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Fritz Grünbaum

Fritz Grünbaum

Ernst Bruckmüller (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P17294
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.2004
  • Projektende 30.04.2006
  • Bewilligungssumme 105.882 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (70%); Kunstwissenschaften (30%)

Keywords

    Kabarett, Wien, Berlin, Operette, Tonfilm, Konzentrationslager Buchenwald und Dacha

Abstract Endbericht

Die wissenschaftliche Forschung beschäftigte sich in den letzten Jahren verstärkt mit der Bedeutung des politischen oder literarischen Kabaretts in Wien und Berlin bis 1938. Es fehlt bis heute die regional übergreifende Darstellung der Breite dieser Szene in Wien und Berlin, da sich Künstler des Kabaretts in vielerlei Hinsicht betätigten: Nicht nur als Kabarettisten, sondern auch als Kabarettdichter, Revue- und Operettenlibrettisten und als Drehbuchautoren in der beginnenden Tonfilm-Ära Ende der 1920er Jahre. Auch als Schauspieler am Theater und im Film waren diese Künstler vielfach vertreten und beliebt. Eine dieser Persönlichkeiten, die in all diesen Sparten und vor allem auch in Wien und Berlin präsent, erfolgreich und bekannt war, ist Fritz Grünbaum (1880-1941). Die Beschäftigung mit seiner Person bietet die Möglichkeit, sich mit der deutschsprachigen Kleinkunstszene bis zum Jahr 1938 zu befassen. Grünbaum war sowohl in Berlin als auch in Wien beschäftigt - ein Vergleich dieser beiden Städte bis 1933 ist in der wissenschaftlichen Forschung bis heute unterblieben. Auch ist eine textkritische, sowohl stilistische als auch inhaltliche Analyse bis heute nicht erstellt worden. Um Persönlichkeit, Leben und Werk Fritz Grünbaums darzustellen, müssen das kulturelle Umfeld seiner wichtigsten Wirkungsstätten (Brünn, Wien, Berlin), die Produktions- und Rezeptionsbedingungen von Kabarett, Operette, Theater, Revue und Film im ersten Jahrhundertdrittel sowie seine Mitarbeiter, Kollegen und andere relevante Persönlichkeiten dargestellt werden ebenso wie das kulturelle Leben in Brünn im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, die Kabarettszene in Wien und Berlin um 1900 und der Weg von der silbernen Operette zur Revue. Besonderes Augenmerk wird auf Entwicklung und Bedeutung des Tonfilms gelegt, da Fritz Grünbaum in den Jahren 1931 und 1932 in über 10 Filmen als Schauspieler mitwirkte, aber auch Drehbücher schrieb. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland war seine Filmkarriere jedoch beendet. Fritz Grünbaum schrieb außerdem zu über 100 Chansons den Text. Weiters wird auch Grünbaums Bedeutung als Kunstsammler thematisiert. Fritz Grünbaums Leidensweg durch die Konzentrationslager von Buchenwald und Dachau wird nachgezeichnet und durch Berichte von Mitgefangenen ergänzt. Der Rezeptionsgeschichte seiner Werke, ein umfangreiches kommentiertes Register der Weggefährten Grünbaums (Textdichter, Komponisten, Schauspieler etc.) und ein detailliertes Werkverzeichnis werden ergänzend erstellt, um erstmals das breite Spektrum von Grünbaums Wirken aufzuzeigen.

Fritz Grünbaums Leben und Wirken wurde an Hand verschiedener Themenbereiche genauer dargestellt. Da kein geschlossener Nachlass vorhanden ist, mussten die Unterlagen und Dokumente in verschiedenen Archiven und Bibliotheken in ganz Europa (Österreich, Tschechische Republik, Deutschland, England, Dänemark, Schweden) gesucht und gesichtet werden. Im Verlaufe des Forschungsprojekt zeigte es sich, dass wesentlich mehr Material vorhanden ist, als vorher angenommen werden konnte. Aus diesem Grund wurden für manche Bereiche die Grundlagen gelegt für weitere Forschungen, da für Detailstudien keine Zeit blieb. Besonderes Augenmerk wurde auch auf Grünbaums Kollegen gelegt, es wurde ein Katalog erstellt, um all diese Künstler - Komponisten, Librettisten, Kabarettisten, Sänger und Schauspieler - der Vergessenheit zu entreißen und so die Basis zu schaffen, ihre Biographien genauer zu erforschen. Die Basis konnte dieses Projekt legen, doch sind weitere Forschungen gerade in diesem Bereich unbedingt nötig. Neue Quellen wurden erschlossen, so z.B. durch die systematische Aufarbeitung der Berliner Kabarett-Zeitung "Die Frechheit", die ab 1924 vom "Kabarett der Komiker" herausgegeben wurde. Fritz Grünbaum verfasste oftmals Texte für diese Zeitung, in der auch Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Alfred Polgar, Paul Morgan, Anton Kuh und Kurt Robitschek als Herausgeber schrieben. Diese Quelle ist eine der wichtigsten Möglichkeiten, das Umfeld, die politische Radikalisierung, aber auch die Programmierung des führenden literarischen Berliner Kabaretts darzustellen. Die Bestände sind verstreut und befinden sich im Berliner Landesarchiv, der Deutschen Bücherei Leipzig und dem Österreichischen Theatermuseum. Im Jahr 2005 jährte sich Fritz Grünbaums Geburtstag zum 125. Mal, aus diesem Anlass gab es eine große Zahl verschiedener Veranstaltungen, die zeigten, dass die Öffentlichkeit großes Interesse an der Person Grünbaums hat. Folgende Veranstaltungen fanden statt: Ausstellung im Österreichischen Theatermuseum, Wien 2005 und Brünn 2006 (weitere Institutionen wie die Jüdischen Museen Frankfurt und Berlin sind an einer Übernahme interessiert) Marie-Theres Arnbom und Christoph Wagner-Trenkwitz, Grüß mich Gott! Fritz Grünbaum - eine Biographie (das Buch zur Ausstellung im Österreichischen Theatermuseum, Wien 2005) Dokumentation im ORF (2005) Soiréen in der Volksoper Wien 2005 Lesungen und Veranstaltungen im Theatermuseum, dem Theater LEO, Wien etc. Textausgaben im Moldenverlag (neben einem Buch mit Texten Grünbaums wurden auch Bücher mit Werken seiner Kollegen Fritz Löhner-Beda und Paul Morgan herausgegeben, alle 2005) Die Pressepräsenz all dieser Veranstaltungen war enorm und brachte mit sich, dass Fritz Grünbaum nun in einem wesentlich höheren Ausmaß als vor Beginn des Forschungsprojektes wieder ein Teil des allgemeinen Interesses und Wissens geworden ist. Im Zuge dessen wuchs auch das Interesse an der Zeit und dem Genre Kabarett allgemein. Auch der Bereich der Operette erfreut sich verstärkten Interesses, nicht zuletzt durch den Einsatz vieler Künstler, die Grünbaums Werke in ihr Repertoire aufnahmen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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