Dialekt und Kultur bei den Beduinen Tunesiens
Dialect and culture among the Bedouins of Tunisia
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (20%); Soziologie (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
-
Arabic dialectology,
Oral poetry,
Popular Islam,
Bedouins,
Tunesia,
Social change
Dieses Projekt beschäftigt sich mit dem arabischen Dialekt und der mit diesem eng verbundenen mündlich tradierten Kultur des semi-nomadischen Stammes der Marazig, welche die Region Nefzaoua südlich des Chott el- Jerid bewohnen. Der Forschungsschwerpunkt des dreijährigen Projekts liegt auf den Gebieten Soziolinguistik (vor allem Frauensprache), oral vermittelter Poesie und Erzählungen sowie der Volksreligion. Im Gegensatz zu fast allen bisherigen Studien zu den maghrebinisch-arabischen Dialekten wird dieses Projekt nicht auf rein philologische Aspekte beschränkt bleiben, sondern eine fruchtbare Synthese von Philologie und Anthropologie zu versuchen, wobei ein aufzubauendes Korpus von Gedichten und Erzählungen die Basis für weitere sprachliche und inhaltliche Analysen darstellen wird. Dies ermöglicht dann einerseits Vergleiche mit Volkspoesie und Volkserzählungen in anderen Regionen der arabischen Welt, aber auch mit existierenden Korpora, die meist schon vor hundert Jahren und länger gesammelt wurden. Traditionelle Gedichte und Erzählungen sind nicht nur aus literaturwissenschaftlicher Sicht interessant, sondern enthalten auch zahlreiche Hinweise auf das Selbstverständnis einer Beduinengesellschaft, da sie deren Abgrenzung zu seßhaften Gesellschaften oder zum Staat ausdrücken. Außerdem sind sie oft die einzige gesellschaftlich akzeptierte Form, um Gefühle auszudrücken. So etwa nutzen heute junge Männer das Medium der Poesie, um auf ihre Probleme mit der modernen Welt und ihren neuen Anforderungen, oder auf ihre Erfahrungen mit westlichen Frauen hinzuweisen. Viele der oral tradierten Erzählungen haben einen Bezug zu den beiden Phänomenen Heiligenverehrung und Geisterglaube, durch welche der sogenannte "Volksislam" entscheidend geprägt wird. Geplant ist im Zuge dieses Projekts sowohl ein Katalog aller sakralen Plätze der Region als auch eine Sammlung von Erzählungen und Interviews, in welchen die Träger/innen dieser Traditionen selbst zu Wort kommen. Dieses Material ermöglicht eine Analyse der Motive für Wallfahrten sowie der Erfahrungen mit der Welt der Dämonen. Es wird auch untersucht werden, inwieweit die Parameter, welche für andere, insbesondere urbane oder zumindest seßhafte muslimische Gesellschaften festgestellt wurden, auch für eine Beduinengesellschaft zutreffen. Die Resultate dieses Projekts werden nicht nur für die Orientalistik, sondern auch für andere Gebiete wie Anthropologie, Soziologie, Soziolinguistik, Gender Studies und allgemeine Volksliteraturforschung von Interesse sein.
Dieses Projekt beschäftigt sich mit dem arabischen Dialekt und der mit diesem eng verbundenen mündlich tradierten Kultur des semi-nomadischen Stammes der Marazig, welche die Region Nefzaoua südlich des Chott el- Jerid bewohnen. Der Forschungsschwerpunkt des dreijährigen Projekts liegt auf den Gebieten Soziolinguistik (vor allem Frauensprache), oral vermittelter Poesie und Erzählungen sowie der Volksreligion. Im Gegensatz zu fast allen bisherigen Studien zu den maghrebinisch-arabischen Dialekten wird dieses Projekt nicht auf rein philologische Aspekte beschränkt bleiben, sondern eine fruchtbare Synthese von Philologie und Anthropologie zu versuchen, wobei ein aufzubauendes Korpus von Gedichten und Erzählungen die Basis für weitere sprachliche und inhaltliche Analysen darstellen wird. Dies ermöglicht dann einerseits Vergleiche mit Volkspoesie und Volkserzählungen in anderen Regionen der arabischen Welt, aber auch mit existierenden Korpora, die meist schon vor hundert Jahren und länger gesammelt wurden. Traditionelle Gedichte und Erzählungen sind nicht nur aus literaturwissenschaftlicher Sicht interessant, sondern enthalten auch zahlreiche Hinweise auf das Selbstverständnis einer Beduinengesellschaft, da sie deren Abgrenzung zu seßhaften Gesellschaften oder zum Staat ausdrücken. Außerdem sind sie oft die einzige gesellschaftlich akzeptierte Form, um Gefühle auszudrücken. So etwa nutzen heute junge Männer das Medium der Poesie, um auf ihre Probleme mit der modernen Welt und ihren neuen Anforderungen, oder auf ihre Erfahrungen mit westlichen Frauen hinzuweisen. Viele der oral tradierten Erzählungen haben einen Bezug zu den beiden Phänomenen Heiligenverehrung und Geisterglaube, durch welche der sogenannte "Volksislam" entscheidend geprägt wird. Geplant ist im Zuge dieses Projekts sowohl ein Katalog aller sakralen Plätze der Region als auch eine Sammlung von Erzählungen und Interviews, in welchen die Träger/innen dieser Traditionen selbst zu Wort kommen. Dieses Material ermöglicht eine Analyse der Motive für Wallfahrten sowie der Erfahrungen mit der Welt der Dämonen. Es wird auch untersucht werden, inwieweit die Parameter, welche für andere, insbesondere urbane oder zumindest seßhafte muslimische Gesellschaften festgestellt wurden, auch für eine Beduinengesellschaft zutreffen. Die Resultate dieses Projekts werden nicht nur für die Orientalistik, sondern auch für andere Gebiete wie Anthropologie, Soziologie, Soziolinguistik, Gender Studies und allgemeine Volksliteraturforschung von Interesse sein.
- Universität Wien - 100%
- Alexander Borg, Ben Gurion University of Negev - Israel
- Jordi Aguadé, Universidad de Cádiz - Spanien
- Àngeles Vicente, University of Zaragoza - Spanien