Digitales und gedrucktes Wörterbuch altengl. Pflanzennamen
Electronic and Printed Dictionary of Old English Plant-names
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Altenglisch / Old English,
Pflanzennamen / plant-names,
Botanisch / Botanical,
Datenbankgestützt / Data-Base Related,
Wortschatz / Vocabulary
Die Forschung der vergangenen drei Jahrzehnte hat entgegen früheren Einschätzungen klar gezeigt, dass die angelsächsische Heilkunde keinesfalls rückständig war, sondern auf eine Stufe mit der zeitgenössischen frühmittelalterlichen kontinental-europäischen Medizin zu stellen ist. Als Spezifikum der angelsächsischen medizinisch-botanischen Literatur ist jedoch festzuhalten, dass im Gegensatz zur primär lateinischen Literatur des Kontinents mehrere umfangreiche Texte in der Volkssprache, also in altenglischer Sprache vorliegen. Dazu zählen die bereits 1864-66 in der monumentalen Ausgabe von Oswald Cockayne edierten Texte Altenglisches Herbarium Apuleii, Laeceboc, Lacnunga, Peri Didaxeon. Darüber hinaus wird das große Interesse am medizinisch-botanischen Schrifttum durch die ungewöhnlich große Zahl von über 6000 lateinisch-altenglischen Pflanzenglossen bewiesen. Offensichtlich als Folge der früher negativen Einstellung, war der botanische Wortschatz des Altenglischen bis in die 70er-Jahre des 20.Jahrhunderts der am wenigsten erforschte Teilbereich des englischen Wortschatzes. Dies änderte sich durch die von 1975-1979 in drei Bänden erschienene Studie Der botanische Wortschatz des Altenglischen von Peter Bierbaumer, in der der relevante Wortschatz der oben genannten Texte und Glossen vollständig erfasst und interpretiert wurde. Darüber hinaus erfolgte in den letzten Jahren eine grundsätzliche Änderung der Situation als durch die Studien des Münchener Anglisten Hans Sauer und durch den von Carole Biggam an der Universität Glasgow gegründeten Anglo-Saxon Plant-Name Survey neues Interesse an der Erforschung des altenglischen botanischen Wortschatzes bekundet wurde. Da Bierbaumer und Sauer etwa zeitgleich, aber mit verschiedener Schwerpunktsetzung, die Planung eines elektronisch verfügbaren Wörterbuchs des botanischen Wortschatzes des Altenglischen bzw. eines Wörterbuchs der altenglischen Pflanzennamen begannen, wurde anlässlich der von Hans Sauer veranstalteten Tagung der International Society of Anglo-Saxonists (München, August 2005) durch Bierbaumer und Sauer vereinbart, gemeinsam an ein zweijähriges Projekt eines elektronisch zugänglichen Corpus des botanischen Wortschatzes des Altenglischen bzw. eines Wörterbuchs der altenglischen Pflanzennamen heranzugehen. Während sich Bierbaumer mehr der Dokumentation und Identifikation der Pflanzennamen widmen soll, wird Sauer vor allem morphologische und etymologische Aspekte behandeln. Da Sauer und Bierbaumer aufgrund ihrer beruflichen Position die notwendigen wissenschaftlichen Arbeiten nicht alleine leisten können, ist die Anstellung von teilzeit-beschäftigten MitarbeiterInnen unbedingt notwendig. Sauer wird daher bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft einen dem vorliegenden Antrag von Bierbaumer ähnlichen Antrag stellen.
Der botanische Wortschatz des Altenglischen ist einzigartig in seinem Umfang: Mit ca. 1300 Pflanzennamen deckt er 5% des altenglischen Gesamtwortschatzes ab. Gleichbedeutend ist der Umstand, dass dies die erste substantielle vokssprachliche Bearbeitung dieses Themenkomplexes (u.a. Botanik, Medizin, Heilkunde) darstellt und die vorliegende Arbeit somit auch für die Erforschung dieser Bereiche von hoher Bedeutung ist. Dem Projekt lagen folgende Schritte als Arbeitshypothese zugrunde: Digitalisierung, Zusammenführung und Übersetzung des bestehenden Materials (Bierbaumer, Peter: Der botanische Wortschatz des Altenglischen. 3 Bde. Wien: Lang 1975-1979.). Aktualisieren der Einträge um die aktuelle Forschung: Seit 1980 wurde in dem von uns bearbeiteten Bereich intensiv geforscht. Hier galt es, die aktuelle Literatur zu den einzelnen Texten, den Pflanzen und ihren Namen, wie aber auch zu Medizin und Ernährung auf relevante Informationen zu untersuchen. Zentrale Aspekte sind die Vervollständigung der Beleglisten anhand des aktuellen Corpus of Old English und eine Präzisierung bei der Identifikation der Pflanzennamen. Konzeption und Programmierung einer datenbankbasierneden Web-Plattform. Im Zuge der Arbeit wurde schnell klar, dass sowohl die vorhandenen Daten, wie auch Datenbank und Internet weitaus mehr Möglichkeiten bieten, als vorerst angenommen. Bei der Konzeption der Datenbank und der Entwicklung der Eingabemasken wurde die in den Büchern vorhandene Datenstruktur analysiert und aufbereitet, sodass die anfänglich intendierte passive Darbietung der Informationen sich kontinuierlich zur Bereitstellung eines interaktiven Wörterbuch-Tools entwickelt hat. Wir haben uns daher darauf konzentriert, die Internetpräsenz nach einem für diesen Wissenschaftszweig absolut innovativen Konzept zu gestalten: Basierend auf den Prinzipien von Web 2.0 hat der Benutzer weit mehr Möglichkeiten, als nur Informationen abzurufen, er gestaltet das Wörterbuch in vielen Bereichen mit. Letztendlich soll es möglich sein, über ein dreistufiges Zugangsmodell an die gewünschten Daten zu kommen: Über die verschiedenen Indices (historische Pflanzennamen: altenglische und lateinische; moderne Pflanzennamen: englische, deutsche, botanische; diverse Kategorien) ist es möglich, sich systematisch an die Materie anzunähern. Die Suche (Pflanzennamen bzw. Volltext) macht den Direkteinstieg in eine spezielle Thematik möglich. Das `Clicktionary` ist ein interaktives Recherche-Tool, das es dem Benutzer ermöglichen soll, mit allen vorhandenen Daten nach seinen Vorstellungen zu arbeiten und individuelle Abfragen zu erstellen. Mit dieser offenen Konzeption ist der Grundstein für eine zukunftsweisende (und vor allem zukunftssichere) Internet-Plattform geschaffen. Aktuell sind in der Datenbank alle altenglischen Pflanzennamen mit Identifikation (botanische, englische und deutsche Nomenkaltur) und alle Belegstellen erfasst. Die meisten Artikel sind zusammengefasst und übersetzt, können zur Zeit aber noch nicht online eingesehen werden. Ein bereits genehmigtes Folgeprojekt ermöglicht es, weiterhin an der Präsentationsoberfläche zu arbeiten und die bereitgestellten Daten laufend zu erweitern. Die Projekt-Homepage ist nach Creative Commons Richtlinien unter http://oldenglish-plantnames.uni-graz.at/ frei zugänglich.
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