is paralleled by altered diurnal patterns of amygdala gene expression DOI 10.1007/s00726-015-1968-3 Typ Journal Article Autor Savalli G Journal Amino Acids Seiten 1367-1377 Link Publikation -
2015
Titel Diurnal Oscillation of Amygdala Clock Gene Expression and Loss of Synchrony in a Mouse Model of Depression DOI 10.1093/ijnp/pyu095 Typ Journal Article Autor Savalli G Journal International Journal of Neuropsychopharmacology Link Publikation -
2015
Titel STAT3 controls IL6-dependent regulation of serotonin transporter function and depression-like behavior DOI 10.1038/srep09009 Typ Journal Article Autor Kong E Journal Scientific Reports Seiten 9009 Link Publikation -
2017
Titel Disrupted Ultradian Activity Rhythms and Differential Expression of Several Clock Genes in Interleukin-6-Deficient Mice DOI 10.3389/fneur.2017.00099 Typ Journal Article Autor Monje F Journal Frontiers in Neurology Seiten 99 Link Publikation -
2014
Titel Circadian abnormalities in a mouse model of high trait anxiety and depression DOI 10.3109/07853890.2013.866440 Typ Journal Article Autor Griesauer I Journal Annals of Medicine Seiten 148-154 Link Publikation -
2014
Titel A novel Fibroblast Growth Factor Receptor family member promotes neuronal outgrowth and synaptic plasticity in Aplysia DOI 10.1007/s00726-014-1803-2 Typ Journal Article Autor Pollak D Journal Amino Acids Seiten 2477-2488 Link Publikation -
2014
Titel Long-term effects of maternal immune activation on depression-like behavior in the mouse DOI 10.1038/tp.2013.132 Typ Journal Article Autor Khan D Journal Translational Psychiatry Link Publikation -
2015
Titel Fluoxetine normalizes disrupted light-induced entrainment, fragmented ultradian rhythms and altered hippocampal clock gene expression in an animal model of high trait anxiety- and depression-related behavior DOI 10.3109/07853890.2015.1122216 Typ Journal Article Autor Schaufler J Journal Annals of Medicine Seiten 17-27 Link Publikation -
2015
Titel The Poly(I:C)-induced maternal immune activation model in preclinical neuropsychiatric drug discovery DOI 10.1016/j.pharmthera.2015.01.001 Typ Journal Article Autor Reisinger S Journal Pharmacology & Therapeutics Seiten 213-226 Link Publikation -
2013
Titel Flotillin-1 is an evolutionary-conserved memory-related protein up-regulated in implicit and explicit learning paradigms DOI 10.3109/07853890.2013.770637 Typ Journal Article Autor Monje F Journal Annals of Medicine Seiten 301-307 Link Publikation -
2013
Titel Learning not to Fear: Neural Correlates of Learned Safety DOI 10.1038/npp.2013.191 Typ Journal Article Autor Kong E Journal Neuropsychopharmacology Seiten 515-527 Link Publikation -
2011
Titel Constant Darkness Induces IL-6-Dependent Depression-Like Behavior through the NF-?B Signaling Pathway DOI 10.1523/jneurosci.1537-11.2011 Typ Journal Article Autor Monje F Journal The Journal of Neuroscience Seiten 9075-9083 Link Publikation