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Barocke Möbel in österreichischen Klosterkirchen

Baroque Furnishings in Austrian convent churches

Michael Bohr (ORCID: 0000-0003-4376-0176)
  • Grant-DOI 10.55776/P19298
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 02.01.2008
  • Projektende 01.05.2011
  • Bewilligungssumme 189.331 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (15%); Kunstwissenschaften (80%); Philosophie, Ethik, Religion (5%)

Keywords

    Angewandte Kunst, Kirchenausstattung, Möbel, Barock

Abstract Endbericht

Der Erforschung des österreichischen Mobiliars aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind noch immer enge Grenzen gesetzt, da es bis heute an einem Katalog mit Vergleichsstücken mangelt, welche die exakte Datierung von Barockmöbeln und deren Zuordnung zu bestimmten Regionen ermöglichen. Es fehlt eine Untersuchung von Stücken, deren Provenienz und Alter in Archivalien genannt sind. Solche Möbel stehen vor allem in Sakralbauten. In den Schriftquellen der Kirchenarchive sind häufig sogar die Namen der Tischler erwähnt, die Sakristeischränke, Beichtstühle und Kirchenbänke anfertigten. In der Studie gehen wir deshalb von diesem Mobiliar aus, um zu einer ausreichenden Anzahl sicherer Beispiele zu gelangen. In Österreich gibt es eine große Anzahl von Sakralbauten, die im angesprochenen Zeitraum mit neuem Mobiliar eingerichtet wurden. Um der geplanten Untersuchung einen überschaubaren Rahmen zu geben, sollen nur die Möbel in Stiftskirchen bearbeitet werden. Von den heute in Österreich existierenden Klöstern wurden 122 vor dem Jahre 1783 gegründet. 23 von ihnen gehören dem Benediktiner- oder Zisterzienserorden an, haben noch die barocke Einrichtung und sind über alle Regionen des heutigen österreichischen Staatsgebietes verteilt. Zudem verfügten diese Klöster über erhebliche finanzielle Mittel, ihre Ausstattungen sind entsprechend qualitätsvoll. Folglich dürften sie auch auf die profane Möbelproduktion beispielhaft gewirkt haben. Deshalb erscheint es zielführend, die Stifte dieser Orden als Ausgangspunkt der Untersuchung zu wählen. Wichtige Vorarbeiten zu der Studie führten F. Windisch-Graetz, F. Hladky, F. Wagner und C. Witt-Dörring durch. Sie beschäftigten sich mit Möbeln in Wien sowie mit jenen in den Stiften St. Florian und Kremsmünster und stellten damit bereits bedeutende Einrichtungen vor. Grundlagenforschung leisteten außerdem die Mitarbeiter der "Österreichischen Kunsttopographie", des "Dehio" und der "Germania Benedictina". Sie sichteten in vielen Klöstern Briefwechsel, Rechnungen sowie Auftragsbücher und publizierten die ausgehobenen Quellen zumindest teilweise. Deshalb ist es jetzt möglich, die barocken Kirchenausstattungen der beiden Orden zu bearbeiten und mit weiteren Archivrecherchen Lücken im Hinblick auf das Quellenmaterial zu schließen. Etliche Möbel können damit auf das Jahr genau datiert und einer bestimmten Kunstlandschaft zugewiesen werden. Mit diesem Grundgerüst lassen sich dann auch Möbel aus dem privaten Bereich bestimmen. Darüber hinaus soll das Mobiliar erstmals auch im Hinblick auf seine konstruktiven Details untersucht werden. Möglicherweise geben charakteristische technische Verfahrensweisen über bestimmte Werkstätten Auskunft. Die Ergebnisse der geplanten Forschung sollen als Buch und CD-Rom veröffentlicht werden.

Der Erforschung des österreichischen Mobiliars aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind noch immer enge Grenzen gesetzt, da kein Katalog mit Vergleichsstücken existiert, die die exakte Datierung von Barockmöbeln und deren Zuordnung zu bestimmten Regionen ermöglichen würden. Es fehlt ein Überblickswerk mit Möbeln, deren Provenienz und Alter bekannt sind. Solche Möbel stehen vor allem in Kirchen und Klöstern. Um einen Katalog mit einer ausreichenden Anzahl sicherer Beispiele erstellen zu können, muss folglich zunächst der Fokus auf das sakrale Mobiliar gerichtet werden. Erst danach ist es möglich, auch das profane Möbel wissenschaftlich zu bearbeiten. Nicht weniger als 76 der aktiven österreichischen Klöster sind noch heute mit Barockmobiliar ausgestattet. Ferner wurden in Österreich etliche weltliche Kirchen im 17. und 18. Jahrhundert mit neuen Tischlerarbeiten bereichert. Sie dürfen ebenfalls nicht übergangen werden. Um an der Fülle des Materials nicht zu scheitern, war es daher unumgänglich, die Zahl der Sakralbauten einzuschränken, deren Ausstattungen untersucht werden sollten. Deshalb bearbeitete ich zunächst Möbel der österreichischen Benediktiner und Zisterzienser, also Einrichtungen von 20 Stiften. Im Vordergrund standen Möbel in Kirchen sowie jene in Sakristeien und Schatzkammern. Einige der Klöster verfügen zudem über qualitätsvolle Ausstattungen von Refektorien, Bibliotheken und Archiven. Diese Arbeiten nahm ich ebenfalls in meine Studie auf. Der großzügig bemessene zeitliche Rahmen ermöglichte die Bearbeitung ausgewählter Tischlerarbeiten weiterer Kirchen für Vergleichszwecke. In Verbindung mit dem Studium von Schriftquellen führte dies zu einer Reihe brauchbarer Ergebnisse. So konnte ich etwa den Abtstuhl in der Göttweig Stiftskirche und den Altar der dortigen Sommersakristei Wiener Tischlern und Bildhauern aus dem frühen 17. Jahrhundert zuordnen. Außerdem gelang mir der Nachweis, dass das Chorgestühl in der Göttweiger Chorkapelle im Gegensatz zur gängigen Lehrmeinung nicht aus dem 19., sondern aus dem frühen 18. Jahrhundert stammt. Und hinsichtlich des Mobiliars in Tiroler und Salzburger Kirchen zeigte sich, dass die Kirchenbänke dort bestimmten gestalterischen Typen folgen, wodurch sie sich formal vom Laiengestühl anderer Kunstlandschaften abgrenzen. Unterschiede existieren überdies hinsichtlich der Konstruktion der Möbel und der verwendeten Werkmaterialien. Schließlich konnte ich mit Hilfe ausgiebigen Quellenstudiums kulturhistorischen Fragestellungen nachgehen: Welchen Stand hatten Stiftstischler innerhalb der Klosterhierarchie? Wie wurden die Handwerker entlohnt? Und welche Arbeitsbedingungen herrschten in den Stiftstischlereien vor? Um das Forschungsprojekt fortführen zu können, beantragte ich beim FWF die weitere finanzielle Unterstützung. Der Antrag wurde bewilligt, so dass die Studie nun auf eine breitere Basis gestellt und damit in wissenschaftlicher Hinsicht zu einem befriedigenden Ende gebracht werden kann.

Forschungsstätte(n)
  • INSTITUT FÜR DIE ERFORSCHUNG DER FRÜHEN NEUZEIT - 100%

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