Die italienische Opera buffa auf der Wiener Bühne (1763-1773)
The italian Opera buffa on the Viennese stage (1763-1773)
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (10%); Kunstwissenschaften (75%); Sprach- und Literaturwissenschaften (15%)
Keywords
-
Oper,
Wien,
Musikgeschichte,
Gassmann,
Theatergeschichte,
Salieri
Selbst wenn Mozarts Meisterwerke die Aufmerksamkeit der musikhistorischen Forschung auf die Wiener Opera buffa gelenkt haben, bestand das dortige Repertoire seit 1763 - als sich diese Gattung dort dauerhaft durchsetzte - trotz der originalen Beiträge Gassmanns, Salieris, Mozarts, Solers usw. zu ca. 70 % aus importierten Werken (u.a. von Galuppi, Piccinni, Guglielmi, Paisiello), die vorwiegend in wichtigen italienischen Opernstätten wie Rom, Venedig und Neapel ihre Premieren erlebt hatten. Wie es im 18. Jahrhundert üblich war, mussten die importierten Partituren an die Bedingungen des Wiener Produktionssystems angepasst werden. Neben Kürzungen und Streichungen wurde die Komposition bzw. die Adaptierung von Einlagenummern praktiziert. Diese Bearbeitungsprozesse stehen im Zentrum des Projektes, das sich vorwiegend mit den unter F. L. Gassmanns Leitung der italienischen Oper aufgeführten Werken befasst. Drei Aspekte werden hier besonders untersucht: das Produktionssystem, mit besonderer Berücksichtigung der Sänger, die häufig für die Zirkulation der Partituren verantwortlich waren; die Wiener Quellen, welche die komplexen Verfahren der Bearbeitung dokumentieren; und schließlich die Mechanismen des Kulturtransfers.. Ziel des Projektes ist die Rekonstruktion einer Wiener Bearbeitungspraxis` der Opera buffa als Ergebnis eines komplexen Spannungsverhältnisses zwischen musiktheatralischen Texten (Libretti und Partituren) und einem dynamischen, interkulturellen Produktionssystem, um zumindest annähernd zu verstehen, was das Wiener Publikum zu hören (und sehen) bekommen hat. Geplant ist die Verarbeitung der Informationen in einer Datenbank der Einlagenummern sowie eine Monographie.
Den Gegenstand des Forschungsprojekts bildeten komische Opern, die ihre Uraufführung an einem italienischen Theater (generell in Venedig oder Rom) erlebten und zwischen 1763 und 1773 nach Wien importiert wurden, wo sie in bearbeiteter Form zur Aufführung gelangten. Bei diesen sogenannten Opere buffe handelte es sich zu einem beträchtlichen Teil um Erfolgsstücke wie etwa die Vertonungen der Texte Carlo Goldonis durch Baldassare Galuppi oder Niccolò Piccinni sowie um die frühen komischen Werke von Giovanni Paisiello. Für die Wiener Bearbeitungen waren in erster Linie die dortigen Operndirektoren Florian Gassmann und später Antonio Salieri zuständig.Wesentliche Quellengrundlage des Projekts bildeten die in der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek erhaltenen handschriftlichen Partituren zu den "Wiener Fassungen" sowie die Texthefte der Wiener Aufführungen. Ziel des Projekts war eine genaue Untersuchung dieser Fassungen, bei der die vorgenommenen Änderungen analysiert und in einen weiteren Kontext gestellt wurden. Dabei erfuhren nicht nur die spezifischen Aufführungsbedingungen auf den Bühnen im Wien Maria Theresias Berücksichtigung, sondern es wurde die gesamte Aufführungsgeschichte dieser Opern, insbesondere auch die daran beteiligten Sänger in den Blick genommen. Damit geschah die Erforschung eines bislang unzureichend aufgearbeiteten, jedoch sehr bedeutsamen Kapitels der Wiener Theatergeschichte, das nicht nur lokalhistorisch, sondern als Teil eines international funktionierenden Opernsystems wahrgenommen wurde. Durch die gewonnenen Erkenntnisse ließen sich daher auch grundsätzliche Aussagen zum Bearbeitungsverfahren in der Oper tätigen. Dieser Aspekt sowie weitere Ergebnisse des Projekts, etwa Fallstudien zu einzelnen der untersuchten Opern, wurden in mehreren Aufsätzen und Vorträgen diskutiert.Zum Projekt existiert eine Datenbank (www.univie.ac.at/muwidb/operabuffa/), in der alle Musiknummern enthalten sind, die für die Wiener Aufführungen neu komponiert oder aus anderen Opern entlehnt wurden. Dort finden sich außerdem nähere Informationen zu den in Wien gespielten Opern, den Komponisten, Librettisten wie beteiligten Sängern, zu den genutzten Quellen sowie zur Herkunft der Stücke.
- Universität Wien - 100%
- Klaus Pietschmann, Johannes Gutenberg Universität Mainz - Deutschland
- Armin Raab, Joseph Haydn-Institut - Deutschland
Research Output
- 2 Zitationen
- 9 Publikationen
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2021
Titel Ensemblebearbeitungen in der Opera buffa an den Wiener Theatern der 1760er Jahre DOI 10.52412/mf.2012.h2.150 Typ Journal Article Autor Grempler M Journal Die Musikforschung Seiten 127-145 Link Publikation -
2013
Titel Migration, Transfer und Gattungswandel. Einige Überlegungen zur Oper des 18. Jahrhunderts. Typ Journal Article Autor Calella M Journal Analecta musicologica -
2007
Titel Goldoni, Gassmann e il dramma giocoso a Vienna. Typ Journal Article Autor Calella M Journal Problemi di critica goldoniana -
2007
Titel Zwischen Autorwillen und Produktionssystem: Zum Problem des Werkbegriffs in der Oper des späten 18. Jahrhunderts. Typ Book Chapter -
2010
Titel Art. Carlo Francesco Badini, Carlo Goldoni, Giovanni Paisiello, Le pescatrici, Philemon und Baucis, Nunziato Porta. Typ Book Chapter Autor Das Haydn-Lexikon -
2009
Titel La buona figliuola für die 'Teatri Privilegiati': Anmerkungen zur frühen Rezeption der Opera buffa in Wien. Typ Book Chapter Autor Calella M -
2012
Titel Ensemblebearbeitungen in der Opera buffa an den Wiener Theatern der 1760er Jahre. Typ Journal Article Autor Grempler M -
2012
Titel Le 'Pescatrici' di Gassmann a Vienna. Typ Journal Article Autor Schraffl I Journal Rivista di letteratura teatrale -
2012
Titel Meisterwerke ohne Hintergrund? Überlegungen zur historischen Kontextualisierung von Mozarts Wiener Opere buffe. Typ Book Chapter Autor Calella M