Mikroorganismen in radioaktiven Thermalquellen
Microorganisms in radioactive thermal springs
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Microbial Biodiversity,
Thermal Springs,
Nanobacteria,
Energy Source,
Subsurface,
Functional Genes
Die von Thomas Gold aufgestellte Hypothese über das Vorhandensein einer heißen Biosphäre in großer Tiefe besagt dass, wenn man alles Leben in der Erde bis zu 5 km Tiefe an die Oberfläche bringen würde, eine Schicht von 1,5 m entstehen würde, die die Oberflächen aller Kontinente bedecken und mehr wiegen würde als alle Flora und Fauna zusammen. Diese Biomasse würde hauptsächlich aus Bakterien und Archaea bestehen. Tatsächlich sind in den letzten Jahren zahlreiche Mikroorganismen in großen Tiefen entdeckt worden, wie z.B. in Bohrkernen, in untermeerischen Sedimenten, in Ölreservoiren und in kilometertiefen Gold- und Uranminen. Thermalquellen, die warmes Wasser aus großen Tiefen befördern, sind in Kontakt mit der unterirdischen Biosphäre und können Mitglieder dieser Gemeinschaften an die Oberfläche bringen; sie stellen daher eine Verbindung zwischen Oberfläche und Untergrund dar. Die Thermalquellen von Bad Gastein, einem Ort in den Zentralalpen in der Nähe von Salzburg, sind weit bekannt für ihr Heilwasser, das leicht radioaktiv ist. Insgesamt 17 größere Quellen produzieren täglich 4-5 Millionen Liter Wasser mit einer Temperatur von durchschnitttlich 47C. Mikroskopische Untersuchungen zeigten, dass in den Biofilmen an den Gesteinsoberflächen der Quellen und im Wasser, nach Anheftung an Objektträger, eine beachtliche Vielfalt an Zelltypen vorhanden ist, einige davon offenbar als sehr kleine Formen (Nanobakterien). Analysen von amplifizierten 16S rRNA Genen zeigten die Anwesenheit von zahlreichen Bakterien- und Archeen-Phylotypen, die Ähnlichkeiten zu bekannten Prokaryonten aufwiesen, jedoch in manchen Fällen nur sehr entfernt verwandt waren. Die Fragen nach den Energie- und Kohlenstoffquellen in diesen lichtlosen Umgebungen sind völlig ungeklärt und sollen in diesem Projekt untersucht werden. Speziell eine Archeengruppe, die nicht-thermophilen Crenarchaeota, sind in den Fokus des Interesses gerückt, weil sie überall vorkommen (auch in Thermalquellen) und möglicherweise am globalen Stickstoffzyklus beteiligt sind; sie werden im Detail untersucht werden. Weitere Gruppen sind potentielle Wasserstoffund Methanverwerter sowie ammonium- oder metalloxidierende Mikroorganismen; das Vorhandensein aller dieser Typen kann aufgrund der Sequenzdaten vermutet werden. Kultivierungsversuche der Prokaryonten werden ausgeführt werden; ausserdem werden kulturunabhängige Techniken wie stabile Isotopen-Techniken und Metagenom-Suchen nach funktionellen Genen eingesetzt werden. Es ist zu erwarten, dass Gene für die Enzyme Ammonium-Monooxygenase (amo), Nitratreduktase/n (nir), particuläre Methanmonooxygenase (pmo), und andere, identifiziert werden. Ausserdem werden Proben mittels Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) und EDX (energiedispersive Röntgenstrahlung)- Elektronenmikroskopie untersucht werden, um Korrelationen zwischen Morphotypen mit spezifischen Genen und Elementzusammenstzung zu erhalten. Die Ergebnisse sollten Informationen über den Einfluss von Mikroorganismen auf die geologischen Stoffkreisläufe liefern; ausserdem sollten sie für die Entwicklung von Methoden zur Entdeckung potentieller ausserirdischer Lebensformen nützlich sein, da diese, falls vorhanden, wahrscheinlich unter der Oberfläche von felsigen Planeten oder Monden zu finden sind.
Die von Thomas Gold aufgestellte Hypothese über das Vorhandensein einer "heißen Biosphäre in großer Tiefe" besagt dass, wenn man alles Leben in der Erde bis zu 5 km Tiefe an die Oberfläche bringen würde, eine Schicht von 1,5 m entstehen würde, die die Oberflächen aller Kontinente bedecken und mehr wiegen würde als alle Flora und Fauna zusammen. Diese Biomasse würde hauptsächlich aus Bakterien und Archaea bestehen. Tatsächlich sind in den letzten Jahren zahlreiche Mikroorganismen in großen Tiefen entdeckt worden, wie z.B. in Bohrkernen, in untermeerischen Sedimenten, in Ölreservoiren und in kilometertiefen Gold- und Uranminen. Thermalquellen, die warmes Wasser aus großen Tiefen befördern, sind in Kontakt mit der unterirdischen Biosphäre und können Mitglieder dieser Gemeinschaften an die Oberfläche bringen; sie stellen daher eine Verbindung zwischen Oberfläche und Untergrund dar. Die Thermalquellen von Bad Gastein, einem Ort in den Zentralalpen in der Nähe von Salzburg, sind weit bekannt für ihr Heilwasser, das leicht radioaktiv ist. Insgesamt 17 größere Quellen produzieren täglich 4-5 Millionen Liter Wasser mit einer Temperatur von durchschnitttlich 47 oC. Mikroskopische Untersuchungen zeigten, dass in den Biofilmen an den Gesteinsoberflächen der Quellen und im Wasser, nach Anheftung an Objektträger, eine beachtliche Vielfalt an Zelltypen vorhanden ist, einige davon offenbar als sehr kleine Formen ("Nanobakterien"). Analysen von amplifizierten 16S rRNA Genen zeigten die Anwesenheit von zahlreichen Bakterien- und Archeen- Phylotypen, die Ähnlichkeiten zu bekannten Prokaryonten aufwiesen, jedoch in manchen Fällen nur sehr entfernt verwandt waren. Die Fragen nach den Energie- und Kohlenstoffquellen in diesen lichtlosen Umgebungen sind völlig ungeklärt und sollen in diesem Projekt untersucht werden. Speziell eine Archeengruppe, die nicht- thermophilen Crenarchaeota, sind in den Fokus des Interesses gerückt, weil sie überall vorkommen (auch in Thermalquellen) und möglicherweise am globalen Stickstoffzyklus beteiligt sind; sie werden im Detail untersucht werden. Weitere Gruppen sind potentielle Wasserstoffund Methanverwerter sowie ammonium- oder metalloxidierende Mikroorganismen; das Vorhandensein aller dieser Typen kann aufgrund der Sequenzdaten vermutet werden. Kultivierungsversuche der Prokaryonten werden ausgeführt werden; ausserdem werden kulturunabhängige Techniken wie stabile Isotopen-Techniken und Metagenom-Suchen nach funktionellen Genen eingesetzt werden. Es ist zu erwarten, dass Gene für die Enzyme Ammonium-Monooxygenase (amo), Nitratreduktase/n (nir), particuläre Methanmonooxygenase (pmo), und andere, identifiziert werden. Ausserdem werden Proben mittels Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) und EDX (energiedispersive Röntgenstrahlung)-Elektronenmikroskopie untersucht werden, um Korrelationen zwischen Morphotypen mit spezifischen Genen und Elementzusammenstzung zu erhalten. Die Ergebnisse sollten Informationen über den Einfluss von Mikroorganismen auf die geologischen Stoffkreisläufe liefern; ausserdem sollten sie für die Entwicklung von Methoden zur Entdeckung potentieller ausserirdischer Lebensformen nützlich sein, da diese, falls vorhanden, wahrscheinlich unter der Oberfläche von felsigen Planeten oder Monden zu finden sind.
- Universität Salzburg - 100%
- Wolfgang Heinen, University Medical Center Nijmegen - Niederlande
- Christa Schleper, University of Bergen - Norwegen
Research Output
- 169 Zitationen
- 4 Publikationen
-
2006
Titel Communities of Archaea and Bacteria in a Subsurface Radioactive Thermal Spring in the Austrian Central Alps, and Evidence of Ammonia-Oxidizing Crenarchaeota DOI 10.1128/aem.01570-06 Typ Journal Article Autor Weidler G Journal Applied and Environmental Microbiology Seiten 259-270 Link Publikation -
2014
Titel Thaumarchaeal ammonium oxidation and evidence for a nitrogen cycle in a subsurface radioactive thermal spring in the Austrian Central Alps DOI 10.3389/fmicb.2014.00225 Typ Journal Article Autor Gerbl F Journal Frontiers in Microbiology Seiten 225 Link Publikation -
2012
Titel Prokaryotic Communities Below Planetary Surfaces and Their Involvement in the Nitrogen Cycle DOI 10.1007/978-94-007-4966-5_7 Typ Book Chapter Autor Gerbl F Verlag Springer Nature Seiten 81-99 -
2008
Titel Crenarchaeota and Their Role in the Nitrogen Cycle in a Subsurface Radioactive Thermal Spring in the Austrian Central Alps DOI 10.1128/aem.02602-07 Typ Journal Article Autor Weidler G Journal Applied and Environmental Microbiology Seiten 5934-5942 Link Publikation