Verantwortete Gestaltung von Pluralität bei Nikolaus Cusanus
Nicholas of Cusa and the Challenge of Religious Plurality
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
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Nikolaus Cusanus,
Pluralität,
Religionsfriede,
Religionsphilosophie,
Interreligiöser Dialog,
Interkultureller Dialog
Im 15. Jahrhundert wurde religiöse Vielfalt als Gewaltpotential und Friedensbedrohung neu wahrgenommen - eine typisch neuzeitliche Konstellation. Möglicherweise zeigt sich bei Nikolaus von Kues ein Bewußtsein der realen, geschichtlich geformten Differenz verschiedener Kulturen. Vor diesem Fragehorizont wird sein Religionsdialog De Pace Fidei neu analysiert und interpretiert, gemäß folgenden Hypothesen: Seine berühmte Formel, zum Frieden führe eine religio una in rituum varietate, zeigt sein Ziel an, verschiedene Religionen auf dialogisch-theoretischem Weg zu einen. Das ist ein anderer Ansatz als die spätere Entwicklung formalisierter rechtlicher Verfahren und Kompetenztrennungen zur Konfliktbewältigung, noch getragen von rinascimentalem Konkordanzoptimismus. Doch ist zu fragen, ob es nicht politisch-ethische Folgerungen impliziert für einen gewaltfreien Umgang verschiedenreligiöser Akteure, für die Achtung der Religionsfreiheit des Individuums und eines grundsätzlichen Eigenwertes von Pluralität. Auch die Notwendigkeit sozialer Verbesserungen zur Stärkung der religiösen Mündigkeit wird von Nikolaus angedeutet. Den Anfang macht eine Selbstaufklärung des Christentums, damit es durch Entwicklung einer integrativen Religionsphilosophie dialogfähig wird. Dabei entwickelt Cusanus ein erkenntnistheoretisches und metaphysisches Paradigma, das Wahrheitsansprüche perspektiviert und relativiert, ohne sie zu vergleichgültigen, für irrelevant oder ganz uneinlösbar zu erklären. Das wird gedeutet als ein Modell zur kreativen Verarbeitung religiös-kultureller Pluralisierungserfahrungen am Beginn der Neuzeit. Interessant erscheint es insbesondere vor dem Hintergrund gegenwärtiger Diskussionen, die es unwahrscheinlich machen, daß rein formale Regelungen eine friedliche Koexistenz garantieren können, wenn fundamentale, religiös begründete Wertedissense auftauchen. Der inhaltliche interreligiöse und kulturverbindende Dialog kann nicht ausgeklammert werden und braucht eine hermeneutisch aufgeklärte religionsphilosophische Basis. Neu im Kontrast zum Mittelalter scheint im Anfang der Moderne und schon bei Cusanus zu sein, daß eine Gestaltbarkeit und entsprechende Gestaltungsverantwortung für die Geschichte in den Blick kommt - und zwar aus der Erfahrung des göttlichen Anspruches des absoluten Einen, dem sich alle Religionen auf traditionell verschiedene Weise nähern wollen. Von daher ergibt sich eine starke philosophisch-theologische Begründung für ver-antwortetes politisches Handeln.
- Stadt Wien - 100%
Research Output
- 14 Zitationen
- 1 Publikationen
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2020
Titel An uphill battle? The elevational distribution of alien plant species along rivers and roads in the Austrian Alps DOI 10.3897/neobiota.63.55096 Typ Journal Article Autor Vorstenbosch T Journal NeoBiota Seiten 1-24 Link Publikation