Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Neolithic,
Pottery,
Aegean,
Architecture,
Thessally,
Small Finds
Ziel des Projektes "Visviki-Magula" ist eine umfassende Studie, Evaluierung und Publikation der Funde der Ausgrabungen des Jahres 1941 auf dem Siedlungshügel von Visviki bei Velestino in Südthessalien, der von Hans Reinerth, dem Leiter des Reichsbundes für Vorgeschichte, und seinem Mitarbeiterstab durchgeführt wurde. Die Ausgrabungen auf dem höchsten Punkt des Tells ergaben ein großes Gebäude, das 1942 im Völkischen Beobachter publiziert wurde. Deshalb gehört Visviki zu einer der wenigen bekannten spätneolithischen Siedlungen in Griechenland mit einer großflächigeren Bebauung. Die Herkunft des als "Megaron" rekonstruierten Baus sahen die Ausgräber in den mitteleuropäischen Langhäusern und daher als Ergebnis einer ersten nordischen Immigration während des Spätneolithikums. Der Grundriss des Gebäudes wurde in die wichtigsten Handbücher zum Neolithikum Griechenlands aufgenommen (D. Theocharis, Neolithic Greece, 1973; K. Gallis, Beitrag zum Buch zur Ausstellung "Neolithic Culture in Greece", 1996). Jedoch ergibt eine Durchsicht der Pläne in den Archiven, dass diese ursprüngliche Interpretation der Baureste vielmehr ein Ergebnis nationalsozialistischen Gedankengutes war und revidiert werden muss. Der größte Teil der Funde vom "Megaron" wurde 1947 vom Deutschen Archäologischen Institut nach Griechenland zurückgeführt und befindet sich nun im Nationalmuseum in Athen. Der Großteil der Funde (Ganzgefäße, meist verzierte Keramikfragmente, Geräte aus Stein, Ton, Knochen und Geweih, dekorative Objekte, Figuren, Steingefäße, Schlacke, Muscheln und Hüttenlehm) gehört zu den Hauptsiedlungsphasen (Arapi und Dimini-Stufe - 5000-4500 BC), datiert aber auch in die Zeit des frühen Spätneolithikums (Tsangli-Stufe - 5300-5000). Ein weiterer Teil der Funde befindet sich im Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen. Er datiert teilweise in das Frühneolithikum und stammt von einem noch unpublizierten Schnitt der deutschen Ausgrabungen des Jahres 1941. Ein Studium der Formen und des Dekors sowie der petrographischen Zusammensetzung der Keramik soll helfen, Beziehungen zwischen den Siedlungen der thessalischen Ebene zu rekonstruieren. Das Studium der Geräte und der Metallschlacke wird die Siedlungsaktivitäten beleuchten. Die Erforschung des Obsidians soll unser Verständnis großräumiger Verbindungen innerhalb der Ägäis während des Spätneolithikums verbessern. Eine im Manuskript erhaltene Studie des archäobotanischen Materials von Franz Bertsch sowie eine Evaluierung der archäozoologischen Reste wird Einblick in die Subsistenz der Siedlung geben. Weiter befinden sich in den Archiven des Nationalmuseums von Athen und im Pfahlbaumuseum von Unteruhldingen sowie in anderen deutschen Archiven Dokumente und Briefe, welche sich auf die Grabungsgenehmigung und den Ausgrabungsprozess beziehen. In Zusammenschau mit einer Studie über die in die Grabungen involvierten Personen werden sie ein neues Bild einer jener Grabungen ergeben, welche der Sonderstab Vorgeschichte zur Legitimation der Invasion deutscher Truppen während des 2. Weltkrieges nach Griechenland durchführte.
Visviki-Magula, ein neolithischer Siedlungshügel in der südostthessalischen Ebene in der Nähe des Karla-Sees, gehört zu jenen Ausgrabungen, welche Hans Reinerth als Leiter des Reichsamtes für Vorgeschichte für das Sonderkommando Griechenland des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg 1941 in Griechenland durchführte. Eine Auseinandersetzung mit den Biographien der Teilnehmer an der Grabung ergibt, dass die im Völkischen Beobachter publizierten Ergebnisse der Grabung durch die nationalsozialistische Ideologie geprägt waren. Bekannt wurde die Grabung durch den Fund eines sog. Megarons, welches in die spätneolithische Arapi-Stufe gesetzt und als nordischer Bautyp interpretiert wurde. Das Studium der Pläne ergab jedoch, dass die Siedlungsreste auf dem höchsten Punkt des Tells nicht als Megaron zu ergänzen sind, sondern vielmehr mehreren Siedlungsphasen angehören. So ist ein aus Lehm gebauter Ofen mit dazugehörigen Lehmziegelwänden auf Steinsockeln vermutlich in die Arapi-Stufe zu setzen, wogegen verschiedene Steinfundamente sowie der Unterbau eines runden Herdes wahrscheinlich in die Dimini- Stufe datieren. Vom Fundmaterial selbst sind mehr als 3000 Keramikfragmente erhalten. Die Keramikfunde aus den untersten Schichten eines Schnittes im Nordwestteil der Magula deuten auf den Beginn der Besiedlung im frühen Mittelneolithikum. Eine Reihe von Keramikfunden datiert in den weiteren Verlauf des Mittelneolithikums sowie an den Beginn des Spätneolithikums. Wenige Fragmente belegen eine Nutzung des Siedlungshügels während des Endneolithikums (Chalkolithikums) und der beginnenden Frühbronzezeit. Der Hauptteil der musterverzierten und monochromen Keramik gehört in die spätneolithische Arapi- und Dimini-Stufe. Während die musterverzierte Keramik der Arapi- Stufe ein vielfältiges Gefäßrepertoire aufweist, beschränkt sich die musterbemalte Keramik der Dimini-Stufe weitgehend auf Schalen und Schüsseln. Für die Dimini-Stufe ist es schwierig, eine in der Literatur postulierte Differenzierung in eine frühere und eine spätere Phase nachzuvollziehen. Auf alle Fälle weist das Auftreten der braun auf hell bemalten Dimini-Keramik in den obersten Schichten der Visviki-Magula auf ein relativ spätes Auftreten dieser Ware. Nach ihrer Form wird monochrome Keramik der Arapi-Stufe häufig als Ess- und Trinkgeschirr verwendet. Hingegen scheint die monochrome Keramik der Dimini-Stufe wesentlich häufiger als Geschirr zum Kochen und zur Vorratshaltung erzeugt worden zu sein. Petrographische Analysen zeigen, dass Visviki-Magula Teil eines Netzwerkes war, welches Verbindungen in den Nordosten und Nordwesten der Thessalischen Ebene aufwies. Form und Dekor der besonders reichen Bestände der polychromen Keramik der Arapi-Stufe zeigen aber vor allem Gemeinsamkeiten mit der Pevkakia-Magula am Golf von Volos, die in der nordostthessalischen Ebene nicht anzutreffen sind. Eine vergleichbare Nahbeziehung scheint auch während der Dimini-Stufe bestanden zu haben. Ansonsten zeichnet sich für die Keramik der Dimini-Stufe eine gewisse typologische und stilistische Homogeneität ab, welche sich über das gesamte Verbreitungsgebiet der Dimini-Keramik erstreckt. Funde zur Subsistenz der Siedlung beschränken sich auf wenige Tierknochen sowie auf ein Manuskript über die Pflanzenreste der Magula. 80% der geschlagenen Steingeräte ist aus Obsidian der Insel Melos erzeugt. Ihr Studium ergab, dass der Kernreduktionsvorgang nicht auf der Visviki-Magula sondern vermutlich durch Spezialisten in den Küstensiedlungen am Golf von Volos stattfand. Geräteproduktion vorort beschränkte sich weitgehend auf Modifikation von Klingen und Abschlägen. Hingegen wurden Spondylus-Muscheln auf Visviki-Magula zu Schmuck verarbeitet. Dies beweist, dass dieses überaus wertvolle Handelsgut nicht nur in Küstensiedlungen sondern an zahlreichen Manufakturplätzen im Rahmen kleiner Haushalte erzeugt wurde.