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Identifikation von Bindungsstellen am GABA-A Rezeptor

Identification of drug binding sites in GABA-A receptors

Margot Ernst (ORCID: 0000-0002-9809-2649)
  • Grant-DOI 10.55776/P19653
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2007
  • Projektende 29.02.2012
  • Bewilligungssumme 136.164 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Chemie (30%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (70%)

Keywords

    GABA-A receptor, Binding site, Pharmacology, Mutagenesis, Structural model, Electrophysiology

Abstract Endbericht

Die gamma-aminobuttersäure (GABA) ist der wichtigste inhibitorische Neurotransmitter des Zentralnervensystems. Die meisten seiner Wirkungen werden durch GABA A Rezeptoren vermittelt. Bei diesen handelt es sich um Chloridkanäle, die durch Bindung von GABA geöffnet werden können und aus fünf Protein-Untereinheiten bestehen. GABA A Rezeptoren vermitteln die Wirkung vieler klinisch bedeutsamer Wirkstoffe wie Angstlöser, Anästhetika, Antikonvulsiva, Muskelrelaxantien, Schlafmittel, so wie Substanzen, die Lernen und Gedächtnis beinflussen können. GABA A Rezeptoren mit unterschiedlicher Untereinheitszusammensetzung sind durch verschiedene pharmakologische Eigenschaften gekennzeichnet und zeigen spezifische regionale und zelluläre Verteilung im Gehirn. Die meisten Pharmaka interagieren mit mehreren Rezeptor-Subtypen und zeigen daher ein breites Wirkspektrum. Pharmaka mit selektiver Wirkung auf spezifische Subtypen würden selektivere klinische Wirkungen und daher reduzierte Nebenwirkungen aufweisen. Obschon viele Substanzen entwickelt wurden, die den GABA-induzierten Chlorid Strom dieser Rezeptoren modulieren, sind für die wenigsten die Bindungsstellen am Proteinkomplex bekannt. Strukturmodelle, die von der Antragstellerin entwickelt wurden, weisen auf die Existenz vieler möglicher Bindungstaschen hin. In diesem Projekt sollen mit Modellrechnungen und elektrophysiologischen sowie biochemischen Experimenten sowohl die Struktur einiger dieser hypothetischen Bindungstaschen systematisch untersucht, als auch Bindungspartner identifiziert werden. Einzelne Aminosäuren, die sich laut Berechnung in diesen Taschen befinden, sollen in Cysteine umgewandelt und dann mit Sulfhydril reaktiven Reagenzien modifiziert werden. Dies kann zu einer sterischen Behinderung der Bindung möglicher Liganden, sowie zu einem Verlust ihrer Wirkung im elektrophysiologischen Experiment führen. Es sollen dann weitere Experimente zur Erhärtung solcher Hinweise und zur Abtastung struktureller Gegebenheiten in den Taschen durchgeführt und die Ergebnisse in verbesserte Strukturmodelle integriert werden. Jede Substanz, für die eine Bindung in einer bestimmten Tasche nachgewisen werden kann, ist als Prototyp für weitere Substanzentwicklung von eminenter Wichtigkeit. Die Projektergebnisse werden außerdem zu besseren Strukturmodellen dieses bedeutsamen Rezeptors und letztlich zu einer strukturgeleiteten Substanzentwicklung beitragen.

Das wissenschaftliche Projektziel war, neue Bindestellen an GABA-A Rezeptoren für innovative Behandlungsansätze zu finden. Viele wichtige Medikamente, die etwa in der Narkose, in der Behandlung von Schlafstörungen, Angststörungen oder Epilepsie Verwendung finden, binden an diesem wichtigsten hemmenden Rezeptortyp des Zentralnervensystems, dem GABA-A Rezeptor (Gamma-amino Buttersäure Rezeptor Typ A). Viele Subtypen dieses Rezeptors existieren und innovative Ansätze in der Medikamentenforschung zielen auf selektive Beeinflussung einzelner Typen ab, da unselektiv wirksame Stoffe zu unerwünschten Wirkungen wie Schläfrigkeit als Nebenwirkung eines Antiepileptikums führen können. Bedingt durch die komplexe Struktur dieser Rezeptoren sind überdies noch nicht alle Bindestellen bekannt, an denen Wirkstoffe angreifen können. Um Wirkstoffe passgenau entwickeln zu können, ist Kenntnis der Bindestelle wichtig. Hauptziel dieses Projektes war daher, bislang nicht bekannte Bindestellen an GABA-A Rezeptoren mit molekurarbiologischen und pharmakologischen Techniken zu lokalisieren und zu untersuchen, und Stoffe, die an diesen Bindestellen wirken und somit in der Behandlung von Schlafstörungen, Angststörungen oder Epilepsie neue therapeutische Ansätze ermöglichen könnten, zu identifizieren. Das zentrale Ergebnis der Projektarbeiten war die Identifikation einer bislang unbekannten Bindestelle. Diese zeigt hohe Ähnlichkeit mit der bereits bekannten und vielfach therapeutisch verwendeten Bindestelle für Benzodiazepine. Daher wurden auch Strukturmodelle für Letztere im Rahmen des Projektes entwickelt, die es längerfristig ermöglichen werden, die Struktur der neu entdeckten Bindestelle, für die es noch wenige Daten gibt, zu untersuchen. Für die neue Bindestelle die von zwei Untereinheiten gebildet wird, wurde auch gezeigt, dass die Erkennung von Rezeptor Subtypen über beide beteiligten Untereinheiten möglich ist und daher selektiv wirksame Stoffe entwickelt werden können. Zusammenfassend hat das Projekt den Grundstein für neue therapeutische Prinzipien an diesem wichtigen Rezeptor legen können. Unsere derzeitigen Arbeiten zielen nun darauf ab, mehr Stoffe zu finden, die an diesen Bindestellen möglichst selektiv wirksam sind, um eine möglichst breite Palette an Stoffen als "Leads" für eine Weiterentwicklung in Richtung Medikament zu erschaffen.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 100%

Research Output

  • 581 Zitationen
  • 6 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel A novel GABAA receptor pharmacology: drugs interacting with the a+ß- interface
    DOI 10.1111/j.1476-5381.2011.01779.x
    Typ Journal Article
    Autor Sieghart W
    Journal British Journal of Pharmacology
    Seiten 476-485
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Pentameric ligand-gated ion channel ELIC is activated by GABA and modulated by benzodiazepines
    DOI 10.1073/pnas.1208208109
    Typ Journal Article
    Autor Spurny R
    Journal Proceedings of the National Academy of Sciences
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Diazepam-bound GABAA receptor models identify new benzodiazepine binding-site ligands
    DOI 10.1038/nchembio.917
    Typ Journal Article
    Autor Richter L
    Journal Nature Chemical Biology
    Seiten 455-464
    Link Publikation
  • 2011
    Titel The GABAA Receptor a+ß- Interface: A Novel Target for Subtype Selective Drugs
    DOI 10.1523/jneurosci.5012-10.2011
    Typ Journal Article
    Autor Ramerstorfer J
    Journal The Journal of Neuroscience
    Seiten 870-877
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Identification of novel positive allosteric modulators and null modulators at the GABAA receptor a+ß- interface
    DOI 10.1111/bph.12151
    Typ Journal Article
    Autor Varagic Z
    Journal British Journal of Pharmacology
    Seiten 371-383
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Subtype selectivity of a+ß- site ligands of GABAA receptors: identification of the first highly specific positive modulators at a6ß2/3?2 receptors
    DOI 10.1111/bph.12153
    Typ Journal Article
    Autor Varagic Z
    Journal British Journal of Pharmacology
    Seiten 384-399
    Link Publikation

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