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Invertebraten-Nahrungsnetze in Gletschervorfeldern

Invertebrate food webs in recently deglaciated alpine areas

Michael Traugott (ORCID: 0000-0001-9719-5059)
  • Grant-DOI 10.55776/P20859
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.12.2008
  • Projektende 30.11.2012
  • Bewilligungssumme 299.564 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Food webs, Primary succession, Molecular methods, Pioneer communities, Invertebrates

Abstract Endbericht

Der dramatische Rückzug der Gletscher während der letzten 150 Jahre ist eines der deutlichsten Zeichen für den Klimawandel in alpinen Landschaften. Durch ihre einfache ökologische Struktur sind Gletschervorfelder ausgezeichnete Modellsysteme zur Untersuchung basaler ökologischer Vorgänge wie Kolonisation, Etablierung von Populationen und Entstehung von Artengemeinschaften. Eigenartigerweise sind die frühesten Stadien von Primarsukzessionen durch räuberdominierte Gemeinschaften geprägt. Obwohl die artenarmen Pioniergesellschaften der wirbellosen Tiere gut beschrieben sind, ist weitgehend unbekannt, welche Nahrungsbeziehungen (trophischen Interaktionen) bei der Bildung der Artengemeinschaften ausschlaggebend sind. Dieses Projekt versucht hier eine Wissenslücke zu schließen, indem es zwei Ansätze verfolgt: 1) Die trophischen Wechselwirkungen innerhalb der Gemeinschaft der Makro-Invertebraten auf den kürzlich eisfrei gewordenen alpinen Flächen zu ermitteln, wobei erstmals ein molekularer Ansatz verwendet wird. 2) Die Nahrungsnetze der Makro-Invertebraten zwischen den frühesten und späteren Pionierstadien zu vergleichen. Dabei wird von der Hypothese ausgegangen, dass die Struktur der Nahrungsnetze vorrangig von der Zeit seit der Ausaperung und weniger von standortspezifischen Faktoren bestimmt wird. Das für drei Jahre konzipierte Projekt hat vier Ziele: (i) die relativen Abundanzen der Taxa der Invertebratengemeinschaft im Gletschervorfeld zu bestimmen, den Ernährungszustand der Räuber zu erheben und den externen Eintrag von Beutetieren zu ermitteln, (ii) mittels DNA-basierten Darminhaltsanalysen die trophischen Wechselwirkungen zu identifizieren und ihre Stärke zu bestimmen, (iii) diese zwischen einer artenarmen, frühen und einer artenreichen, späten Pioniergemeinschaft zu vergleichen, und (iv) aus einer Verbindung von Abundanzen und den gefundenen Räuber-Beute-Wechselwirkungen die Nahrungsnetze semi-quantitativ zu charakterisieren und zwischen den Gletschervorfeldern von drei benachbarten Tälern zu vergleichen. Mit der Fokussierung auf den funktionellen Aspekt - nämlich auf die Nahrungsbeziehungen innerhalb der Pioniergesellschaften - bedeutet dies einen neuen Schritt in der Erforschung von Gletschervorfeldern und Primärsukzessionen. Der Einsatz aktueller molekularer Methoden zur Nahrungsdetektion in Kombination mit einer umfassenden Analyse der Artengemeinschaften ermöglicht die semi-quantitative Darstellung eines Nahrungsnetzes von terrestrischen Evertebraten in einer bisher nicht erreichbaren Auflösung. Die Bedeutung dieses Projektes geht über die Aufklärung der Ernährungsbasis von Pioniergemeinschaften hinaus, die allein bereits ökologisch hoch relevant ist. Es eröffnet neue Wege für die Erforschung von Nahrungsbeziehungen zwischen Tieren, bei denen dies mit klassischen Methoden nicht möglich war.

Der dramatische Rückzug der Gletscher während der letzten 150 Jahre ist eines der deutlichsten Zeichen für den Klimawandel in alpinen Landschaften. Durch ihre einfache ökologische Struktur sind Gletschervorfelder ausgezeichnete Modellsysteme zur Untersuchung basaler ökologischer Vorgänge. Erstaunlicherweise sind die frühesten Stadien von Primärsukzessionen durch räuberdominierte Gemeinschaften geprägt und es ist weitgehend unbekannt, welche Nahrungsbeziehungen (trophischen Interaktionen) bei der Bildung der Artengemeinschaften ausschlaggebend sind.Dieses Projekt versuchte diese Wissenslücke zu schließen, indem es zwei Ansätze verfolgte:1) Die trophischen Wechselwirkungen innerhalb der Gemeinschaft der Makro-Invertebraten auf kürzlich eisfrei gewordenen alpinen Flächen zu ermitteln, wobei erstmals ein molekularer Ansatz verwendet wurde.2) Die Nahrungsnetze zwischen frühesten und späteren Pionierstadien zu vergleichen. Dabei wird von der Hypothese ausgegangen, dass die Struktur der Nahrungsnetze vorrangig von der Zeit seit der Ausaperung und weniger von standortspezifischen Faktoren bestimmt wird.Der Darminhalt der räuberischen Pionierbesiedler wurde mit vier neu entwickelten multiplex PCR Systeme auf die 24 häufigsten bodenlebenden und fliegenden Beutetaxa in Gletschervorfeldern untersucht. Neue Ansätze wurden entwickelt um die Detektion der Beute DNA zu optimieren und um die methodisch induzierte Varianz zu minimieren.Laufkäfer, Wolfsspinnen, Baldachinspinnen und Weberknechte wurden über zwei Sommer in frühen (< 10 Jahre eisfrei) und späten (15-20 Jahre eisfrei) Pionierstadien im Vorfeld des Rotmoosferners (Ötztaler Alpen, Westösterreich) gesammelt. Im zweiten Sommer wurden die beiden angrenzenden Gletschertäler zusätzlich untersucht und die Gemeinschaft der bodenlebenden und fliegenden Invertebraten wurde in jedem Gletschertal und Pionierstadium erfasst. Zur Untersuchung der Laufkäfer konnte ein nicht-invasiver Ansatz der Nahrungsanalyse gewählt werden um die Käferpopulationen zu schonen.Springschwänze wurden am häufigsten als Beute konsumiert, dies deutet darauf hin, dass autochthone Zersetzter eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Pionierräuber darstellen. Entgegen unserer ursprünglichen Annahme war die Konsumptionsfrequenz von räuberischer Beute auf frühen, beutearmen Pionierstandorten nicht höher als in späten, beutereicheren. Die molekularen Daten als auch die Analyse stabiler Isotope zeigten, dass die Räuber in artspezifischen trophischen Nischen leben. Sowohl Standortfaktoren als auch die Zeit der Ausaperung hatten einen signifikanten Einfluss auf die Nahrungsbeziehungen und die Nahrungsnetze wiesen in den späteren Pionierstadien eine höhere Vernetzung und Komplexität auf. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Nahrungsnetze sowohl von autochthoner als auch allochthoner Beute gespeist werden und dass Nahrungsnetzänderungen sowohl von Standortfaktoren als auch der Zeit seit Eisfreiwerdung bestimmt werden.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%

Research Output

  • 386 Zitationen
  • 7 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Advances in multiplex PCR: balancing primer efficiencies and improving detection success
    DOI 10.1111/j.2041-210x.2012.00215.x
    Typ Journal Article
    Autor Sint D
    Journal Methods in Ecology and Evolution
    Seiten 898-905
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Resolving the predator first paradox: Arthropod predator food webs in pioneer sites of glacier forelands
    DOI 10.1111/mec.14839
    Typ Journal Article
    Autor Sint D
    Journal Molecular Ecology
    Seiten 336-347
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Optimizing methods for PCR-based analysis of predation
    DOI 10.1111/j.1755-0998.2011.03018.x
    Typ Journal Article
    Autor Sint D
    Journal Molecular Ecology Resources
    Seiten 795-801
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Group-Specific Multiplex PCR Detection Systems for the Identification of Flying Insect Prey
    DOI 10.1371/journal.pone.0115501
    Typ Journal Article
    Autor Sint D
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Intraguild predation in pioneer predator communities of alpine glacier forelands
    DOI 10.1111/mec.12649
    Typ Journal Article
    Autor Raso L
    Journal Molecular Ecology
    Seiten 3744-3754
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Sparing spiders: faeces as a non-invasive source of DNA
    DOI 10.1186/s12983-015-0096-y
    Typ Journal Article
    Autor Sint D
    Journal Frontiers in Zoology
    Seiten 3
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Molecular Identification of Adult and Juvenile Linyphiid and Theridiid Spiders in Alpine Glacier Foreland Communities
    DOI 10.1371/journal.pone.0101755
    Typ Journal Article
    Autor Raso L
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation

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