Testmonien über den Kerameikos Athens: Texte und Auswertungen
Testimonia on the Athenian Kerameikos: Texts and Analysis
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (65%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (15%); Sprach- und Literaturwissenschaften (20%)
Keywords
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Athens (ancient),
Kerameikos,
Agora (ancient),
Topography,
Ceramicus,
Urbanism
Über 1000 Zeugnisse in antiken Autoren und attischen Inschriften über den "Kerameikos" genannten Stadtteil NW- Athens wurden gesammelt; sie sollen durch Text, Übersetzung und Kommentar erklärt und für Topogaphie und Bauwerke, für Wirtschaft, Kulte und Stadtgeschichte ausgewertet werden, um ein umfassendes Bild vom antiken Aussehen und Leben dieses ungewöhnlichen Stadtviertels zu gewinnen. Die Fülle der antiken Nachrichten ergab sich aus der großen Bedeutung des Kerameikosgebietes: die Agora, das politische Zentrum des demokratischen Athen, grenzte unmittelbar daran an; die Hauptverkehrsstraße der Stadt zum Piräus und zum übrigen Griechenland und die Prozessionswege der Panathenäen, Eleusinien und Mysterien durchzogen den Kerameikos; der Staatsfriedhof für Kriegsgefallene und verdiente Staatsmänner befand sich dort, ebenso die Lehrstätten Epikurs, während die Philosophenschule Platons in der Akademie und der Stoa in der Agora an seinen Rändern lagen. Heute befinden sich in diesem Bereich die beiden Ausgrabungen, die seit langem maßgeblich die archäologische Erforschung Athens prägen: die amerikanische "Agora-Grabung" und die deutsche "Kerameikos-Grabung". Das Werk von R. E. Wycherley "The Athenian Agora Vol. III. Literary and Epigraphical Testimonia" (1957), soll durch dieses Projekt, das topographisch an den Nordwestrand der Agora anschließt, ergänzt werden. Die Schriftzeugnisse über den Kerameikos dienen jedoch nicht nur der Interpretation der reichen Funden, die diese Grabungen und unlängst auch der Bau der U-Bahn erbrachten, und der Verfeinerung unserer topographischen Kenntnisse, sondern sollen auch die Vorgänge, Ereignisse und Tätigkeiten im Kerameikos beleuchten, wie Handwerk (besonders Töpfer), Verkehr, Feste, Prozessionen, philosophischen Unterricht, aber auch Gastronomie, Badebetrieb, Prostitution u.a. Deshalb werden die Schriftzeugnisse nicht nur nach Informationen über Topographie und Bauten befragt, sondern es sollen auch die Angaben über Tätigkeiten und Vorgänge im Kerameikos systematisch als Quellen für die Erforschung von Wirtschaft, Gesellschaft, Religion und Stadtentwicklung analysiert werden. Die chronologische Anordnung, insbesondere die synchrone Nebeneinanderstellung zeitgleicher literarischer und inschriftlicher Zeugnisse, wird ein wesentlich vollständigeres Bild vom Leben im Kerameikos schaffen. Der chronologische Aufbau ermöglicht zugleich, die soziale und urbanistische Entwicklung eines athenischen Stadtviertels von der archaischen Zeit bis in die Spätantike zu verfolgen.
- Universität Wien - 100%