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Czernin´sche Gemäldegalerie

The Czernin collection of Old Master paintings

Imma Walderdorff (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P22188
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 15.01.2010
  • Projektende 14.04.2013
  • Bewilligungssumme 165.921 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (10%); Kunstwissenschaften (90%)

Keywords

    Johann Rudolph Czernin, Provenance of Czernin paintings (Vermeer), Viennese aristocratic Art Collection, Viennese art market 1800-1820, Old Master Paintings, Presentation of collection 19th and 20th century

Abstract Endbericht

Johann Rudolph Graf Czernin von Chudenitz (1757-1845) ist auf Grund seiner breit gefächerten Interessen an Musik, Literatur sowie an bildender Kunst im Zeitraum zwischen 1777 und seinem Tod eine der prägenden Persönlichkeiten des Kulturlebens Österreichs bzw. Böhmens. Die Bedeutung, die Czernin im Rahmen der Kunstszene der habsburgischen Monarchie hat, beruht einerseits auf seiner privaten Rolle als Auftraggeber und Mäzen, andererseits zwischen 1824-1845 auf seiner offiziellen Stellung als Oberstkämmerer am Kaiserhof. Spitzenwerke aus dem Altmeister-Bereich: Rembrandt ("Betende alte Frau"), Tizian ("Porträt des Dogen Gritti") und Vermeer ("Die Malkunst"), sprechen für das hohe Kunstverständnis des böhmischen Aristokraten ebenso wie für sein ausgeprägtes Qualitätsgefühl. Ab 1795 wird das Wiener Palais Czernin im 1. Bezirk (Wallnerstr. 3) Heimstätte einer Altmeister- Gemäldesammlung von Weltrang, die nach 1820 zudem vom Hausherrn öffentlich zugänglich gemacht wird. Für Prags Kulturleben spielt Czernin eine entscheidende Rolle bei der Gründung der "Gesellschaft Patriotischer Kunstfreunde" 1799, denen er neben zeitgenössischer Kunst auch Altmeistergemälde zur leihweise Verfügung stellt. Johann Rudolph Czernins Name findet sich in seiner Eigenschaft als bedeutender Sammler in Publikationen zur Altmeister-Malerei, allen voran bei Czernins Vermeer ("Die Malkunst"; heute im Kunsthistorischen Museum Wien). Umso erstaunlicher ist es, dass es keine monographische Bearbeitung seines Lebens und Wirkens sowohl als Privatmann, als auch in seiner offiziellen Position bei Hof, und - fast noch bemerkenswerter - keine wissenschaftliche Arbeit zur Sammlungsgeschichte seiner Altmeister-Gemäldesammlung gibt. Die Altmeistergemäldesammlung, bestehend aus rund 350 Bildern, wurde nach dem 2. Weltkrieg sukzessive veräußert und existiert, mit Ausnahme des unter Denkmalschutz stehenden Bestandes von 70 Werken in der Residenzgalerie Salzburg, nicht mehr. Die Geschichte dieser Sammlungsauflösung zwischen 1950 und 2000 wurde bislang ebenfalls noch nicht erforscht. Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, wesentliche Aspekte der Sammlungsgeschichte der Czernin`schen Altmeister-Gemäldegalerie zu erarbeiten: - Provenienz: a) Geschichte des Ankaufs durch Johann Rudolph - diesbezüglich kommt der Rückseitendokumentation Bedeutung zu, die bei den 70 Werken der Residenzgalerie Salzburg durchgeführt werden soll b) Geschichte des Verkaufs nach 1945 - Studie zum Kunstmarkt in Wien zwischen 1800 und 1820 auf der Basis der Czernin`schen Ankäufe - Studie zu den diversen Veränderungen der Präsentation der Czernin`schen Gemäldegalerie zwischen 1820-1945, inkl. der Rekonstruktion des für die Gemälde entwickelten Hängesystems - Restaurierungsdokumentation im 19.Jh.; die einzigartigen, im Familienarchiv vorhandenen Unterlagen ermöglichen eine Rekonstruktion der von Johann Rudolph in Auftrag gegebenen Restaurierungen Die geplanten Studien zur Wiener Adelssammlung Czernin stellen für die Kunstgeschichtsforschung Böhmens und Österreichs, insbesondere des Wiener Hofes, im Zeitraum zwischen dem späten 18. und der Mitte des 19. Jahrhunderts ein wesentliches Desiderat dar. Es handelt sich um Grundlagenforschung, deren eminente Bedeutung in der außergewöhnlichen Qualität der Altmeistersammlung Johann Rudolph Czernins liegt.

Ausgangspunkt des Forschungsprojekts war die erstmalige wissenschaftliche Bearbeitung zur Sammlungsgeschichte der Czerninschen Gemäldegalerie. Diese bedeutende Altmeistergemälde-sammlung bestand aus rund 350 Bildern, wurde nach dem 2. Weltkrieg sukzessive veräußert und existiert nicht mehr mit Ausnahme des Bestandes von 71 Werken in der Residenzgalerie Salzburg. Für die Forschung wurden folgende Archive besucht: Familienarchiv/Jind?ich?v Hradec, Prager Nationalarchiv, Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie/Den Haag, Auktionskataloge, Archiv des Bundesdenkmalamts und diverse Privatarchive. Auf diesen Weg konnte ein großer Teil der heutigen Standorte der Gemälde entdeckt und/oder die Verkaufsdaten ermittelt werden. Die Geschichte der Gemäldeankäufe, die Hängung und Präsentation der Gemälde, die Restaurierungsgeschichte unter Johann Rudolph Czernin und seinen Erben, sowie die Sammlungsauflösung konnte erforscht werden. Einige Teilergebnisse wurden bereits publiziert:- Juffinger, Roswitha, ed., Residenzgalerie Salzburg, Gesamtverzeichnis der Gemälde, 2 vol., Salzburg, 2010.- Juffinger, Roswitha: Ein Rembrandt für die Czerninsche Gemäldegalerie Die Ankäufe Johann Rudolph Czernins aus der Gemäldesammlung des Armand François Louis de Mestral de Saint Saphorin, in: Juffinger, 2010, S. 461489.- Juffinger, Roswitha, Schreibzimmer meines Vaters zu Wien 1835, Ein Aquarell mit der Wiedergabe des Schreibzimmers von Johann Rudolph Graf Czernin von Chudenitz, in: Juffinger, 2010, pp. 491525.- Walderdorff, Imma, Die Czerninsche Gemäldegalerie in Wien unter Eugen Czernin-Chudenitz (18921955), Das Schicksal der Privatsammlung nach dem Ausscheiden der Malkunst von Jan Vermeer, in: Hehenberger, Susanne und Monika Löscher, ed., Die verkaufte Malkunst, Jan Vermeers Gemälde im 20. Jahrhundert, =Band 4 der Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung, Wien-Köln-Weimar, 2012, pp. 241262.Heute befinden sich die Czerninschen Gemälde weltweit in Museen (z.B. in Washington DC/USA, National Gallery), in Privatbesitz und auf dem Kunstmarkt. Die erscheinende Publikation wird einen auf K. Wilczeks Katalog von 1936 basierenden catalogue raisonné der Gemäldesammlung mit den erforschten Daten: Ankaufsoptionen (Auktionen, Verkäufer, Ankaufsdatum, Käufer), aktuelle technischen Daten, Neuzuschreibungen, Verkauf, heutiger Standort und Restaurierungen inkludieren. Unpublizierte Fotos der Gemälde, die bereits um 1900 von J. Löwy aufgenommen, aber nur zum geringsten Teil im Katalog von 1936 abgebildet waren, stellen einen integrierenden Bestandteil des Katalogs dar. Die vorliegende Forschung liefert einen wesentlichen Beitrag für den Kunstmarkt in den Zeiträumen 1800 1846 und 1945 2000, des Weiteren für die Gemäldepräsentation von 1800 bis zum Verkauf der Sammlung. Diese Forschung zur Adelssammlung Czernin stellt eine unabdingbare Basis für die Kunstgeschichtsforschung, die Wirtschafts- und Sozialgeschichte Böhmens und Österreichs dar.

Forschungsstätte(n)
  • Bundesland Niederösterreich - 100%

Research Output

  • 134 Zitationen
  • 5 Publikationen
Publikationen
  • 2013
    Titel Die Czernin’sche Gemäldegalerie in Wien unter Eugen Czernin-Chudenitz (1892–1955)
    DOI 10.7767/boehlau.9783205789611.241
    Typ Book Chapter
    Autor Walderdorff I
    Verlag Brill Osterreich
    Seiten 241-262
  • 2015
    Titel Catch Me if You Can: Adaptation from Standing Genetic Variation to a Moving Phenotypic Optimum
    DOI 10.1534/genetics.115.178574
    Typ Journal Article
    Autor Matuszewski S
    Journal Genetics
    Seiten 1255-1274
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Catch me if you can: Adaptation from standing genetic variation to a moving phenotypic optimum
    DOI 10.1101/015685
    Typ Preprint
    Autor Matuszewski S
    Seiten 015685
    Link Publikation
  • 2015
    Titel CZERNIN. Verzeichnis der Gemälde.
    Typ Book
    Autor Juffinger R
  • 0
    Titel Gesamtverzeichnis der Gemälde.
    Typ Other
    Autor Juffinger R

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