Nichtlineare FLR und Hall MHD Kelvin-Helmholtz Instabilität
Nonlinear Kelvin-Helmholtz instability in FLR and Hall MHD
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (20%); Physik, Astronomie (80%)
Keywords
-
Kelvin-Helmholtz instability,
Finite Larmor Radius,
Hall effect,
Solar Wind Interaction,
Unmagnetized Planets,
Atmospheric Loss Processes
Der Sonnenwind trifft auf unterschiedliche Hindernisse auf seinem Weg durch unser Sonnensystem. Eine Art solcher Hindernisse sind Planeten, die kein (starkes) eigenes Magnetfeld besitzen, aber Atmosphären und Ionosphären, bzw. ein "induziertes Magnetfeld" aufgrund der Wechselwirkung mit dem Sonnenwind. Venus und Mars sind solche Planeten. Die Wechselwirkung des Sonnenwindes mit einem Planeten ohne eigenem Magnetfeld ruft verschiedene Plasmaprozesse in der Umgebung des Planeten hervor. So hat zum Beispiel die Raumsonde Pioneer Venus Orbiter wellenartige Unregelmäßigkeiten an der Tagseite der Ionopause und möglicherweise abgelöste Plasmastrukturen oberhalb der Ionopause beobachtet. Solche Beobachtungen haben zur Hypothese geführt, dass sich die Kelvin- Helmholtz Instabilität an der Grenzschicht zwischen Magentosheath und Ionosphäre ausbilden und eventuell zur Ablösung von sogenannten Plasmawolken, die ionosphärische Teilchen beinhalten, führen kann. Allgemein tritt die Kelvin-Helmholtz Instabilität an Grenzschichten zwischen zwei Plasmaschichten, die sich mit Relativgeschwindigkeit zueinander bewegen, auf. Kleine Störungen an dieser Grenzschicht können wachsen, die Grenzschicht wird instabil und turbulent. Wenn nun die Instabilität ihre nichtlineare Phase erreicht, können sich Wirbel formen, Rekonnexion kann einsetzen und Plasmastrukturen können sich ablösen. Diese Prozesse sind verantwortlich dafür, dass die Kelvin-Helmholtz Instabilität als Verlustprozess von ionosphärischen Teilchen von Planeten ohne eigenen Magnetfeldern angedacht worden ist. Allerdings ist das Verständnis der involvierten Mechanismen zur Zeit noch sehr gering. Die Hauptziele des eingereichten Projektes sind die Untersuchung der Eigenschaften der Kelvin-Helmholtz Instabilität in der Sonnenwindwechselwirkung mit Venus und Mars und die Bestimmung eines möglichen Beitrags zur Flucht von planetaren Teilchen. Es wird erforscht, ob eine Verbindung zwischen der Instabilität, auftretenden Wellen an der Grenzschicht und abgelösten Plasmastrukturen, durch die ionosphärische Teilchen verloren gehen, existiert. Wenn eine solche Verbindung existiert, wird die Effektivität dieses Verlustprozesses untersucht und Verlustraten werden abgeschätzt. Diese Ziele werden erreicht (1) durch die Entwicklung eines nichtlinearen, magnetohydrodynamischen "multi-fluid" Modells, welches den endlichen Larmorradius und den Halleffekt berücksichtigt, (2) durch detaillierte Parameterstudien über die Kelvin-Helmholtz Instabilität und ihre Konsequenzen (z.B. Bildung von Wirbeln, Ablösen von Plasmawolken), (3) durch detaillierte Datenanalyse von geeigneten Daten aus unterschiedlichen Missionen, und (4) durch den Vergleich der theoretischen Ergebnisse mit jenen aus der Datenanalyse. Dieses Projekt beinhaltet eine umfassende Herangehensweise, die theoretische Untersuchungen mit Datenanalyse verbindet. Die Forschung in dem eingereichten Projekt soll helfen, ein besseres Verständnis der Eigenschaften und Auswirkungen der Kelvin-Helmholtz Instabilität in der Sonnenwindwechselwirkung mit Venus und Mars zu bekommen und den Beitrag der Instabilität zum Verlust von Teilchen von Venus und Mars abschätzen zu können.
Dieses Projekt beschäftigte sich mit der Entwicklung der Kelvin-Helmholtz Instabilität an Grenzschichten in der Umgebung von Venus und Mars und damit, welchen Beitrag diese Instabilität für den Verlust von atmosphärischen bzw. ionosphärischen Teilchen hat. Wenn sich die Instabilität an einer Grenzschicht zwischen Sonnenwind und Planet formt, bilden sich Wellen aus, die sich auf ihrem Weg vom subsolaren Punkt zum Terminator zu Wirbeln entwickeln können. Diese Wirbel können sich dann ablösen und bilden sogenannte Plasmawolken, welche planetare Teilchen enthalten und vom Sonnenwind weggetragen werden. Das Verständnis und die Wichtigkeit verschiedener Verlustprozesse für atmosphärische bzw. ionosphärische Teilchen sind wesentlich für das Verstehen der Entwicklung eines Planeten. Die Forschungsfrage, die wir im Laufe dieses Projektes beantworten wollten, ist, welche Bedeutung die Kelvin-Helmholtz Instabilität als Verlustprozess für Planeten ohne starkes eigenes Magnetfeld spielt. Unsere Resultate zeigen, dass sich die Instabilität prinzipiell unter verschiedenen Plasmakonditionen an den Grenzschichten von Venus und Mars ausbilden kann. Jedoch entwickelt sie sich in den seltensten Fällen weiter zu Wirbeln. Die Ionopausen von Venus und Mars sind sozusagen immer stabil, die induzierten Magnetopausen können in Phasen hoher Sonnenaktivität instabil werden, sodass sich zumindest sporadisch Wirbel ausbilden können. Dieses Ergebnis passt dazu, dass aktuelle Raumsonden (niedrige Sonnenaktivität) bei Venus und Mars kaum wirbelartige Strukturen noch Plasmawolken beobachtet haben. Wir haben verschiedene stabilisierende Faktoren untersucht, d.h. Faktoren, die die Wachstumsrate der Instabilität verringern. Die Hauptrolle spielt eine starke Zunahme der Massendichte, die zum Planeten hin erfolgt. Ein weiterer Faktor, der zu einer Abnahme der Wachstumsrate führt und den wir in unserem neu entwickelten Modell implementiert haben, ist die Schwerkraft. Diese hat jedoch nur eine leicht stabilisierende Wirkung. Um auch den Einfluss der Magnetfeldkonfiguration auf die Entwicklung der Kelvin-Helmholtz Instabilität zu untersuchen, haben wir unser Modell dahingehend erweitert, dass wir eine Magnetfeldkomponente parallel zur Grenzschicht und zur Plasmaströmung mitberücksichtigen können. So ein paralleles Magnetfeld übt einen weiteren nicht zu vernachlässigenden stabilisierenden Einfluss auf die Grenzschicht aus. Außerdem haben erste Simulationen gezeigt, dass magnetische Rekonnexion innerhalb der Wirbel auftreten kann.Wir kommen zu dem Schluss, dass die Kelvin-Helmholtz Instabilität an den Grenzschichten um Venus und Mars auftreten kann, dass sie aber nur sehr selten zu Wirbeln und abgelösten Plasmawolken führt. Daher erachten wir ihre Rolle als Verlustprozess eher als untergeordnet und meinen, dass der Teilchenverlust aufgrund der Instabilität in früheren Studien über die atmosphärische Entwicklung der beiden Planeten überschätzt wurde.
- Naoki Terada, National Institut of Informations Technology - Japan
- Nikolai V. Erkaev, Siberian Branch of the Russian Academy of Sciences - Russland
- Hans Nilsson, Swedish Institute of Space Physics - Schweden
- David Brain, University of Colorado Boulder - Vereinigte Staaten von Amerika
- Jasper Halekas, University of Iowa - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 461 Zitationen
- 12 Publikationen
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2012
Titel 2.5D magnetohydrodynamic simulation of the Kelvin-Helmholtz instability around Venus—Comparison of the influence of gravity and density increase DOI 10.1063/1.3682039 Typ Journal Article Autor Zellinger M Journal Physics of Plasmas Seiten 022104 -
2012
Titel Giant flux ropes observed in the magnetized ionosphere at Venus DOI 10.1029/2012gl054236 Typ Journal Article Autor Zhang T Journal Geophysical Research Letters Link Publikation -
2010
Titel Influence of a density increase on the evolution of the Kelvin–Helmholtz instability and vortices DOI 10.1063/1.3453705 Typ Journal Article Autor Amerstorfer U Journal Physics of Plasmas Seiten 072901 -
2010
Titel The role of magnetic handedness in magnetic cloud propagation DOI 10.5194/angeo-28-1075-2010 Typ Journal Article Autor Taubenschuss U Journal Annales Geophysicae Seiten 1075-1100 Link Publikation -
2012
Titel Outgassing History and Escape of the Martian Atmosphere and Water Inventory DOI 10.1007/s11214-012-9943-8 Typ Journal Article Autor Lammer H Journal Space Science Reviews Seiten 113-154 Link Publikation -
2014
Titel COMBINED MULTIPOINT REMOTE AND IN SITU OBSERVATIONS OF THE ASYMMETRIC EVOLUTION OF A FAST SOLAR CORONAL MASS EJECTION DOI 10.1088/2041-8205/790/1/l6 Typ Journal Article Autor Rollett T Journal The Astrophysical Journal Letters Link Publikation -
2013
Titel Assessing the Constrained Harmonic Mean Method for Deriving the Kinematics of ICMEs with a Numerical Simulation DOI 10.1007/s11207-013-0246-3 Typ Journal Article Autor Rollett T Journal Solar Physics Seiten 541-556 -
2013
Titel THE KELVIN–HELMHOLTZ INSTABILITY AT CORONAL MASS EJECTION BOUNDARIES IN THE SOLAR CORONA: OBSERVATIONS AND 2.5D MHD SIMULATIONS DOI 10.1088/2041-8205/766/1/l12 Typ Journal Article Autor Möstl U Journal The Astrophysical Journal Letters Link Publikation -
2011
Titel A 2.5-D electron Hall-MHD analytical model of steady state Hall magnetic reconnection in a compressible plasma DOI 10.1029/2010ja015942 Typ Journal Article Autor Korovinskiy D Journal Journal of Geophysical Research: Space Physics Link Publikation -
2011
Titel The Kelvin–Helmholtz instability at Venus: What is the unstable boundary? DOI 10.1016/j.icarus.2011.09.012 Typ Journal Article Autor Möstl U Journal Icarus Seiten 476-484 Link Publikation -
2010
Titel Venus' atomic hot oxygen environment DOI 10.1029/2010je003697 Typ Journal Article Autor Gröller H Journal Journal of Geophysical Research: Planets Link Publikation -
2009
Titel Shear driven waves in the induced magnetosphere of Mars: parameter dependence DOI 10.5194/astra-5-39-2009 Typ Journal Article Autor Amerstorfer U Journal Astrophysics and Space Sciences Transactions Seiten 39-42 Link Publikation