Heuristiken für riskante Entscheidungen
Heuristics for risky choice
Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (100%)
Keywords
-
Entscheiden,
Heuristiken,
Begrenzte Rationalität,
Kognitive Modellierung,
Risiko
Die Erwartens-Nutzens (EN) Theorie nimmt bis heute eine vorherrschende Stellung im Rahmen der Entscheidungsforschung ein. Die Theorie basiert auf der Annahme, dass Personen sich so entscheiden würden, als ob sie Wahrscheinlichkeiten mit Nutzen multiplizierten. Zahlreiche Experimente widerlegten jedoch die EN- Theorie als adäquates Modell zur Beschreibung menschlicher Entscheidungen (z.B. Allais, 1953, Kahneman u. Tversky, 1979). Um diese Inkongruenzen zu erklären, kamen Alternativen zur EN-Theorie auf (z.B. die kumulative Prospekt Theorie), welche jedoch den Kern der EN-Theorie, die Multiplikation von Erwartung und Wert, behielten. Um die Entscheidungsanomalien der EN-Theorie vorherzusagen, entwickelten Brandstätter, Gigerenzer, und Hertwig (2005) eine einfache, sequentielle Heuristik, die Prioritätsheuristik, welche auf die Multiplikation von Erwartung und Wert verzichtet. Die Überprüfung der Heuristik an 260 Entscheidungsproblemen aus vier verschiedenen Datensätzen ergab, dass die Prioritätsheuristik reale Entscheidungen besser vorhersagte als (a) andere Heuristiken, und (b) Alternativen zur EN-Theorie (z.B. die kumulative Prospekt Theorie). Das beantragte Projekt verfolgt vier Ziele: (i) die direkte Überprüfung der kognitiven Prozesse durch Verfahren der Prozess-Registrierung wie Mouse-Lab (Payne, Bettman u. Johnson, 1993) und durch Protokolle des lauten Denkens (Ericsson u. Simon, 1984), (ii) Varianten der Prioritätsheuristik aufzudecken, welche interindividuelle Unterschiede vorhersagen, (iii) die Untersuchung der kognitiven Prozesse, die in Situationen ablaufen, in denen die Prioritätsheuristik falsche Vorhersagen machte, und (iv) die Überprüfung der Heuristik in realen Lebenssituationen. Insgesamt versuchen die geplanten Studien, die Prioritätsheuristik als Prozessmodell zu bestätigen und den Geltungsbereich der Heuristik zu eruieren.
Die Erwartens-Nutzens (EN) Theorie nimmt bis heute eine vorherrschende Stellung im Rahmen der Entscheidungsforschung ein. Die Theorie basiert auf der Annahme, dass Personen sich so entscheiden würden, als ob sie Wahrscheinlichkeiten mit Nutzen multiplizierten. Zahlreiche Experimente widerlegten jedoch die EN- Theorie als adäquates Modell zur Beschreibung menschlicher Entscheidungen (z.B. Allais, 1953, Kahneman u. Tversky, 1979). Um diese Inkongruenzen zu erklären, kamen Alternativen zur EN-Theorie auf (z.B. die kumulative Prospekt Theorie), welche jedoch den Kern der EN-Theorie, die Multiplikation von Erwartung und Wert, behielten. Um die Entscheidungsanomalien der EN-Theorie vorherzusagen, entwickelten Brandstätter, Gigerenzer, und Hertwig (2005) eine einfache, sequentielle Heuristik, die Prioritätsheuristik, welche auf die Multiplikation von Erwartung und Wert verzichtet. Die Überprüfung der Heuristik an 260 Entscheidungsproblemen aus vier verschiedenen Datensätzen ergab, dass die Prioritätsheuristik reale Entscheidungen besser vorhersagte als (a) andere Heuristiken, und (b) Alternativen zur EN-Theorie (z.B. die kumulative Prospekt Theorie). Das beantragte Projekt verfolgt vier Ziele: (i) die direkte Überprüfung der kognitiven Prozesse durch Verfahren der Prozess-Registrierung wie Mouse-Lab (Payne, Bettman u. Johnson, 1993) und durch Protokolle des lauten Denkens (Ericsson u. Simon, 1984), (ii) Varianten der Prioritätsheuristik aufzudecken, welche interindividuelle Unterschiede vorhersagen, (iii) die Untersuchung der kognitiven Prozesse, die in Situationen ablaufen, in denen die Prioritätsheuristik falsche Vorhersagen machte, und (iv) die Überprüfung der Heuristik in realen Lebenssituationen. Insgesamt versuchen die geplanten Studien, die Prioritätsheuristik als Prozessmodell zu bestätigen und den Geltungsbereich der Heuristik zu eruieren.
- Universität Linz - 100%
- Ralph Hertwig, Max-Planck-Gesellschaft - Deutschland
Research Output
- 759 Zitationen
- 6 Publikationen
-
2014
Titel Behavioral Decision Studies DOI 10.1002/9781118445112.stat03598 Typ Book Chapter Autor Brandstätter E Verlag Wiley -
2012
Titel The Cognitive Processes Underlying Risky Choice DOI 10.1002/bdm.1752 Typ Journal Article Autor Brandstätter E Journal Journal of Behavioral Decision Making Seiten 185-197 -
2008
Titel Behavioral Decision Studies DOI 10.1002/9780470061596.risk0519 Typ Book Chapter Autor Brandstätter E Verlag Wiley -
2008
Titel Risky Choice With Heuristics: Reply to Birnbaum (2008), Johnson, Schulte-Mecklenbeck, and Willemsen (2008), and Rieger and Wang (2008) DOI 10.1037/0033-295x.115.1.281 Typ Journal Article Autor Brandstätter E Journal Psychological Review Seiten 281-289 Link Publikation -
2009
Titel Interpreting test results DOI 10.1016/j.paid.2008.09.025 Typ Journal Article Autor Brandstätter E Journal Personality and Individual Differences Seiten 183-186 -
2006
Titel The Priority Heuristic: Making Choices Without Trade-Offs DOI 10.1037/0033-295x.113.2.409 Typ Journal Article Autor Brandstätter E Journal Psychological Review Seiten 409-432 Link Publikation