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Die Bauforschung am Mausoleum von Belevi

Building Research at the Mausoleum in Belevi

Fritz Krinzinger (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P16926
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.12.2003
  • Projektende 30.11.2005
  • Bewilligungssumme 114.816 €

Wissenschaftsdisziplinen

Bauwesen (100%)

Keywords

    Bauforschung, Rekonstruktion, Bauaufnahme

Abstract Endbericht

Das Mausoleum von Belevi ist eines der wenigen gut erhaltenen Monumente des frühen Hellenismus und wurde seit dem Beginn der Grabungen in Ephesos durch die österreichische Archäologie betreut. Die ersten Grabungen am Monument fanden in den Jahren 1930 bis 1935 statt (J. Keil, C. Praschniker, M. Theuer). In den Jahren 1960 (H. Vetters) und 1974 bis 1978 (W. Alzinger, R. Fleischer) folgten mehrere kleine Nachuntersuchungen. Obwohl die Ergebnisse dieser Arbeiten schließlich 1979 im sechsten Band der Forschungen in Ephesos publiziert wurden (C. Praschniker - M. Theuer, Das Mausoleum von Belevi, FiE VI [1979]), mußten die archäologische und bauhistorische Untersuchung des Mausoleums auch nach der Vorlage dieser Publikation als nicht abgeschlossen gelten. In den letzten Jahren hat die Gefährdung der baulichen Substanz des Mausoleums durch den Bau der neuen Autobahn Izmir-Aydin, deren Trasse sehr nahe (etwa 80m) an das Mausoleum herangelegt wurde, stark zu genommen. Es ist daher unsere Verpflichtung der Republik Türkei und der internationalen Fachwelt gegenüber, das Monument mit modernen Methoden und aktualisierten Fragenstellungen zu untersuchen und die Forschungen in einer lange ausstehenden Neuuntersuchung zu präsentieren. Ziele des Projektes sind die bau- und architekturhistorische Untersuchung des Mausoleums vor Ort, die systematische Bearbeitung und analytische Auswertung der Materialien sowie die Publikation der Ergebnisse. Die umfassende Dokumentation des immer mehr vom Zerfall bedrohten Bestandes bildet dabei die Grundlage für die theoretische Wiedergewinnung der architektonischen Gestalt des Mausoleums. Bei der Rekonstruktion des zweigeschossigen Monuments zeichnen sich gegenüber der älteren Forschung grundlegende Änderungen in der Konzeption des Bauwerkes ab: das Obergeschoß wird nun als hypäthraler Kernbau, der von einer eingedeckten Peristasis umschlossen ist, rekonstruiert. Gemeinsam mit der detaillierten Untersuchung der Bautechnik (z.B. des Kalkmörtels, der zur Hinterfüllung der Verkleidungsblöcke des Sockels dient), der Bewertung der Baukonstruktion sowie der Bauornamentik und schließlich mit der chronologischen und typologischen Einordnung des Monuments dürfen daher für die Neubearbeitung völlig neue Ergebnisse und Antworten auf die offenen Fragen und wesentliche über das Einzelmonument hinausgehende bauhistorische Impulse für die Entwicklung der hellenisitschen Architektur erwarten werden.

Das Mausoleum von Belevi ist eines der wenigen gut erhaltenen Monumente des frühen Hellenismus, welches über Jahrzehnte hinweg im Rahmen der Ephesos-Forschung durch die österreichische Archäologie betreut wurde. Die Gefährdung der baulichen Substanz des Mausoleums durch den Bau der neuen Autobahn Izmir - Aydin, deren Trasse sehr nahe an das Monument herangelegt wurde, sowie die auch nach der Publikation der älteren Forschungen (C. Praschniker - M. Theuer, Das Mausoleum von Belevi, FiE VI [1979]) nicht abgeschlossene Untersuchung des Mausoleums erforderten eine Neubearbeitung des Monumentes mit modernen Methoden und aktualisierten Fragestellungen. Das Projekt hatte den Abschluß der Feldarbeiten zur Bauforschung vor Ort, die systematische Bearbeitung und Auswertung der Materialien in Wien und die Publikationsvorbereitung zum Inhalt. Die exakte Dokumentation des immer mehr vom Zerfall bedrohten Bestandes wurde abgeschlossen. Die schwerpunktmäßige Aufnahme verstreuter Architekturblöcke wurde weitergeführt und schuf die Grundlagen zur Klärung der anstehenden Fragen der Rekonstruktion. Schwerpunkt war die theoretische Rekonstruktion des Mausoleums. Dem Sockelgeschoß konnte eine gesicherte Höhe zugewiesen werden, das raffinierte System der Fugenteilung der Wandblöcke sowie Größe und Aufbau der Scheintür an der Hauptfassade wurden geklärt. Wesentliche Erkenntnisse zur Bau- und Versatztechnik des Monumentes ermöglichten die steingerechte Rekonstruktion der erhaltenen Boden-, Wand- und Gewölbeblöcke der Grabkammer, deren Gewölbe als frühes Beispiel für die Entwicklung des griechischen Gewölbebaues von Bedeutung ist. Im Obergeschoß wurden die Abmessungen der Säulenjoche, die Wand- und Pfeilerstellungen ermittelt. Es konnte nachgewiesen werden, dass der Kernbereich nicht überdeckt war. Geklärt wurde der Aufbau des Daches über dem Säulenumgang. Die Dachflächen waren nach innen geneigt und entwässerten in einen Hof, dessen Fußboden stark geneigt angelegt war. Die Rekonstruktion der Gebälkzone des Obergeschosses ermöglichte es, das Eindeckungssystem der Dachplatten und die Ausrichtung der Reliefplatten zu bestimmen, sowie die steingerechte Anordnung der Dachskulpturen an West- und Nordseite großteils zu klären. Durch die Wiedergewinnung der ursprünglichen Gestalt des Monumentes war es möglich die Hauptproportionen dieses 100 x 100 Fuß großen Gebäudes zu bestimmen, die auf einfachen und klaren Verhältnissen basieren. Die zahlreichen Kalkmörtelreste am Monument sind mit Sicherheit bereits in die hellenistische Entstehungszeit zu datieren und zeugen von äußerst früher Anwendung eines Mauermörtels in derart umfangreichem Ausmaß wie er an vergleichbaren Gebäuden nicht nachgewiesen oder zeitlich nicht eingeordnet werden kann.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%

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