Die Epitaphien des Wiener Stephansdomes
The Epitaphs of St. Stephen´s, Vienna (Austria)
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Kunstwissenschaften (90%)
Keywords
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Stephansdom,
Wien,
St. Stephen's,
Vienna (Austria),
Epitaphien,
Epitaphs,
Plastik,
Sculpture
Ziel des Projektes ist eine erstmalige Gesamtdarstellung der Epitaphien des Wiener Stephansdomes. Zur Bearbeitung steht der reiche Bestand heute noch erhaltener skulpierter Epitaphien, aus der Zeit vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, sowie der Werke, die nicht mehr erhaltenen sind, die aber in Zeichnungen im sog. Codex Gartenschmid (Széchényibibliothek Budapest, fol. germ. 1529) vorliegen. Durch die Analyse der Objekte soll eine solide Grundlage für eine umfassende Darstellung geschaffen werden. Gedacht ist an eine monographische Präsentation der einzelnen Epitaphien in chronologischer Reihenfolge in Form von Katalognummern, abgerundet durch Essays zu verschiedenen Themenstellungen, die eine Einbindung der Werke im kunsthistorischen (lokalen wie internationalen), historischen, soziologischen, theologischen, etc. Kontext ermöglichen. Zentrale Fragen und Probleme, auf die in diesem Zusammenhang einzugehen ist, betreffen Fragen nach Künstlern und Stilrichtungen; hier könnte es zu einer Klärung entscheidender Forschungsfragen kommen, wie etwa in der Datierung und in der Zuschreibung an Künstler oder Werkstattverbände. Fragen nach Einflüssen, nach der Herkunft einzelner Motive und der Möglichkeit ihrer Vermittlung, Fragen nach graphischen Vorlagen, des Materials und der Farbigkeit werden ebenso zu beleuchten sein, wie solche nach Auftraggebern und dem realhistorischen sowie religionspolitischen Kontext. Damit Hand in Hand gehen Untersuchungen zu Ikonographie und Ikonologie. Weitere Punkte betreffen allgemeine Überlegungen zum Bildnis in der Grabplastik, zur sich wandelnden Todesauffassung in den einzelnen Epochen, zum Relief, etc. Das Projekt wird in all diesen Fällen mehr Klarheit schaffen können. Was die Methoden betrifft, so wird deren Gewichtung dabei von den Objekten bestimmt sein. Neben dem klassischen Zugang der stilkritischen Analyse der Werke werden auch Materialanalyse sowie die ikonographische und ikonologische Methode zum Zug kommen. Die Herangehensweise soll aber niemals Selbstzweck sein, sondern Schritt für Schritt das Wesen der Epitaphien als Kunstwerke und Teile eines größeren Ganzen offenlegen. Dabei treffen sich Geistes- und Sozialgeschichte im weitesten Sinne, denn diese Recherchen betreffen Kunst-, Stadt-, Landes-, Religions- und Kulturgeschichte gleichermaßen, und es ergeben sich so vielfältige Implikationen für andere Wissenschaftsgebiete. Das Projekt wird außerdem in enger Kooperation mit der Arbeitsgruppe Inschriften der Forschungsstelle für Geschichte des Mittelalters an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt werden.
Die wichtigsten Ergebnisse des Projektes betreffen Fragen nach Künstlern und Stilrichtungen, die Datierung, die Zuschreibung an Künstler oder Werkstattverbände. Fragen nach Einflüssen, nach der Herkunft einzelner Motive und der Möglichkeit ihrer Vermittlung, Fragen nach graphischen Vorlagen, des Materials und der Farbigkeit, nach Auftraggebern und dem realhistorischen sowie religionspolitischen Kontext, Untersuchungen zu Ikonographie und Ikonologie. Die Sichtung und Auswertung historischer Fotos im Domarchiv von St. Stephan, in der Fotosammlung des Institutes für Kunstgeschichte der Universität Wien, dem Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek ermöglichte Rekonstruktionsversuche zerstörter oder verschollener Denkmäler. Gemeinsam mit Kooperationspartnerin Dr. Renate Kohn erfolgte eine Rekonstruktion der historischen Standorte auf Basis kopialer Überlieferung und aufgrund von Fotodokumenten. Im Zusammenhang mit der eingehenden Erforschung der Renaissance-Epitaphien, besonders der Werke des frühen 16. Jahrhunderts hat die Bearbeitung vor allem dreier großer Kernbereiche zu entsprechenden Erfolgen und neuen Erkenntnissen geführt: 1. Für die Bildhauer, welche die Epitaphien für St. Stephan schufen, war die indirekte Renaissance-Rezeption über Augsburg, Nürnberg, den Humanistenkreis maßgeblich, während in Wien daneben auch Werke mit direktem Italienbezug oder solche, die von auswärtigen (Augsburger) Meistern geschaffen wurden, entstanden sind. 2. Im Zusammenhang mit den Zuschreibungsfragen - im Speziellen allem dem, was man bisher unter dem Namen Michael Tichter und Werkstatt zusammengefasst hat - ist es gelungen, eine Neuordnung zu schaffen und vor allem das künstlerische Profil Michael Tichters selbst präziser zu umreißen. Als Quintessenz kann festgehalten werden, dass in den Werken, in denen man Michael Tichter bislang zu fassen glaubte - in den Balustradenfiguren am Grabmal Friedrichs III. in St. Stephan - sein Anteil relativiert werden musste, er hingegen gerade dort, wo man ihn nicht sehen wollte, als Künstlerpersönlichkeit zu fassen ist, nämlich im Epitaph für Johannes Kaltenmarkter, das mit "M.T. 1517" signiert und datiert ist. 3. Konnten neue Aspekte hinsichtlich des Memoria-Gedankens der (Wiener) Humanisten herausgearbeitet werden. Im Zusammenhang mit Conrad Celtis und dessen Epitaph in St. Stephan ist es gelungen, für diesen bedeutenden Humanisten einen sehr wohl metaphysischen, sich keinesfalls im Fortleben in den eigenen Schriften und den Hinterbliebenen erschöpfenden Vorstellung eines nachtodlichen Lebens nachzuweisen und mit entsprechenden Quellen zu belegen.
- Universität Wien - 100%
- Renate Andrea Kohn, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in
Research Output
- 369 Zitationen
- 6 Publikationen
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2016
Titel Substrate-Induced and Thin-Film Phases: Polymorphism of Organic Materials on Surfaces DOI 10.1002/adfm.201503169 Typ Journal Article Autor Jones A Journal Advanced Functional Materials Seiten 2233-2255 Link Publikation -
2017
Titel DFT-Assisted Polymorph Identification from Lattice Raman Fingerprinting DOI 10.1021/acs.jpclett.7b01634 Typ Journal Article Autor Bedoya-Marti´Nez N Journal The Journal of Physical Chemistry Letters Seiten 3690-3695 Link Publikation -
2017
Titel Reversibility of temperature driven discrete layer-by-layer formation of dioctyl-benzothieno-benzothiophene films DOI 10.1039/c6sm02541b Typ Journal Article Autor Dohr M Journal Soft Matter Seiten 2322-2329 Link Publikation -
2015
Titel Polymorphism of dioctyl-terthiophene within thin films: The role of the first monolayer DOI 10.1016/j.cplett.2015.04.027 Typ Journal Article Autor Lercher C Journal Chemical Physics Letters Seiten 12-17 Link Publikation -
2018
Titel Substrate-Induced Phase of a Benzothiophene Derivative Detected by Mid-Infrared and Lattice Phonon Raman Spectroscopy DOI 10.1002/cphc.201701378 Typ Journal Article Autor Schrode B Journal ChemPhysChem Seiten 993-1000 -
2013
Titel Dynamics of Monolayer–Island Transitions in 2,7-Dioctyl-benzothienobenzthiophene Thin Films DOI 10.1002/cphc.201300227 Typ Journal Article Autor Dohr M Journal ChemPhysChem Seiten 2554-2559 Link Publikation