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Netzen von Fledermäusen-wie groß ist der methodische Fehler?

The bias of bat netting

Heinrich Römer (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P16868
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2003
  • Projektende 31.10.2004
  • Bewilligungssumme 25.470 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Bats, Capture Bias, Mist Nets, Community Ecology

Abstract

Fledermäuse (Chiroptera) sind die zweitgrößte und bei weiten diverseste Ordnung von Säugetieren. Ihre Vertreter nutzen eine Vielzahl an Nahrungsquellen und Strategien, um diese zu finden. In den Neotropen ist die Biodiversität der Fledermäuse überproportional groß und sie repräsentieren einen Großteil der dortigen Säugetierfauna. Ihre ökologischen Rollen als Pflanzenbestäuber, Samenverbreiter und Insektenfresser machen die Fledermäuse zu einem zentralen Bestandteil des Ökosystems. Ein umfassendes Verständnis ihrer Ökologie ist daher für die Erforschung und den Schutz der tropischen Regenwälder notwendig. Viele Fledermausstudien (Ökologie, Verhaltensbiologie, Systematik aber auch Sensorische Ökologie) setzen den Fang der Tiere voraus. Die dafür üblichste und verbreiteteste Methode der letzten Jahrzehnte ist das so genannte "Netzen" mit Japannetzen, um die fliegenden Tiere zu fangen. Obwohl die Methode weit verbreitet ist, weiß man jedoch wenig über den methodischen Fehler. Viele anekdotenhafte Bemerkungen in der Literatur weisen auf einen unterschiedlichen Fangerfolg bei verschiedenen Arten hin. Wahrscheinlich wird dieser vom Verhalten der Tiere, der Jagdstrategie, räumlichen Gedächtnis und der Echoortung beeinflusst. Umweltbedingte Faktoren wie der Standort des Netzes, unterschiedliche Helligkeitsverhältnisse infolge der Mondphasen, Niederschlag oder auch Wind spielen wahrscheinlich eine Rolle. Viele Arten werden mit großem Erfolg in Netzen gefangen, andere jedoch scheinen unterrepräsentiert zu sein. Bis heute hat unserem Wissen nach keine Studie direkt die Methodik des "Fledermaus-Netzens" untersucht, und für die Auswertung bisheriger Studien wurden oft anekdotische Informationen herangezogen. In der letzten Feldsaison war es uns möglich, ein Japannetz im Unterholz des tropischen Regenwaldes von Barro Colorado Island (Panama) mit einer Thermokamera zu beobachten. Innerhalb einer Stunde flogen 21 Fledermäuse das Netz an, wobei jedoch nur vier tatsächlich gefangen wurden. Dieses Vorexperiment zeigte deutlich die Notwendigkeit einer Studie zur Methodik, da jede zweite Fledermaus das Netz zu entdecken schien und erfolgreich auswich. Die meisten Tiere, die doch im Netz landeten, befreiten sich erfolgreich innerhalb kurzer Zeit. Das Ziel dieses Projektes ist es, diesen methodischen Fehler mithilfe neuester Technik wie Thermo- und Infrarotkameras, kombiniert mit akustischen Aufnahmen der Echoortung, standardisiert zu erforschen. Wir untersuchen die Wahrscheinlichkeit einzelner Arten in Japannetzen gefangen zu werden, unter Berücksichtigung umweltbedingter Faktoren wie Helligkeit, Standort des Netzes und Wetter. Die Ergebnisse dieses Projektes werden es ermöglichen, die Abundanz einzelner Fledermausarten innerhalb der Tiergemeinschaften viel genauer zu ermitteln, worauf das heutige Verständnis des tropischen Fledermausökosystems beruht. Durch das verbesserte Verständnis der Methode, sowie das Wissen um den methodischen Fehler, kann man einen signifikanten Einfluss auf ökologische Studien von Fledermäusen in allen von ihnen besiedelten Gebieten der Erde erwarten.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Elisabeth Kalko, Universität Ulm - Deutschland
  • Christa D. Weise, University of New Mexico - Vereinigte Staaten von Amerika

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