Stachellose Bienen: Rekrutierung und Kommunikation II
Stingless bees: Recruitment and communication II
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (40%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (60%)
Keywords
-
Stingless bees,
Sensory ecology,
Recruitment behavior,
Intranidal behavior,
Communication,
Scent marks
Bei eusozialen Insekten wie Bienen und Ameisen ist das Kommunikationsverhalten hoch entwickelt. Die stachellosen Bienen der Tropen und Subtropen leben in Kolonien von bis zu vielen tausend Individuen. Wie die Honigbienen rekrutieren sie Nestgenossinnen zur Ausbeutung von Futterquellen. Obgleich sie nach gegenwärtigem Wissen nichts dem berühmten Bienentanz Vergleichbares aufweisen, sind sie sehr effiziente Rekrutierer. Wie machen sie das? Das vorliegende Projekt befasst sich mit der zugrundeliegenden Kommunikation, Navigation und sensorischen Biologie und behandelt drei Problemkreise. (i) Unter besonderer Berücksichtigung der Gattung Melipona soll das Projekt zur Klärung der fundamentalen Frage beitragen, ob symbolische Kommunikation vorliegt oder nicht, d.h. Information über die Entfernung und Richtung der Futterquelle in entsprechende Signale übersetzt und kommuniziert wird. Die anhaltende Kontroverse über dieses Problem leidet darunter, dass wichtige Experimente noch immer ausstehen. Dazu gehören sorgfältig durchgeführte Fächerversuche, Beobachtungen der Flugbahnen von neu rekrutierten Bienen und die systematische Manipulation der vibratorischen Signale der Sammlerinnen. (ii) Das Projekt wird proximate Mechanismen der Rekrutierung mit modernen Messtechniken wie Laser- Vibrometrie und 3D-Anemometrie analysieren. So werden Dämpfung und Transformation der Vibrationen und der assoziierten Luftschall- und Luftströmungssignale (von der Melipona - Sammlerin besonders während der Trophallaxis produziert) auf ihrem Weg durch verschiedene Neststrukturen und von der Sender- zur Empfängerbiene quantitativ bestimmt werden. Nur so lässt sich abschätzen, was und unter welchen Umständen der Empfängerbiene als Signal dienen kann. Auch sollen Herkunft, Eigenschaften und biologische Bedeutung verschiedener von den stachellosen Bienen eingesetzter Duftmarken mit Hilfe von Bioassays, chemischen Analysen und elektrophysiologischen Experimenten geklärt werden. (iii) Schließlich wird sich das Projekt mit der Diversität des Rekrutierungsverhaltens von stachellosen Bienen und den Anpassungen an spezielle ökologische Bedingungen befassen. Insbesondere werden 2 nah verwandte Arten aus der Trigona-Gruppe untersucht werden, die bisher nie wie Melipona mit "symbolischer Kommunikation" in Verbindung gebracht wurden, aber ebenso effektive Rekrutierer zu sein scheinen. Eine der beiden Arten legt gegensätzlich zur zweiten und anderen Vertretern der Trigona-Gruppe für die Neulinge keinen Duftpfad als Wegweiser zum Futter. Zum besseren Verständnis der tatsächlichen Bedeutung möglicher Signale werden die intranidalen Verhaltensweisen der beiden Arten, die sich außerhalb des Nestes ganz unterschiedlich verhalten, verglichen werden. Ein Großteil der Projektarbeit ist in Brasilien und Zentralamerika durchzuführen. Sie wird Experten aus Brasilien, Deutschland und Österreich zusammenführen. Im Hinblick auf die zunehmende Beachtung der Bedeutung stachelloser Bienen für die Bestäubung und die Imkerei hat das vorliegende Projekt auch Bezüge zu angewandten Aspekten.
Bei eusozialen Insekten wie Bienen und Ameisen ist das Kommunikationsverhalten hoch entwickelt. Die stachellosen Bienen der Tropen und Subtropen leben in Kolonien von bis zu vielen tausend Individuen. Wie die Honigbienen rekrutieren sie Nestgenossinnen zur Ausbeutung von Futterquellen. Obgleich sie nach gegenwärtigem Wissen nichts dem berühmten Bienentanz Vergleichbares aufweisen, sind sie sehr effiziente Rekrutierer. Wie machen sie das? Das vorliegende Projekt befasst sich mit der zugrundeliegenden Kommunikation, Navigation und sensorischen Biologie und behandelt drei Problemkreise. 1. Unter besonderer Berücksichtigung der Gattung Melipona soll das Projekt zur Klärung der fundamentalen Frage beitragen, ob symbolische Kommunikation vorliegt oder nicht, d.h. Information über die Entfernung und Richtung der Futterquelle in entsprechende Signale übersetzt und kommuniziert wird. Die anhaltende Kontroverse über dieses Problem leidet darunter, dass wichtige Experimente noch immer ausstehen. Dazu gehören sorgfältig durchgeführte Fächerversuche, Beobachtungen der Flugbahnen von neu rekrutierten Bienen und die systematische Manipulation der vibratorischen Signale der Sammlerinnen. 2. Das Projekt wird proximate Mechanismen der Rekrutierung mit modernen Messtechniken wie Laser- Vibrometrie und 3D-Anemometrie analysieren. So werden Dämpfung und Transformation der Vibrationen und der assoziierten Luftschall- und Luftströmungssignale (von der Melipona - Sammlerin besonders während der Trophallaxis produziert) auf ihrem Weg durch verschiedene Neststrukturen und von der Sender- zur Empfängerbiene quantitativ bestimmt werden. Nur so lässt sich abschätzen, was und unter welchen Umständen der Empfängerbiene als Signal dienen kann. Auch sollen Herkunft, Eigenschaften und biologische Bedeutung verschiedener von den stachellosen Bienen eingesetzter Duftmarken mit Hilfe von Bioassays, chemischen Analysen und elektrophysiologischen Experimenten geklärt werden. 3. Schließlich wird sich das Projekt mit der Diversität des Rekrutierungsverhaltens von stachellosen Bienen und den Anpassungen an spezielle ökologische Bedingungen befassen. Insbesondere werden 2 nah verwandte Arten aus der Trigona-Gruppe untersucht werden, die bisher nie wie Melipona mit "symbolischer Kommunikation" in Verbindung gebracht wurden, aber ebenso effektive Rekrutierer zu sein scheinen. Eine der beiden Arten legt gegensätzlich zur zweiten und anderen Vertretern der Trigona-Gruppe für die Neulinge keinen Duftpfad als Wegweiser zum Futter. Zum besseren Verständnis der tatsächlichen Bedeutung möglicher Signale werden die intranidalen Verhaltensweisen der beiden Arten, die sich außerhalb des Nestes ganz unterschiedlich verhalten, verglichen werden. Ein Großteil der Projektarbeit ist in Brasilien und Zentralamerika durchzuführen. Sie wird Experten aus Brasilien, Deutschland und Österreich zusammenführen. Im Hinblick auf die zunehmende Beachtung der Bedeutung stachelloser Bienen für die Bestäubung und die Imkerei hat das vorliegende Projekt auch Bezüge zu angewandten Aspekten.
- Universität Wien - 100%
- Stefan Jarau, Pädagogische Hochschule Vorarlberg , nationale:r Kooperationspartner:in
- Ronaldo Zucchi, Cidade Universitária - São Paulo - Brasilien
- Ingrid Aguilar, Universidad Nacional Costa Rica - Costa Rica
- Daniel Briceno, Universidad de Costa Rica - Costa Rica
- Wittko Francke, Universität Hamburg - Deutschland
- Manfred Ayasse, Universität Ulm - Deutschland
Research Output
- 264 Zitationen
- 7 Publikationen
-
2014
Titel Vibratory Communication in Stingless Bees (Meliponini): The Challenge of Interpreting the Signals DOI 10.1007/978-3-662-43607-3_18 Typ Book Chapter Autor Hrncir M Verlag Springer Nature Seiten 349-374 -
2008
Titel Signals and cues in the recruitment behavior of stingless bees (Meliponini) DOI 10.1007/s00359-008-0321-7 Typ Journal Article Autor Barth F Journal Journal of Comparative Physiology A Seiten 313-327 -
2008
Titel Thoracic vibrations in stingless bees (Melipona seminigra):resonances of the thorax influence vibrations associated with flight but not those associated with sound production DOI 10.1242/jeb.013920 Typ Journal Article Autor Hrncir M Journal Journal of Experimental Biology Seiten 678-685 Link Publikation -
2007
Titel Spitting out information: Trigona bees deposit saliva to signal resource locations DOI 10.1098/rspb.2006.3766 Typ Journal Article Autor Schorkopf D Journal Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences Seiten 895-899 Link Publikation -
2006
Titel Collective foraging in a stingless bee: dependence on food profitability and sequence of discovery DOI 10.1016/j.anbehav.2006.03.023 Typ Journal Article Autor Schmidt V Journal Animal Behaviour Seiten 1309-1317 -
2006
Titel Vibrating the food receivers: a direct way of signal transmission in stingless bees (Melipona seminigra) DOI 10.1007/s00359-006-0123-8 Typ Journal Article Autor Hrncir M Journal Journal of Comparative Physiology A Seiten 879-887 -
2011
Titel Pheromone paths attached to the substrate in meliponine bees: helpful but not obligatory for recruitment success DOI 10.1007/s00359-011-0638-5 Typ Journal Article Autor Schorkopf D Journal Journal of Comparative Physiology A Seiten 755-764