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Augustinushandschriften in Ostdeutschland

Manuscripts of Augustine in East Germany

Clemens Weidmann (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P17529
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2004
  • Projektende 31.12.2006
  • Bewilligungssumme 65.499 €

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (50%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)

Keywords

    Augustine, East Germany, Medieval manuscripts, History of transmission

Abstract Endbericht

Augustinus von Hippo (354-430 n.Chr.) ist der produktivste und einflußreichste lateinische Autor. Seine Werke sind in tausenden mittelalterlichen Handschriften überliefert. Um künftigen Editoren ein verläßliches Arbeitsinstrument für philologische Editionstätigkeit zur Verfügung zu stellen und Forschungen auf dem Gebiet der Überlieferungs- und Bibliotheksgeschichte zu erleichtern, erstellt die Kirchenväterkommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften seit 1966 länderweise die Katalogreihe "Die handschriftliche Überlieferung der Werke des Heiligen Augustinus", in die alle Handschriften aufgenommen werden, die echte oder unechte Werke des Augustinus enthalten. Im Rafunen des vorgelegten Projekts soll innerhalb von zwei Jahren eine mit Dienstvertrag vollbeschäftigte Mitarbeiterin die reichen Bestände Ostdeutschlands (ungefähr 1500 Handschriften) bearbeiten, unter denen sich auch sehr alte, kaum erschlossene Handschriften finden. Ausgehend von Bibliothekskatalogen und Sekundärliteratur sollen sämtliche Codices im Original eingesehen, die in ihnen enthaltenen (Pseudo-)Augustinuswerke aufgelistet und in zwei Katalogbänden, einem Werkund einem Bibliotheksverzeichnis, publiziert werden. Die Forschungsergebnisse können wertvolle Einblicke in die Vernetzung mittelalterlicher Kultur und die Bedeutung Augustins für den theologischen Diskurs im Lande des ehemaligen Augustinermönchs Martin Luther gewähren.

Die Werke des Kirchenvaters und Bischofs Augustinus von Hippo (354-430 n.Chr.), der als der produktivste christliche lateinische Autor gelten darf, sind in tausenden mittelalterlichen Handschriften überliefert, die für Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen die Grundlage ihrer Forschungsvorhaben darstellen. Um diese Fülle an Material leichter zugänglich zu machen, erstellt die Kirchenväterkommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften seit 1966 länderweise die Katalogreihe "Die handschriftliche Überlieferung der Werke des Heiligen Augustinus", in die alle Handschriften aufgenommen werden, die echte oder unechte Werke des Kirchenvaters enthalten. Nach der politischen Wende in Ostdeutschland war es nun erstmals möglich, die reichen Bestände der ehemaligen DDR und Ostberlins auf Augustinustexte hin zu untersuchen. Nach eingehender Durchsicht von Bibliothekskatalogen und Sekundärliteratur wurden die relevanten Codices von der Projektmitarbeiterin Mag. Isabella Schiller in den Jahren 2005 und 2006 vor Ort eingesehen, ihre Inhalte aufgelistet und gegebenenfalls mit Hilfe von verschiedenen Textdatenbanken und anderen Hilfsmitteln identifiziert. Bereist wurden die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Teile Sachsen-Anhalts. Während dieser Aufenthalte konnten rund 1000 Handschriften und weit über 1000 Fragmente in fast 30 Bibliotheken und Archiven untersucht werden. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Berliner Bestände gelegt, deren vormals durch die Teilung der Stadt getrennte Handschriften nunmehr wiedervereint sind. Sie bilden auch den Großteil der Augustinushandschriften in Ostdeutschland. Die überwiegende Zahl der Augustinus-Codices stammt aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, doch es finden sich auch einige wertvolle Exemplare aus dem Früh- und Hochmittelalter, deren Entstehen teilweise in das 8. und 9. Jahrhundert zurückreicht. Eine überdurchschnittlich hohe Zahl an solch alten Beständen weist die auf das Pariser Jesuitenkolleg zurückgehende sog. Meerman`sche Sammlung auf, die sich, einst im Besitz des weltweit wohl bedeutensten Handschriftensammlers, des Engländers Sir Thomas Phillipps, an der Staatsbibliothek zu Berlin befindet. Inhaltlich unterscheiden sich die Augustinus-Handschriften Ostdeutschlands nicht von den Beständen in den übrigen europäischen Ländern. Relativ wenig echten Augustinuswerken steht eine Vielzahl von Texten gegenüber, die dem Kirchenvater zugeschrieben werden, tatsächlich aber von anderen christlichen Autoren der Antike und des Mittelalters verfasst wurden. Überliefert sind eine Reihe von Predigt- und Briefsammlungen, Exzerpte, Viten des Hl. Augustinus, aber auch seine wohl wichtigsten Schriften Confessiones, De civitate Dei, Enarrationes in psalmos und die Traktate zum Johannesevangelium. Auch einige Übersetzungen, vornehmlich deutsche und niederländische Gebete mit Parallelüberlieferungen in den Benelux-Staaten und Westdeutschland ließen sich finden. Besonders hervorzuheben ist die Abschrift der drei ps.-augustinischen Traktate zur Taufe in der Berliner Handschrift Ms. Phill. 1671, die, abgesehen von den noch nicht bearbeiteten Beständen Frankreichs, in keinem anderen Land überliefert zu sein scheinen.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%

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