Armutsdynamik und Fertilität in Entwicklungsländern
Poverty dynamics and fertility in developing countries
Wissenschaftsdisziplinen
Soziologie (70%); Wirtschaftswissenschaften (30%)
Keywords
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Entwicklungsländer,
Armutsdynamik,
Fertilität,
'treatment effect' Modelle
Der Zusammenhang von Bevölkerungswachstum und Wohlstand zählt zu einem der meist erörterten Forschungsgebiete in der Ökonomie und Demographie. Während bisherige Studien Querschnittsdaten auf Mikro- oder Makroebene zugrunde legen, wird in der vorliegenden Studie auf aktuelle Längschnittsdaten zurückgegriffen. Anhand von aktuellen Längschnittsdaten in Indonesien, Äthiopien, Vietnam und Albanien werden wir eine Länder vergleichende Studie zur Analyse der Wechselbeziehung von Armut und demographischen Ereignissen durchführen. Ein wichtiger Beitrag unserer Studie ist die Berücksichtigung der Endogenität von demographischen und ökonomischen Ereignissen wie Fertilität, Bildung, Gesundheit und Beschäftigung in bezug auf Armutsdynamiken. Das Ziel unserer Studie ist die Implementierung aktueller und fortgeschrittener ökonometrischer Methoden wie `treatment effect` Modelle und `simultaneous hazard` Regressionen, welche die kausale Beziehung identifizieren können und dadurch Information bieten welche Maßnahmen Armut reduzieren (bzw. nicht reduzieren) können. Folgende Forschungsfragen werden betrachtet: Welche Evidenz gibt es für eine rekursive Beziehung von Armut und Fertilität? Welche Rolle spielen entscheidende Prozesse - wie Bildung, Gesundheit, und Beschäftigung - in bezug auf die Wechselbeziehung von Armut und Fertilität? Welche Rolle spielen diese Prozesse wenn wir zwischen chronischer und vorübergehender Armut unterscheiden? In welchem Ausmaß können Unterschiede in den Verhaltensmustern durch regionale Unterschiede in der Bildung, Gesundheit und anderen sozialen Programmen erklärt werden? In welchem Ausmaß sind die Ergebnisse von der Art der Messung von Armut abhängig (absolute versus relative Armutsmaße - Armutsstatus versus `depriviation` Index).
Ein primäres Ziel des "Millenium Development Goal" der Vereinigten Nationen ist die Ausrottung von Hunger und extremer Armut bis 2015. Es gibt keine alleinige Ursache für Armut, jedoch wird dem Zusammenhang von Fertilität und Armut wegen der politischen Implikationen allgemein große Aufmerksamkeit gewidmet. Die Zielsetzung des Projekts "Armutsdynamiken und Fertilität in Entwicklungsländern" ist es, unser Verständnis der kausalen Beziehung zwischen Armut und Fertilität zu vertiefen. Die Ergebnisse dieses Projekts - die auf empirischen Modellen und Analysen basieren - werden zu einem besseren Verständnis bei jenen Politiken beitragen, die dazu beitragen wollen, Armut und Bevölkerungswachstum zu reduzieren. Das Projekt stützt sich auf neue und sehr detaillierte Längsschnittdaten aus Indonesien, Äthiopien, Vietnam und Albanien. Der erste Teil des Projekts ist einer komparativen Studie der Beziehung von Armut und demographischen Entwicklungen für diese vier Länder gewidmet. Diese ersten Analysen zeigten, dass es in Kombination mit Marktreformen und verbesserten Landbesitzrechten in Indonesien, Vietnam und Albanien gelungen ist, die nötigen Grundlagen zu schaffen um Armut und Fertilität zu reduzieren. Ein ähnlicher Aufschwung für Äthiopien erfordert Zeit und Anstrengung sowie zweifellos langfristige Verpflichtungen in mehr als einem Bereich der gesellschaftlichen Entwicklungen. In einem nächsten Schritt des Projekts untersuchten wir (A) den Effekt von Fertilität auf Armut und (B) den Effekt von Armut auf Fertilität, wobei wir bei diesen Analysen den Fokus auf Indonesien legten. Um den Effekt von Fertilität auf Armut (A) zu identifizieren, wählten wir zwei unterschiedliche Ansätze. Im ersten Fall versuchten wir die Auswirkungen eines neugeborenen Kindes auf den Haushaltsverbrauch direkt zu messen. Im zweiten Fall versuchten wir den Effekt der Fertilität auf wesentliche Komponenten des Haushaltseinkommen bzw. des Einkommens des Mannes oder der Frau zu messen, indem wir die Variation der Fruchtbarkeit von Frauen ausnutzten. Die Ergebnisse zeigen, dass es kurzfristig keinen eindeutigen Beleg für den negativen Effekt der Fertilität auf das Haushaltswohl gibt. Was den Effekt der Armut auf Fertilität (B) angeht, so betrachteten wir Naturkatastrophen als einen Aspekt der Armut. Unter Verwendung von sechs unterschiedlichen Ursachen von ökonomischen Härtefällen aus Selbstbeschreibungen zeigten unsere Studien, dass indonesische Haushalte, die in wirtschaftliche Not gerieten, dafür sehr effiziente Anpassungsstrategien entwickelten. Nur im Falle von Arbeitslosigkeit fanden wir eine signifikante Reduktion der Ausgaben für Konsum und Bildung, während die Fertilität anstieg. Diese Resultate lassen vermuten, dass von Arbeitslosigkeit betroffene Haushalte die Entscheidung für Kinder als Mittel zur Konsumglättung heranziehen. Eine wichtige Schlussfolgerung aus unseren Ergebnissen ist, dass unterschiedliche Arten von Einkommensschocks zu unterschiedlichen Anpassungen im ökonomischen und demographischen Verhalten führen können und somit spezifisch gerichtete Sozialversicherungsprogramme erfordern. Zusammenfassend bieten unserer Forschungsergebnisse einige Vorschläge zum Zusammenhang von Armut und Fertilität im Zuge der ökonomischen Entwicklung. Erstens konnten wir zeigen, dass Fertilität die Intensität von Armut erhöht, wenn man auch das Ausmaß dieser Armut oft überschätzt, da Armut nicht korrekt gemessen wird und die durch die Fertilität induzierten Anpassungen des männlichen Arbeitsangebots nicht berücksichtigt werden. Zweitens konnten wir zeigen, dass Naturkatastrophen nicht nur die Fertilität beeinflussen, sondern ebenso die Ausbildung der Kinder sowie andere Formen des Konsums, und dass Haushalte unterschiedliche Anpassungsstrategien für unterschiedliche Arten solcher Katastrophen entwickeln.
- Fabrizia Mealli, University of Florence - Italien
- Arnstein Aassve, Università Bocconi - Italien
Research Output
- 22 Zitationen
- 1 Publikationen
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2009
Titel External Shocks, Household Consumption and Fertility in Indonesia DOI 10.1007/s11113-009-9157-2 Typ Journal Article Autor Kim J Journal Population Research and Policy Review Seiten 503-526