Kontrast erweiterte AOOCT für die retinale Bildgebung
Contrast enhanced AOOCT for imaging the human retina in vivo
Wissenschaftsdisziplinen
Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (30%); Physik, Astronomie (70%)
Keywords
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Optical Coherence Tomography,
Doppler OCT,
Adaptive Optics,
Autofluorescence,
Polarization Sensitive Imaging,
Scanning Laser Ophthalmoscopy
Die menschliche Netzhaut besteht aus unterschiedlichen Schichten welche die komplexe Aufgabe übernehmen, sowohl das einfallende Licht in elektrische Signale umzuwandeln, als auch die entstehende Information aufzubereiten bevor diese zum Gehirn weitergeleitet wird. Augenkrankheiten reduzieren die Funktionalität der Netzhaut, wodurch es, ohne Behandlung, zu einem Verlust des Sehvermögens beziehungsweise im Endstadium zur Erblindung kommen kann. In den vergangen Jahrhunderten sind unterschiedlichste optische Techniken entwickelt worden um die Netzhaut in vivo zu untersuchen. Die direkte Funduskopie und in weiterer Folge die Fundusphotographie gelten dabei immer noch als "Gold Standard" in der Diagnostik der Netzhauterkrankungen. Allerdings liefern diese Techniken nur oberflächliche Bilder ohne Tiefenauflösung. In den letzten Jahren entwickelten sich zwei unterschiedliche Techniken, Scanning Laser Ophthalmoskopie (SLO) und optische Kohärenztomographie (OCT), zu leistungsstarken modernen klinischen Untersuchungsmethoden. Hervorzuheben wäre hierbei die einzigartige Tiefenauflösung von OCT welche die Unterscheidung von den einzelnen retinalen Schichten erlaubt und daher eine verbesserte Diagnose verglichen mit anderen Methoden ermöglicht. Mit kommerziell erhältlichen OCT Systemen ist es allerdings derzeit nicht möglich i) einzelne Zellen auf der Netzhaut zu visualisieren, ii) zusätzlichen Bildkontrast zu erzeugen oder iii) funktionelle Eigenschaften der Retina zu untersuchen. Ad i) Imperfektionen der abbildenden Optik des Auges limitieren die erreichbare transversale Auflösung und damit die Möglichkeit eines Geräts einzelne Zellen zu visualisieren. Mit Hilfe von adaptiver Optik (AO) können diese Imperfektionen korrigiert werden, um eine Auflösung entsprechend dem Diffraktionslimit des Auges zu erreichen. Ad ii) Diverse Techniken wurden für die OCT entwickelt um zusätzlichen Bildkontrast zu erreichen; Doppler OCT detektiert und misst die Geschwindigkeiten von bewegten Teilchen, polarisationssensitive OCT (PS-OCT) nützt die Polarisationseigenschaften des Lichtes um zusätzliche Informationen (z.B. Doppelbrechung, Depolarisation) über das Objekt zu sammeln, Phasenkontrast OCT verwendet die Phaseninformation des Lichtes um einen zusätzlichen Kontrast (basierend auf unterschiedlicher optischer Länge) zu erzeugen. Ad iii) Erste Experimente untersuchten die Möglichkeiten mittels SLO und OCT retinale Funktion zu messen. Vielversprechende Ergebnisse wurden mit SLO und AO-SLO erzielt, allerdings mit einer geringen Tiefenauflösung. Bis jetzt wurde die retinale Funktion mit Hilfe von OCT auf zellulärer Ebene noch nicht untersucht. Ziel dieses Projektes ist die Entwicklung eines neuartigen diagnostischen Gerätes welches AO mit einem simultanen SLO/OCT Bildgebungssystem kombiniert. In einer Pilotstudie konnten wir die Vorteile eines solchen Systems verglichen mit anderen AO-OCT Systemen hervorheben. Darüber hinausgehend sollen unterschiedliche Kontrastmechanismen (Doppler OCT, PS-OCT, Phasenkontrast OCT) in dieses Gerät implementiert werden. Zusätzlich soll die Möglichkeit bestehen mit diesem Gerät Autofluoreszenz Bilder aufzunehmen um auch einen molekularen Kontrast zu generieren. Das neu entwickelte Gerät soll Bilder der menschlichen Retina mit zellulärer Auflösung und erweitertem Kontrast liefern, und soll sowohl an Freiwilligen als auch an Patienten mit unterschiedlichsten Netzhauterkrankungen getestet werden. In der letzten Phase des Projekts soll die retinale Funktionalität (Veränderung der Retina nach Lichtstimulation) untersucht werden. Die mit dem Gerät gesammelten Daten könnten neue Einblicke in den Status und den Verlauf von diversen Netzhauterkrankungen liefern. Das Messen der retinalen Funktion liefert zusätzliche Informationen und könnte in Kombination mit den strukturellen Messungen zu einer genaueren Diagnose der zugrundeliegenden Krankheit führen. Längerfristig ist es denkbar, dass mit dem neuen Gerät der Verlauf einer Krankheit bzw. der Erfolg einer Therapie besser als bisher beobachtbar wäre und damit verbunden eine Optimierung der Behandlung möglich wäre.
Der Sehsinn gehört zu den komplexesten Sinnen des Menschen. Krankheiten können die Funktionalität des Auges herabsetzen, wodurch es, ohne Behandlung, zu Sehverlust und sogar Erblindung kommen kann. Ein wesentlicher Bestandteil des Sinnesorgans Auge ist die Netzhaut, die das in das Auge einfallende Licht in elektrische Signale umwandelt. Diese Signale werden noch innerhalb der Netzhaut vorverarbeitet bevor die entsprechende Information dann in das visuelle Zentrum des Gehirns weitergeleitet wird. Für eine genauere Diagnose und eine Optimierung der derzeitigen Therapien benötigt man nicht invasive bildgebende Verfahren die möglichst viele Details der Netzhaut in vivo erfassen können. Im Rahmen dieses Projektes wurden Geräte entwickelt die sogar winzigste Strukturen (etwa einzelne lichtempfindliche Zellen wie Zapfen oder Stäbchen) auf der Netzhaut darstellen können. Um die dafür nötige Auflösung zu erzielen wurde die sogenannte adaptive Optik eingesetzt, ein Verfahren welches schon in der Astronomie erfolgreich angewandt wird um noch schärfere Bilder zu bekommen. Um zusätzlich die Tiefenauflösung der Bilder zu steigern wurde die adaptive Optik mit der optischen Kohärenztomographie kombiniert. Die optische Kohärenztomographie ist ein mittlerweile insbesondere in der Augenheilkunde etabliertes Verfahren mit dessen Hilfe Schnittbilder der Netzhaut mit einer Tiefenauflösung von wenigen Mikrometern aufgenommen werden können. Durch die Kombination dieser beiden Verfahren ist es nun möglich Strukturen der Netzhaut mit bis dato unerreichbarer Schärfe und Detailtreue abzubilden. Das Verfahren ist nicht-invasiv und wurde in vivo an Freiwilligen und Patienten angewandt. Desweitern können mit dieser Technik Abläufe innerhalb der Netzhaut auf zellulärer Ebene beobachten werden. Ein Beispiel für diese Abläufe ist die Erneuerung von Teilen der lichtempfindlichen Zellen. Diese Erneuerung ist extrem wichtig um zellulären Schaden durch die Lichteinstrahlung vorzubeugen. Dieser Prozess ist zwar bekannt aus Experimenten in unterschiedlichsten Tiermodellen, eine Anwendung der verwendeten Techniken am menschlichen Auge ist aber unmöglich da die Daten nur ex-vivo erfasst werden können. Im Rahmen dieses Projektes konnte nun zum ersten Mal dieser Erneuerungsprozess direkt am Menschen in vivo beobachtet werden. Dies ist ein wesentlicher Schritt für ein besseres Verständnis dieser Prozesse die wahrscheinlich mit fortschreitendem Alter gestört werden und dadurch die Entstehung von Erkrankung der Netzhaut, etwa durch die altersbedingten Makula Degeneration, begünstigen.
- Christian Ahlers, Medizinische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Robert Zawadzki, UC Davis School of Medicine - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 445 Zitationen
- 10 Publikationen
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2024
Titel Improvements on speed, stability and field of view in adaptive optics OCT for anterior retinal imaging using a pyramid wavefront sensor DOI 10.1364/boe.533451 Typ Journal Article Autor Brunner E Journal Biomedical Optics Express Seiten 6098-6116 Link Publikation -
2015
Titel Acousto Optic Modulation Based En face AO SLO OCT DOI 10.1007/978-3-319-06419-2_64 Typ Book Chapter Autor Pircher M Verlag Springer Nature Seiten 1921-1939 -
2015
Titel Imaging of retinal vasculature using adaptive optics SLO/OCT DOI 10.1364/boe.6.001407 Typ Journal Article Autor Felberer F Journal Biomedical Optics Express Seiten 1407-1418 Link Publikation -
2017
Titel Influence of wave-front sampling in adaptive optics retinal imaging. DOI 10.1364/boe.8.001083 Typ Journal Article Autor Laslandes M Journal Biomedical optics express Seiten 1083-1100 Link Publikation -
2017
Titel Review of adaptive optics OCT (AO-OCT): principles and applications for retinal imaging [Invited]. DOI 10.1364/boe.8.002536 Typ Journal Article Autor Pircher M Journal Biomedical optics express Seiten 2536-2562 Link Publikation -
2025
Titel Image Quality in Adaptive Optics Optical Coherence Tomography of Diabetic Patients DOI 10.3390/diagnostics15040429 Typ Journal Article Autor Brunner E Journal Diagnostics Seiten 429 Link Publikation -
2020
Titel Visualizing human photoreceptor and retinal pigment epithelium cell mosaics in a single volume scan over an extended field of view with adaptive optics optical coherence tomography DOI 10.1364/boe.393906 Typ Journal Article Autor Shirazi M Journal Biomedical Optics Express Seiten 4520-4535 Link Publikation -
2012
Titel Lens based adaptive optics scanning laser ophthalmoscope. DOI 10.1364/oe.20.017297 Typ Journal Article Autor Felberer F Journal Optics express Seiten 17297-310 Link Publikation -
2014
Titel Adaptive optics SLO/OCT for 3D imaging of human photoreceptors in vivo. DOI 10.1364/boe.5.000439 Typ Journal Article Autor Felberer F Journal Biomedical optics express Seiten 439-56 Link Publikation -
2010
Titel Temporal changes of human cone photoreceptors observed in vivo with SLO/OCT DOI 10.1364/boe.2.000100 Typ Journal Article Autor Pircher M Journal Biomedical Optics Express Seiten 100-112 Link Publikation