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Neue Papyri aus dem griechisch-römischen Ägypten

New Papyri from Graecon-Roman Egypt

Bernhard Palme (ORCID: 0000-0002-6825-2349)
  • Grant-DOI 10.55776/P17180
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2004
  • Projektende 31.12.2005
  • Bewilligungssumme 93.316 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (90%); Sprach- und Literaturwissenschaften (10%)

Keywords

    Papyrology, Ancient History, Graeco-Roman Egypt, Classical Literautre, Text Editions, Byzantinology

Abstract Endbericht

Papyrus diente in der antiken Welt seit frühesten Zeiten als Schreibmaterial. Hergestellt aus der gleichnamigen Pflanze, besitzt es Eigenschaften, die denen unseres heutigen Papiers sehr ähneln. Auch hinsichtlich der Arten seiner Verwendung gleicht der antike Schreibstoff seinem modernen Nachfolger. Papyrus erhält sich nur in Regionen, die sich durch ein extrem trockenes Klima auszeichnen. So erklärt sich, daß der weitaus größte Teil der Papyri, die bis heute bekannt geworden sind, aus Ägypten stammt. Diese Texte illustrieren die Geschichte und Entwicklung des Landes vom Alten Reich bis ins frühe Mittelalter. Sie dokumentieren unter anderem das Alltagsleben in einem hellenistischen Königreich bzw. in einer römischen Provinz sowie die Umstände und Folgen der arabischen Eroberung. Die anhand der Papyri für Ägypten erzielten Resultate gestatten Rückschlüsse auf historische Prozesse in anderen Regionen des antiken und Mittelmeerraumes gestatten. Der besondere wissenschaftliche Wert der Papyri besteht darin, daß jedes Stück ein direkt überliefertes Originalzeugnis und damit eine - leider oftmals nur höchst fragmentarisch erhaltene - Primärquelle darstellt. In den richtigen Kontext gestellt, bieten Papyri eine Fülle von Informationen zu allen möglichen Aspekten des privaten und gesellschaftlichen Lebens, zu Verwaltung und Steuern, Religion und Kulte, Recht und Wirtschaft. Angaben dieser Art sind aus keiner anderen Quellengruppe zu schöpfen. Die Papyri werfen somit Licht auf zahlreiche Aspekte der Alten Welt, die ansonsten unbekannt blieben. Dementsprechend versteht sich der Papyrologe in erster Linie als philologisch-historisch geschulter Altertumswissenschaftler, der bestrebt ist, ausgehend vom Modellfall Ägypten zu einem Verständnis vornehmlich solcher Aspekte der Geschichte der antiken Welt beizutragen, die durch andere Quellengruppen nicht dokumentiert sind. Dies bedeutet, daß die Papyrologie einen bedeutenden Beitrag zur historischen Grundlagenforschung für Antike leistet. Das Hauptziel des Anschlußprojektes besteht in der Edition bzw. Neuedition einer namhaften Zahl von dokumentarischen Papyri der griechisch-römischen und früharabischen Zeit aus den Beständen der Wiener Sammlung, die zu den weltweit größten Kollektionen ihrer Art zählt. Dabei stehen solche Texte im Vordergrund, die für benachbarte Disziplinen wie Alte Geschichte, Byzantinistik, Klassische Archäologie, Rechtsgeschichte und Theologie von besonderer Aussagekraft sind. Ein weiteres Ziel ist die Edition von literarischen Texten, namentlich solcher Stücke, die verlorene Werke bezeugen.

Hauptziel des international besetzten Forschungsprojektes "New Papyri from Ancient Egypt" war die Publikation dokumentarischer Papyri aus der Wiener Sammlung. Ergebnis des Projekts ist die Erschließung, Entzifferung, Übersetzung, philologisch-kritische Kommentierung und historische Auswertung von ca. 450 wissenschaftlich bedeutsamen Papyrusdokumenten. Diese Texte in altgriechischer und lateinischer Sprache aus dem griechisch- römischen und früharabischen Ägypten (ca. 300 v.-800 n. Chr.) sind erstmals publiziert oder in wesentlich verbesserter Fassung neu ediert worden. Das Projekt wurde in den Räumen der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) durchgeführt und mit Unterstützung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Universität Wien abgewickelt. Papyrus war der universell verwendete Beschreibstoff der Antike, hat als organisches Material aber nur in Regionen überdauert, die sich durch ein extrem trockenes Klima auszeichnen. So erklärt sich, dass der größte Teil der erhaltenen Papyri aus Ägypten stammt. Der wissenschaftliche Wert der Papyri liegt darin, dass jedes Stück ein direkt überliefertes Originalzeugnis und damit eine historische Quelle ersten Ranges ist. Es finden sich Rechtsurkunden, Verwaltungsakten, Korrespondenz, Buchhaltung, Bildungs-, Unterhaltungs- und Gebrauchsliteratur etc. Das Material bietet einen einzigartigen Zugang zum politischen, administrativen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Leben der griechisch-römischen Antike und eröffnet Perspektiven, für die keine anderen Quellen existieren. Die anhand dieser Texte für Ägypten gewonnenen Erkenntnisse erlauben Rückschlüsse auf historische Prozesse in anderen Regionen der antiken und frühmittelalterlichen Welt. Die Ergebnisse wurden in 80 Publikationen (darunter 5 Editionsbände) in den angesehensten Reihen und Organen der Disziplin vorgelegt. Die Editionsbände enthalten vor allem Papyrustexte zu Wirtschaft und Verwaltung des Ptolemäerreiches, Privatbriefe der byzantinischen Epoche und Urkunden von grundlegender Bedeutung für die Wirtschaftsgeschichte Ägyptens im 6.-8. Jh. n. Chr. Zahlreiche Texte mit besonderer Aussagekraft für Nachbardisziplinen wie Alte Geschichte, Byzantinistik, Klassische Philologie, Paläographie und Rechtsgeschichte wurden in Zeitschriftenaufsätzen veröffentlicht. Dadurch ist ein großer Kreis von Altertumswissenschaften auf die Ergebnisse und Möglichkeiten der Papyrologie aufmerksam geworden. Schließlich gelang es, die Struktur der Wiener Sammlung besser zu verstehen, neue Archive zu identifizieren und zahlreiche Fragmente zu vereinen. So eröffneten sich neue Felder für künftige Forschungen, z.B. zu den lateinischen Papyri der Sammlung. Die Ergebnisse des Projekts bringen einen beträchtlichen Erkenntniszuwachs und methodischen Innovationsschub hinsichtlich der Einbindung von Papyrustexten in einen breiteren historischen Kontext. Alle Mitarbeiter konnten sich im Fach etablieren und positionieren. Im Umfeld des Projektes wurde eine neue Generation von Nachwuchskräften ausgebildet. Als wesentlicher Erfolg darf auch gelten, dass sich die Universität Wien, die ÖAW und die ÖNB durch die Schaffung neuer Stellen und den Abschluss von Kooperationsverträgen dauerhaft in der Papyologie engagiert haben. Dieses "Dreibein" garantiert langfristig eine fruchtbare Forschungs- und Lehrtätigkeit auf höchstem internationalen Niveau und soll als Kern eines künftigen centre of excellence dienen.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Nationalbibliothek - 100%

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