Der Einfluss von Steuern auf Beteiligungsstrukturen
The impact of taxation on corporate holdings
Wissenschaftsdisziplinen
Wirtschaftswissenschaften (100%)
Keywords
-
Tax Policy,
Capital Gains Taxation,
Corporate Taxation,
Group Taxation,
Corporate Holdings,
(de)concentration
In den letzten Jahren wurden in Europa zahlreiche Steuerreformen durchgeführt, deren Neuregelungen Auswirkungen auf die Beteiligungsstruktur von Kapitalgesellschaften erwarten lassen. Exemplarisch sind hierbei vor allem Deutschland und Österreich zu nennen. Ein Ziel der deutschen Unternehmenssteuerreform 2000 bestand darin, durch die Körperschaftsteuerbefreiung von Veräußerungsgewinnen aus Beteiligungen an Kapitalgesellschaften die Entflechtung deutscher Überkreuzbeteiligungen zu erleichtern. Österreich hingegen setzte mit der Einführung der Gruppenbesteuerung 2005 und der Möglichkeit zur grenzüberschreitenden Verlustverrechnung einen Schritt in Richtung zunehmender Verflechtung von Beteiligungsstrukturen. Da diese Unternehmenssteuerreformen mittlerweile einige Jahre zurückliegen, bietet sich nunmehr ein besonders geeigneter Zeitpunkt zur empirischen Untersuchung ihrer Entscheidungswirkungen. Betrachtet man zum Beispiel die Situation in Deutschland, so zeigt sich sieben Jahre nach dem Inkrafttreten der Reform folgendes Bild: " Die Kapitalverflechtungen zwischen deutschen Unternehmen sind deutlich zurückgegangen; vor allem die Anzahl der Überkreuzbeteiligungen ist stark gesunken. Aus zeitlicher Sicht ist dabei auffallend, dass der Hauptentflechtungsprozess jedoch erst ab 2004 eingesetzt hat. " Auf der Seite der personellen Verflechtungen zeigt sich hingegen ein entgegen gesetztes Bild: Auch wenn zwischen 1992 und 2001 die Verflechtungen in den Aufsichts- und Leitungsorganen zurückgegangen sind, haben diese seit 2002 wieder einen Anstieg erfahren. Ob steuerliche Faktoren das Hauptmotiv für die Entflechtung der deutschen Beteiligungsstrukturen waren, wurde bisher in der Literatur kaum behandelt. Auch die Frage, inwieweit mit der österreichischen Steuerreform die gewünschte Stärkung Österreichs als Holdingstandort erreicht werden konnte, wurde bis dato nicht empirisch untersucht. Zudem fehlt es bisher an einer länderübergreifenden Betrachtung der Thematik. Ziel des Forschungsprojekts ist es daher, den Einfluss steuerlicher Rahmenbedingungen auf Beteiligungsstrukturen zu ermitteln und dabei den Untersuchungsgegenstand auf weitere europäische Länder mit entsprechenden Steuerreformen auszuweiten. Die Untersuchungser-gebnisse sollen auch Prognosen über die Wirkungen geplanten Steuerreformmaßnahmen zur Beteiligungsertragsbefreiung und zur Veräußerungsgewinnbesteuerung auf Beteiligungsstrukturen ermöglichen. In der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre finden sich bislang nur wenige empirische Untersuchungen, die sich mit den Entscheidungswirkungen verschiedener Körperschaftsteuersysteme befassen. Deshalb kann das geplante Forschungsprojekt einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung dieses Defizits leisten.
In den letzten Jahren wurden in Europa zahlreiche Steuerreformen durchgeführt, deren Neuregelungen Auswirkungen auf die Beteiligungsstruktur von Kapitalgesellschaften erwarten lassen. Exemplarisch sind hierbei vor allem Deutschland und Österreich zu nennen. Ein Ziel der deutschen Unternehmenssteuerreform 2000 bestand darin, durch die Körperschaftsteuerbefreiung von Veräußerungsgewinnen aus Beteiligungen an Kapitalgesellschaften die Entflechtung deutscher Überkreuzbeteiligungen, die insbesondere in der Finanzbranche bestanden, zu erleichtern. Österreich hingegen setzte mit der Einführung der Gruppenbesteuerung 2005 und der Möglichkeit zur grenzüberschreitenden Verlustverrechnung einen Schritt in Richtung zunehmender Verflechtung von Beteiligungsstrukturen. Im Rahmen des Forschungsprojektes wurde untersucht, ob die beiden genannten Steuerreformen einen Einfluss auf die Beteiligungsstruktur von Kapitalgesellschaften hatten.Es konnte gezeigt werden, dass deutsche Unternehmen auf die Körperschaftsteuerbefreiung von Veräußerungsgewinnen aus Beteiligungen an Kapitalgesellschaften mit einer vermehrten Veräußerung von Beteiligungen nach 2001 reagiert haben. Der Großteil der Beteiligungen wurde bereits 2002 und somit im ersten Jahr der Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne verkauft, was eine sofortige und weitreichende Reaktion deutscher Unternehmen auf die Steuerreform zeigt. Weiters konnte gezeigt werden, dass der Anstieg an Veräußerungen nicht auf einzelne Industrien begrenzt ist, sondern vor allem auch kleinere, nicht börsennotierte Unternehmen die Möglichkeit zur steuerfreien Realisierung von Veräußerungsgewinnen genutzt haben. Entgegen der in den Medien weit verbreiteten Annahme kann nicht nachgewiesen werden, dass Unternehmen der Finanzbranche signifikant häufiger veräußert haben als Unternehmen aller anderen Branchen.Hinsichtlich der Auswirkungen der Einführung der grenzüberschreitenden Gruppenbesteuerung in Österreich konnte gezeigt werden, dass der Anteil an potentiellen inländischen und ausländischen Gruppenmitgliedern nach 2004 signifikant ansteigt. Zudem wird deutlich, dass ausländische Unternehmen vermehrt österreichische Zwischengesellschaften verwenden, um den Steuervorteil der österreichischen Gruppenbesteuerung zu nutzen. Es zeigt sich jedoch auch, dass nur ausländische Unternehmen, die bereits vor der Einführung der Gruppenbesteuerung über eine Tochtergesellschaft in Österreich verfügten, von der neuen Gruppenbesteuerung Gebrauch machen, während für Unternehmen, die zuvor noch nicht in Österreich investiert waren, kein signifikanter Anstieg an österreichischen Zwischengesellschaften nachgewiesen werden kann.
- Universität Graz - 100%
Research Output
- 37 Zitationen
- 12 Publikationen
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2019
Titel The Effect of Cross-Border Group Taxation on Ownership Chains DOI 10.1080/09638180.2018.1564689 Typ Journal Article Autor Rünger S Journal European Accounting Review Seiten 929-946 Link Publikation -
2016
Titel Tax-induced distortions of effort and compensation in a principal-agent setting DOI 10.1016/j.intaccaudtax.2016.07.002 Typ Journal Article Autor Martini J Journal Journal of International Accounting, Auditing and Taxation Seiten 26-39 -
2015
Titel The Effect of Cross-Border Group Taxation on Ownership Chains. Typ Journal Article Autor Rünger S Journal arqus Diskussionsbeitrag -
2015
Titel Der Einfluss des Budgetbegleitgesetzes 2011 auf das Handelsvolumen am österreichischen Kapitalmarkt. Typ Journal Article Autor Niemann T Journal Österreichische Steuerzeitung -
2019
Titel Investor taxation, firm heterogeneity and capital structure choice DOI 10.1007/s10797-019-09536-x Typ Journal Article Autor Rünger S Journal International Tax and Public Finance Seiten 719-757 Link Publikation -
2014
Titel The Effect of Shareholder Taxation on Corporate Ownership Structures DOI 10.1007/978-3-658-04131-1 Typ Book Autor Rünger S Verlag Springer Nature -
2012
Titel Corporate Financial Policy and Individual Income Tax in Austria. Typ Journal Article Autor Haring M Journal Die Betriebswirtschaft, Themenheft Empirical Tax Research -
2012
Titel The Effect of Germany's Repeal of the Corporate Capital Gains Tax - Evidence from the Disposal of Corporate Minority Holdings. Typ Journal Article Autor Rünger S Journal arqus Diskussionsbeitrag -
2011
Titel The Effect of Germany's Tax Reform Act 2001 on Corporate Ownership - Insights from Disposals of Minority Blocks. Typ Journal Article Autor Rünger S Journal arqus Diskussionsbeitrag -
2016
Titel Investor Taxation, Firm Heterogeneity and Capital Structure Choice DOI 10.2139/ssrn.2866861 Typ Preprint Autor Haring M Link Publikation -
2013
Titel Wie können Unternehmen mit steuerlichen Verlustvorträgen identifiziert werden? - Ergebnisse einer Replikationsstudie. Typ Journal Article Autor Niemann R Journal BankArchiv -
2013
Titel Sooner or Later? – Paradoxical Investment Effects of Capital Gains Taxation under Simultaneous Investment and Abandonment Flexibility DOI 10.1080/09638180.2012.682781 Typ Journal Article Autor Niemann R Journal European Accounting Review Seiten 367-390