H. C. Artmann: Werk und Kontext
H. C. Artmann: Work and Context
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (15%); Sprach- und Literaturwissenschaften (85%)
Keywords
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H. C. Artmann (1921-2000),
Literary History,
Austrian literature,
Biography,
German-language literature,
Bibliography
Das Projekt H. C. Artmann: Werk und Kontext, beantragt für eine Dauer von 36 Monaten, unternimmt im methodischen Rahmen von analytischer Literaturwissenschaft die erste umfangreiche Aufarbeitung von H. C. Artmanns Werk und seinen Kontexten. Die jeweiligen Textanalysen (bzgl. Inhalt und Form, Gattungszugehörigkeit, Intertexte etc.) werden durch jeweils relevante Kontextdarstellungen erweitert werden, die vom biographischen Zusammenhängen bis hin zu kulturpolitischen Konstellationen und gesellschaftlichen Rezeptionsbedingungen reichen. Dabei geht es nicht um eine bloße Abfolge von Einzelinterpretationen; diese bilden zwar das Gerüst der textorientierten Gesamtdarstellung, werden aber untereinander (werkintern; z.B. durch wiederkehrende Motive) und auf ihre unterschiedlichen Kontexte hin (werkextern) verbunden. Die kontextuell präzisierende Einbettung ist auch deshalb nötig, weil Artmanns stilistische Vielfalt innerhalb einer gleichbleibenden Autonomie-Asthetik im Wandel der unterschiedlichen historischen Kontexte nach 1945 unterschiedlichen Stellenwert angenommen hat, sei es als Protestgebärde gegen die Aufbaumentalität der Nachkriegszeit, gegen den engagierten Literaturbegriff der späten 1960er oder gegen Tendenzen von Neuer Subjektivität in den 1970ern. In Form einer Werkmonographie (konzipiert zugleich als leserfreundliche Einführung und Aufarbeitung bisheriger Forschung), einer kurzen Biographie, einer annotierten Bibliographie der Primär- und Sekundärliteratur sowie mehreren Artikeln und Vorträgen soll die chronologisch geleitete Bearbeitung neben dem Auffinden und Bearbeiten neuen oder wenig ausgewerteten Materials (z.B. Teilnachlässe, "Bibliothek H. C. Artmann" in der Wiener Rathaus-Bibliothek) eine Gesamtinterpretation von Artmanns Werk erstellen, zusammen mit innovativen Deutungen und literarhistorischen Einbettungen in Tendenzen der österreichischen und deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, um auch die langfristigen Wirkungen seiner Übersetzungs- und Vermittlungstätigkeit, z.B. von modernistischer Literatur oder Populärkultur, zu belegen.
Das dreijährige Projekt war am Institut für Germanistik an der Universität Wien angesiedelt und unternahm die erste systematische Aufarbeitung von H. C. Artmanns Werk und dessen vielfältigen Kontexten, welche von biographischen Zusammenhängen bis hin zu kulturpolitischen Rahmenbedingungen reichen. Auf der Grundlage methodisch sorgfältiger Einzelinterpretationen wurden Artmanns Texte auf ihre stilistische Vielfalt und Autonomie-Ästhetik hin untersucht, wobei sein Werk (bzw. dessen Bewertung durch Leser und Kritiker) in der Abfolge (literar)historischer Kontexte nach 1945 in Österreich und Deutschland unterschiedlichen Stellenwert annahm: als Protestgebärde gegen die Aufbau-Mentalität der Nachkriegszeit oder gegen den engagierten Literaturbegriff der späten 1960er oder gegen Tendenzen von Neuer Subjektivität in den 1970ern. Darüber hinaus beinhaltet sein Werk frühe Formen postmoderner Schreibweisen im Hinblick auf Intertextualität, Ironie, Populärkultur, Unterhaltungswert und Gesten einer neuen Bescheidenheit. Die hauptsächliche Bearbeitung und Präsentation der Projektergebnisse liefert eine chronologisch strukturierte Werkmonographie (Erscheinungsjahr 2015), welche die Vorteile einer leserfreundlichen Einführung mit denen eines Handbuchs und einer Auswahlbibliographie kombiniert. Die letztere Funktion einer Bibliographie wird auf vollständigere Weise eine selbständig publizierte, annotierte Bibliographie (Mediographie) übernehmen. Neben schon gehaltenen Vorträgen und veröffentlichten Artikeln erscheint Ende 2014 der Sammelband von Beiträgen (nebst original geschriebenen Aufsätzen), die anlässlich der vom Projektleiter mitorganisierten internationalen H. C. Artmann Konferenz 60 Jahre acht-punkte-proklamation des poetischen actes (Wien; 11.-12. Apr. 2013) gehalten wurden. Das Projekt ermöglichte mehrere Formen produktiver und langfristig geplanter Zusammenarbeit, sowohl informell mit Bekannten und Schriftstellerkollegen Artmanns, mit jüngeren Wissenschaftlern und Studenten, mit Privat- und Verlagsarchiven, als auch formell mit etablierten Experten aus dem In- und Ausland und der Wienbibliothek im Rathaus. Der Pflege solcher Kollaborationen dient auch der vom Projektleiter mitgegründete Verein Internationale Gesellschaft H. C. Artmann (IGHCA), der sich der Erforschung und Vermittlung seines Lebens und Werkes widmet. Das Projekt konnte mit innovativen Deutungen und literarhistorischen Einbettungen in Tendenzen der österreichischen und deutschsprachigen Gegenwartsliteratur die herausragende und langfristige Wirkung Artmanns belegen, die zudem durch seine Übersetzungs- und Vermittlungstätigkeit verstärkt wurde. Ein besonders erfreuliches Projektergebnis ist die Fülle von aufgefundenen, unbekannten Materialien aus Archivbeständen, deren vollständige Auswertung weitere Kenntnisse für die Erforschung der österreichischen Literatur(geschichte) und angrenzender disziplinärer Felder (z.B. Translationswissenschaft, Bild-Text-Beziehungen, Populärkultur) erbringen wird.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 1 Publikationen
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2014
Titel H(ans) C(arl) Artmann. 1921-2000. med ana schwoazzn dintn. gedichta r aus bradnsee. 1958. Typ Book Chapter Autor Marion Bönnighausen / Jochen Vogt