Klimaänderung und Gletscherrückgang am Kilimanjaro
Glacier retreat on Kilimanjaro and associated climate change
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (100%)
Keywords
-
Tropical Glaciers,
Micrometeorological Modeling,
Kilimanjaro,
Mesoscale Circulation Modeling,
Climate Change,
Energy Balance Measurements
Die klimatologische Begründung des seit 1880 andauernden Gletscherrückgangs am Kilimanjaro, Ostafrika, wurde bis heute nur spekulativ erbracht. Aktuelle Studien nennen immer wieder die allgemeine Erderwärmung als primäre Ursache. Diese Sicht ist überaus simplifiziert und vernachlässigt die besonderen klimatischen und physiogeographischen Bedingungen am Kilimanjaro. Das hier beantragte Projekt setzt sich zum Ziel, die Mechanismen der Gletscher-Klima Interaktion am Kilimanjaro präzise zu untersuchen und festzulegen. Dies geschieht unter Berücksichtigung mehrerer spezifischer Faktoren wie etwa des speziellen Einflusses des tropischen Klimas auf Gletscher, der Modifikationskraft von Höhe und Form des Berges auf die troposphärische und lokale Zirkulation oder auch des Zusammenspiels von individueller Form und Dynamik der Gletscher. Um das angestrebte Ziel zu erreichen, müssen die Untersuchungen zwei Maßstäbe umfassen: den mikroskaligen und den mesoskaligen Bereich. Nur beide Bereiche kombiniert können letztlich zu einem besseren Verständnis der klimatologischen Ursachen für den beobachteten Gletscherrückgang beitragen. Alle Untersuchungen müssen stets zwei Rahmenbedingungen beachten: (1) die klimatische Entwicklung in Ostafrika in den letzten 150 Jahren, welche durch Klima-Proxydaten zuverlässig abgedeckt und von einer markanten Reduktion der Luftfeuchte um 1880 gekennzeichnet ist, und (2) den großräumigen Aktionsbereich der regionalen atmosphärischen Zirkulation über Ostafrika. Im mikroskaligen Bereich hat man mehrere verschiedene Gletscherregime zu berücksichtigen, die sich im Energie- und Massenaustausch an der Grenzschicht Eis-Atmosphäre und den klimatischen Steuermechanismen dahinter unterscheiden. Mikrometeorologische Messungen am Kilimanjaro werden den geeigneten Input für die mikroskaligen Modelle liefern. Parallel zum mikroskaligen Bereich gilt es die mesoskalige Zirkulation über dem Berg mit dem Regional Atmospheric Modeling System (RAMS) zu simulieren. Der dafür erforderliche Untersuchungsraum umfasst das Gebiet zwischen Ostafrika und dem westlichen Indischen Ozean, der das Quellgebiet der am Berg angelieferten Feuchte ist. Daten aus einem existierenden GCM-Lauf (General Circulation Model) liefern die Grenzbedingungen für die mesoskaligen Sensitivitätsstudien. Abschließend, wenn die Gletscher- Klima Interaktion im mikroskaligen Bereich ausreichend verstanden ist, werden die klimatischen Unterschiede zwischen der gegenwärtigen Periode des Gletscherrückgangs und jener vorangegangenen des Gletscherwachstums mit dem RAMS modelliert. Aus diesem finalen Schritt darf man entscheidende Informationen zur Klimavariabilität und -änderung in Ostafrika erwarten. Da das tropische Zirkulationssystem großen Einfluss auf das globale Klima ausübt, sollte das Projekt zudem wertvolle Erkenntnisse für die globale Klimavorhersage liefern.
Die klimatologische Begründung des seit 1880 andauernden Gletscherrückgangs am Kilimanjaro, Ostafrika, wurde bis heute nur spekulativ erbracht. Aktuelle Studien nennen immer wieder die allgemeine Erderwärmung als primäre Ursache. Diese Sicht ist überaus simplifiziert und vernachlässigt die besonderen klimatischen und physiogeographischen Bedingungen am Kilimanjaro. Das hier beantragte Projekt setzt sich zum Ziel, die Mechanismen der Gletscher-Klima Interaktion am Kilimanjaro präzise zu untersuchen und festzulegen. Dies geschieht unter Berücksichtigung mehrerer spezifischer Faktoren wie etwa des speziellen Einflusses des tropischen Klimas auf Gletscher, der Modifikationskraft von Höhe und Form des Berges auf die troposphärische und lokale Zirkulation oder auch des Zusammenspiels von individueller Form und Dynamik der Gletscher. Um das angestrebte Ziel zu erreichen, müssen die Untersuchungen zwei Maßstäbe umfassen: den mikroskaligen und den mesoskaligen Bereich. Nur beide Bereiche kombiniert können letztlich zu einem besseren Verständnis der klimatologischen Ursachen für den beobachteten Gletscherrückgang beitragen. Alle Untersuchungen müssen stets zwei Rahmenbedingungen beachten: (1) die klimatische Entwicklung in Ostafrika in den letzten 150 Jahren, welche durch Klima-Proxydaten zuverlässig abgedeckt und von einer markanten Reduktion der Luftfeuchte um 1880 gekennzeichnet ist, und (2) den großräumigen Aktionsbereich der regionalen atmosphärischen Zirkulation über Ostafrika. Im mikroskaligen Bereich hat man mehrere verschiedene Gletscherregime zu berücksichtigen, die sich im Energie- und Massenaustausch an der Grenzschicht Eis-Atmosphäre und den klimatischen Steuermechanismen dahinter unterscheiden. Mikrometeorologische Messungen am Kilimanjaro werden den geeigneten Input für die mikroskaligen Modelle liefern. Parallel zum mikroskaligen Bereich gilt es die mesoskalige Zirkulation über dem Berg mit dem Regional Atmospheric Modeling System (RAMS) zu simulieren. Der dafür erforderliche Untersuchungsraum umfasst das Gebiet zwischen Ostafrika und dem westlichen Indischen Ozean, der das Quellgebiet der am Berg angelieferten Feuchte ist. Daten aus einem existierenden GCM-Lauf (General Circulation Model) liefern die Grenzbedingungen für die mesoskaligen Sensitivitätsstudien. Abschließend, wenn die Gletscher- Klima Interaktion im mikroskaligen Bereich ausreichend verstanden ist, werden die klimatischen Unterschiede zwischen der gegenwärtigen Periode des Gletscherrückgangs und jener vorangegangenen des Gletscherwachstums mit dem RAMS modelliert. Aus diesem finalen Schritt darf man entscheidende Informationen zur Klimavariabilität und -änderung in Ostafrika erwarten. Da das tropische Zirkulationssystem großen Einfluss auf das globale Klima ausübt, sollte das Projekt zudem wertvolle Erkenntnisse für die globale Klimavorhersage liefern.
- Universität Innsbruck - 100%
- Daniela Jacob, Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Deutschland
- Martin Funk, ETH Hönggerberg - Schweiz
- Douglas Hardy, University of Massachusetts Amherst - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 746 Zitationen
- 8 Publikationen
-
2009
Titel Solar radiation, cloudiness and longwave radiation over low-latitude glaciers: implications for mass-balance modelling DOI 10.3189/002214309788608822 Typ Journal Article Autor Mölg T Journal Journal of Glaciology Seiten 292-302 Link Publikation -
2009
Titel Temporal precipitation variability versus altitude on a tropical high mountain: Observations and mesoscale atmospheric modelling DOI 10.1002/qj.461 Typ Journal Article Autor Mölg T Journal Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society Seiten 1439-1455 -
2009
Titel Quantifying Climate Change in the Tropical Midtroposphere over East Africa from Glacier Shrinkage on Kilimanjaro DOI 10.1175/2009jcli2954.1 Typ Journal Article Autor Mölg T Journal Journal of Climate Seiten 4162-4181 Link Publikation -
2007
Titel Energy-balance model validation on the top of Kilimanjaro, Tanzania, using eddy covariance data DOI 10.3189/172756407782871224 Typ Journal Article Autor Cullen N Journal Annals of Glaciology Seiten 227-233 -
2007
Titel Mass balance of a slope glacier on Kilimanjaro and its sensitivity to climate DOI 10.1002/joc.1589 Typ Journal Article Autor Mölg T Journal International Journal of Climatology Seiten 881-892 -
2006
Titel Indian Ocean zonal mode activity in a multicentury integration of a coupled AOGCM consistent with climate proxy data DOI 10.1029/2006gl026384 Typ Journal Article Autor Mölg T Journal Geophysical Research Letters Link Publikation -
2006
Titel Kilimanjaro Glaciers: Recent areal extent from satellite data and new interpretation of observed 20th century retreat rates DOI 10.1029/2006gl027084 Typ Journal Article Autor Cullen N Journal Geophysical Research Letters -
2004
Titel Ablation and associated energy balance of a horizontal glacier surface on Kilimanjaro DOI 10.1029/2003jd004338 Typ Journal Article Autor Mölg T Journal Journal of Geophysical Research: Atmospheres Link Publikation