Der Hadrianstempel an der Kuretenstraße in Ephesos
Hadrian´s Temple on the Curetes Street in Ephesus
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (45%); Geschichte, Archäologie (45%); Kunstwissenschaften (10%)
Keywords
-
Archaeology,
Roman Architecture,
Ephesus,
Late Antiquity,
Roman Relegion,
Cultural History
Der sogenannte Hadrianstempel an der Kuretenstraße ist eines der bekanntesten Monumente des antiken Ephesos. Obwohl das Gebäude bereits vor mehr als 50 Jahren ausgegraben wurde, stehen eine abschließende Vorlage und Publikation immer noch aus; Funktion und Datierung des Baus sowie zahlreiche Details der Rekonstruktion sind bis heute nicht geklärt. Der Hadrianstempel dominiert den westlichen Teil der Kuretenstraße, eine der Hauptstraßen der antiken Stadt. Sein Grundriss entspricht im wesentlichen dem eines tetrastylen Prostylos, bei dem allerdings in Verlängerung der Anten zwei Pfeiler angebracht waren. Die Wiedererrichtung des Gebäudes erfolgte kurz nach der Freilegung in den Jahren 1957-1958 durch K. H. Göschl. Der Ausgräber F. Miltner interpretierte das Gebäude - vermeintlich in Übereinstimmung mit der Bauinschrift - als Neokorie-Tempel von Ephesos, den "offiziellen" Kaiserkult-Tempel für Hadrian, dessen Errichtung der Stadt 132/133 n. Chr. erlaubt worden war. Diese Deutung erntete Widerspruch; M. Wörrle datierte den Hadrianstempel den in der Inschrift genannten Personen zufolge aus prosopographischen Gründen in die Jahre 117/118, also zehn Jahre vor die Errichtung des eigentlichen Neokorie-Tempels. Zu weiteren Unklarheiten in Bezug auf die zeitliche Einordnung des Gebäudes trug eine Frieszone bei, die in die Pronaos-Wände unterhalb des Gebälks eingezogen war: Diese ist auf Grund ihres Stils sicherlich nicht in das 2. Jh. n. Chr. zu datieren, sondern wurde häufig als Anzeichen für einen Umbau des Hadrianstempel im 4. Jh. n. Chr. interpretiert. Vereinzelt wurde die Vermutung geäußert, das gesamte Gebäude sei eine spätantike Zusammenstellung von Spolien. Die Bedeutung des Bauwerks in der Spätantike ist jedenfalls nicht anzuzweifeln: Statuenbasen für die Tetrarchen Diokletian, Constantius I. und Galerius wurden errichtet, die wohl ursprünglich vorhandene vierte Basis später durch eine für den Vater von Theodosius I. ersetzt. Bevor die Funktion des Gebäudes untersucht werden kann, ist eine lückenlose Klärung der Baugeschichte notwendig. Die kaiserzeitlichen Architekturelemente müssen von späteren Zutaten unterschieden und Rekonstruktionen für die einzelnen Nutzungsphasen des Bauwerks erstellt werden. Diese Differenzierung bildet die Basis für eine funktionale und kulturhistorische Interpretation des Hadrianstempels. Die Architekturdokumentation wird in erster Linie auf der Basis von 3D Laserscans erstellt. Darüber hinaus ist eine Schadbildaufnahme an der Anastylose der 1950er Jahre geplant. Diese bildet die Grundlage für eine Analyse der Auswirkungen einer Wiedererrichtung auf die Erhaltung eines Gebäudes. Dieser innovative Ansatz gewährleistet die umfassende Untersuchung eines nicht nur für die ephesische Ruinenlandschaft, sondern den türkischen Tourismus insgesamt heraldischen Monuments.
Der sogenannte Hadrianstempel an der Kuretenstraße ist eines der bekanntesten Monumente des antiken Ephesos. Der kleine Tempel wurde kurz nach seiner Freilegung in den 1950er Jahren wieder aufgebaut und dominiert heute wie in der Antike mit seiner Fassade den westlichen Teil der Kuretenstraße, eine der Hauptstraßen der antiken Stadt. Der Ausgräber F. Miltner interpretierte das Gebäude vermeintlich in Übereinstimmung mit der Bauinschrift als Neokorie-Tempel von Ephesos, den "offiziellen" Kaiserkult-Tempel für Hadrian, dessen Errichtung der Stadt vom Kaiser selbst 132/133 n. Chr. erlaubt worden war. Diese Deutung erntete Widerspruch; alternative Deutungen konnten sich nicht etablieren. Bis zu Beginn des vom FWF finanzierten Projektes waren Funktion und Deutung ebenso wenig geklärt wie die Baugeschichte und die definitive Rekonstruktion. Das Projekt verfolgte einen kontextuellen Ansatz, in dessen Rahmen die Baugeschichte, die figürliche und ornamentale Dekoration ebenso sowie die Inschriften und Informationen zum Stifter ausgewertet wurden. Integraler Bestandteil des Projektes war darüber hinaus eine restauratorische und konservatorische Bestands- und Zustandsaufnahme einschließlich Probenanalysen. Grundlage der neuen Deutung war eine Auswertung der Architekturgeschichte, basierend auf einer Dokumentation, die mittels innovativer 3D-Scanning-Methoden durchgeführt wurde. Daraus ergab sich, dass das Gebäude bereits in den Jahren 117/118 n. Chr. an dieser Stelle errichtet wurde, gleichzeitig und gemeinsam mit der angrenzenden Badeanlage, dem sog. Variusbad. Stifter beider Bauwerke ist der ephesische Bürger P. Quintilius Valens Varius gemeinsam mit seiner Gattin und seiner Tochter Varilla. Varius und seine Tochter übten Funktionen in Zusammenhang mit dem Artemis-Heiligtum aus, das bereits in der Antike zu einem der Sieben Weltwunder gezählt wurde. Ein in den Wänden der Vorhalle angebrachter Relieffries, der bislang von Forschern zumeist in die Spätantike datiert wurde, gehört ebenfalls zum ursprünglichen Bau und zeigt Szenen der Stadtgründung und aus der Frühzeit des Heiligtums. Auch andere figürliche Darstellungen am Tempel verweisen auf den Bereich der Artemis. Aus allen diesen Hinweisen ergibt sich, dass die Funktion des kleinen Bauwerks, das auch in seiner Bauinschrift als "Tempel" oder "Schrein" bezeichnet wird, höchstwahrscheinlich im Rahmen der feierlichen Prozessionen zu sehen ist, die vom Artemis-Heiligtum ausgehend durch das Stadtgebiet und über die Kuretenstraße wieder zurück an ihren Ausgangspunkt führten. Möglicherweise wurde dabei auch dem Kaiser Hadrian gehuldigt. Um seien "offiziellen" Kaiserkulttempel handelte es sich jedoch mit Sicherheit nicht.