Geschlechtsspezifische Wahrnehmung: eine fMRT-Studie
Gender differences in emotion perception: an fMRI study
Wissenschaftsdisziplinen
Informatik (50%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%)
Keywords
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Fmri,
Emotion,
Gender Differences
Verschiedene funktionell bildgebende Untersuchungen zeigen geschlechtsspezifische Unterschiede in diversen kognitiven Bereichen, wie Sprache, navigatorische und mathematische Fähigkeiten oder Aufmerksamkeit, aber auch hinsichtlich des Glucosestoffwechsels sowie des Zusammenhanges zwischen Glucosestoffwechsel und verbalem Gedächtnis. Außerdem sind Männer und Frauen in unterschiedlicher Weise fähig, Emotionen wahrzunehmen, zu verarbeiten und auszudrücken. Frauen beurteilen ihre Emotionen intensiver als Männer, weisen bei der Konfrontation mit emotionalen Gesichtern stärker ausgeprägte evozierte Potentiale auf und sind im Decodieren nonverbaler Botschaften Männern überlegen. Ziel des vorliegenden Projektes ist es, mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) die Aktivierung des Gehirns während der Durchführung emotionsauslösender neuropsychologischer Tests zu untersuchen und die Aktivierungsmuster von je 20 gesunden Frauen und Männern miteinander zu vergleichen. Zur Emotionsinduktion werden sowohl positive als auch negative Gefühle auslösende Stimuli eingesetzt. In der Literatur finden sich bislang nur wenige Veröffentlichungen, die Männer und Frauen während der Durchführung von emotionsauslösenden Test mittels fMRT untersucht und miteinander verglichen haben. Erste Ergebnisse aus den genannten Untersuchungen deuten darauf hin, daß die bekannte funktionelle Asymmetrie der beiden Großhirnhemisphären, wonach bei Männern sowohl für verbale als auch für nonverbale Funktionen eine ausgeprägte Lateralisierung vorliegt, während das weibliche Gehirn eine eher bilaterale Funktionsrepräsentanz aufweist, sich auch bei der emotionalen Wahrnehmung zeigt. Außerdem scheint die Induktion von negativen Emotionen bei Männern mit einer primär rechtshemisphärischen Amygdala-Aktivierung assoziiert zu sein, während es bei Frauen zu einer verstärkten linkshemisphärischen Amygdala-Aktivierung kommt. Weiters bewirkt die Induktion einer negativen Emotion möglicherweise bei Frauen eine stärkere Aktivierung im Bereich der Basalganglien als bei Männern. In jenen Studien, die sich dezidiert mit geschlechtsspezifischen Unterschieden auseinandersetzten, wurden bislang Gesichter oder Filme zu Emotionsinduktion eingesetzt, sodaß in der vorliegenden Untersuchung eine Emotionsinduktion sowohl durch Bilder als auch durch Wörter geplant ist. Dadurch kann gleichzeitig eine eventuelle Abhängigkeit eines geschlechtsspezifischen cerebralen Aktivierungsmuster von der Stimulusart aufgezeigt werden.
Obwohl verschiedene Untersuchungen zeigen, daß Frauen Männern hinsichtlich der Expressionsfähigkeit von Emotionen überlegen sind und psychophysiologisch stärker auf emotionale Stimuli reagieren, existieren bislang nur wenige Studien, die sich mit den zu Grunde liegenden funktionellen neuroanatomischen Korrelaten auseinandersetzen. Ziel des vorliegenden Projektes war es, mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie die Aktivierung des Gehirns während der Durchführung emotionsauslösender neuropsychologischer Tests zu untersuchen und die Aktivierungsmuster von gesunden Frauen und Männern miteinander zu vergleichen. Zur Emotionsinduktion wurden sowohl positive als auch negative Gefühle auslösende Stimuli (Bilder und Wörter) eingesetzt. Kenntnisse über Geschlechtsunterschiede in der Verarbeitung von Emotionen sind essentiell, um Mechanismen verstehen zu können, die der geschlechtsspezifischen Vulnerabilität hinsichtlich Prävalenz und Schweregrad verschiedener neuropsychiatrischer (z.B. affektiver) Erkrankungen zu Grunde liegen. Insgesamt wurden je 19 gesunde Frauen und Männer untersucht. Während der Präsentation von sowohl positiven als auch negativen Stimuli zeigten Frauen im Vergleich zu Männern eine höhere Aktivierung verschiedener Hirnregionen, die mit der Verarbeitung von Emotionen in Verbindung gebracht werden. Strukturelle und funktionelle Veränderungen dieser Strukturen wurden wiederholt mit verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen einschließlich schizophrenen und affektiven Störungen assoziiert, und die vorliegenden Resultate tragen somit beispielsweise zum besseren Verständnis der höheren Angst- und Depressionsrate bei Frauen bei. Während der Präsentation von negativen Wörtern zeigten Männer eine stärkere Aktivierung einer Hirnregion, die in einer kürzlich publizierten Studie mit der Verarbeitung von Ärger ausdrückenden Handbewegungen in Verbindung gebracht wurde. Unser Ergebnis weist darauf hin, daß diese Hirnregion bei der Verarbeitung von negativen Emotionen eine wichtige Rolle spielt, und zwar unabhängig von der Stimulusart (verbal oder nonverbal). Dieser Aktivierungsunterschied stellt möglicherweise ein neuroanatomisches Korrelat für die häufig beschriebenen Geschlechtsunterschiede bei depressiven Patienten dar (höheres Aggressions- und Gewaltpotential bei Männern bei gleichzeitig herabgesetzter Streßtoleranz, reduzierter Impulskontrolle, häufigerem Substanzmißbrauch und Suizid). Zusammenfassend unterstützen unsere Ergebnisse Hypothesen, wonach Frauen und Männern verschiedene neuronale Netzwerke für die Verarbeitung von Emotionen einsetzen, und daß diese Geschlechtsunterschiede in künftigen Studien berücksichtigt werden müssen.
Research Output
- 147 Zitationen
- 2 Publikationen
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2006
Titel Gender differences in regional cerebral activity during the perception of emotion: A functional MRI study DOI 10.1016/j.neuroimage.2006.03.053 Typ Journal Article Autor Hofer A Journal NeuroImage Seiten 854-862 -
2019
Titel Formal Synthesis of Stabilizing Controllers for Periodically Controlled Linear Switched Systems DOI 10.1109/indiancc.2019.8715598 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Kundu A Seiten 484-489