Elise und Helene Richter
Elise and Helene Richter
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Philosophie, Ethik, Religion (20%); Soziologie (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (40%)
Keywords
-
Romance philology,
Feminism-Women's History,
Cultural Studies,
Biography,
Science History,
Political history
Dieser Antrag stellt eine Fortsetzung des 2001 eingereichten und bewilligten FWF-Projekts P15548 dar, dessen Zielsetzung darin besteht, den Geschwistern Helene und Elise Richter aufgrund ihrer Verdienste für Wissenschaft und Gesellschaft einen Platz im kollektiven Gedächtnis unserer Zeit zu sichern. Ihr Leben und Werk sollen gemeinsam multiperspektivisch erfasst werden, um ein komplexeres und differenzierendes Bild dieser bedeutenden Forscherpersönlichkeiten, die typisch und atypisch zugleich für die Wiener Universität in bewegter Zeit und das intellektuelle Wien sind, nachzuzeichnen. Ihrem spezifischen Lebensentwurf (Lebens- und Arbeitsgemeinschaft) ist aus der Sicht der gender-studies Aufmerksamkeit zu zollen. Das ursprünglich auf fünf Jahre ausgerichtete Gesamtprojekt soll nun in drei Jahren abgeschlossen werden. Im ersten Jahr lag den Arbeitsschwerpunkt auf der Aufbereitung des Briefnachlasses in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. In den nun beantragten folgenden drei Jahren wird zunächst der Hauptakzent auf der Lektüre der Notizkalender (WSILB) und der Korrespondenz in der Nationalbibliothek liegen. (2004-2005) Die verschiedenen Facetten des Lebens und des Werks von Elise und Helene Richter sollen im Anschluss an eine zielgerichtete Aufbereitung des Quellenmaterials von einem internationalen ForscherInnenteam interdisziplinär bearbeitet und ein druckreifes Manuskript für den thematisch ausgerichteten Sammelband erstellt werden. Inhaltlich ist eine kritische Relektüre und Neubewertung des wissenschaftlichen Oeuvres (unter Berücksichtigung auch von der bisherigen Rezeption vernachlässigter Arbeiten) der beiden Schwestern intendiert. Zusätzlich werden die Ergebnisse aus dem aufbereiteten Quellenmaterial (Korrespondenz, Tagebücher) präsentiert. (2006) Die bisher vorgeschlagene offene Themenliste orientiert sich primär an der Publikationstätigkeit von Elise und Helene Richter sowie an inhaltlichen Schwerpunkten der "Summe des Lebens", die ja - wie unsere bisherigen Quellenstudien auch bestätigen - eine verdichtete Kurzfassung der Tagebücher und Korrespondenz (der Wiener Stadt- und Landesbibliothek) darstellt. Eine definitive thematische Festlegung kann aber erst nach Abschluss der Quellenarbeiten erfolgen. Das prioritäre Erkenntnisinteresse ist auf fach- und institutionsgeschichtliche Fragestellungen, auf kulturelle sowie (gesellschafts)politische Aspekte ausgerichtet. Gleichzeitig wird die Herausgabe eines "Elise und Helene Richter-Breviers" mit relevanten Textstellen aus Tagebüchern, Briefen, Dokumenten, Presseartikeln mit einem konsequenten wissenschaftlichen Apparat vorbereitet. (2006)
Vor drei Jahren traten wir an, um das Werk und das Leben von Elise und Helene Richter zu erforschen. Abgesehen von wissenschaftshistorischen Fachkreisen war Elise Richter einer breiteren Öffentlichkeit lediglich durch die Ergebnisse der Frauenforschung bekannt. Man/frau wusste zwar, dass es sich um die erste habilitierte Frau an einer österreichischen Universität handelte, über ihr weiteres Wirken waren bestenfalls nur bruchstückhafte Kenntnisse vorhanden. Auch die von Christa Wille 1997 besorgte Herausgabe der 1942 bereits geschriebenen Autobiografie von Elise Richter "Summe des Lebens" führte nur ansatzweise zu einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Altromanistin Elise Richter. Das wissenschaftliche Erbe ihrer älteren Schwester Helene fand - außer durch das Institut für Anglistik in Graz sowie das Institut für Theaterwissenschaft in Wien - kaum Beachtung. Man kann sagen, dass das Forschungsprojekt in gewisser Weise zu einer Renaissance der Schwestern Elise und Helene Richter beigetragen hat. Korrektur von Forschungsergebnissen Das Bild, das in der Rezeption von Elise und Helene Richter vorherrschte, war weitgehend diffus. Einzelne (biografische und wissenschaftliche) Aspekte wurden überbetont, andere nicht einmal berücksichtigt. So wurde die allgemeine Meinung, dass Elise Richter eine Widerstandskämpferin und eine Vorkämpferin für die Belange der Frau an der Universität war, adaptiert und korrigiert. Elise Richter war gewiss keine Theoretikerin des Feminismus, doch geht aus ihren Tagebüchern eindeutig hervor, dass sie sich sehr wohl bewusst war, dass sie durch ihr eigenes universitäres und gesellschaftspolitisches Handeln und Wirken einen wichtigen Beitrag für die Frauenemanzipation geleistet hat. Sie war keine aktive Widerstandskämpferin, doch finden sich in den Tagebüchern sehr scharfe Worte gegenüber Adolf Hitler und dem Nationalsozialismus. Elise Richter hat vielmehr die innere Emigration bevorzugt. Auch gegenüber Dollfuß hat sie sich kritisch geäußert. Als weiteres Beispiel für besagte Unschärfe in der Rezeption sei angeführt, dass: Elise Richter stets als die "Erste unter den Ersten" - als die erste Habilitierte in Österreich - erwähnt wird. Diese Aussage wäre unserer Ansicht nach durch einen konsequenten Perspektivenwechsel zu revidieren und zu korrigieren: Elise Richter war die einzige habilitierte Frau der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie. Andere Erkenntnisse erwiesen sich als neu und aufschlussreich. So ist beispielsweise. kaum bekannt, dass Elise Richter eine wichtige Funktion im Wissenschaftsbetrieb übernommen hat. Sie organisierte und koordinierte die Herausgabe von Festschriften. Allein der Umstand, dass Elise Richter maßgeblich für die Festschrift von Wilhelm Meyer-Lübke verantwortlich zeichnete, illustriert ihren Stellenwert in der damaligen "scientific community". Diese Wertschätzung fand jedoch institutionell keine Anerkennung und Würdigung in Form eines Ordinariats. Nachlassaufarbeitung Entscheidende Hinweise konnten wir bei der Nachlass- und Provenienzforschung der Österreichischen Nationalbibliothek respektive der wien.bibliothek (ehemalige Wiener Stadt- und Landesbibliothek) leisten. Beiträge zu einer diesbezüglichen Ausstellung und einem Buch wurden verfasst. In der wien.bibliothek kam es ebenso zu einer kleinen Ausstellung und einem Vortragsabend. Die Informationen, die wir den Provenienzforscher/innen zur Verfügung stellten, dienten der Expertise und Klärung der Besitzverhältnisse. Im Falle der wien.bibliothek konnten wir dokumentieren, dass der Nachlass eindeutig von Christine Rohr versteckt wurde - was das plötzliche Auftauchen der Sammlung in den Beständen erklären würde. Auch im Falle der ÖNB unterstützten wir die Provenienzforschung mit Hinweisen. Ferner konnten wichtige Informationen zur Katalogisierung gegeben werden. (Zuordnung von Personen, Briefen etc.) Verbreitung Ein Weblog wurde eingerichtet und auch auf elektronischem Wege Verknüpfungen erstellt. Dieser Weblog dient der Darstellung des Projektes und liefert kostenlos Informationen über Elise und Helene Richter. Etliche Textproben, Rezensionen u.v.m. sind unter richter.twoday.net einzulesen. Zusammenarbeit Eine enge Zusammenarbeit mit Institutionen wie der ÖNB, der wien.bibliothek aber auch dem Internet-Projekt Frauen in der Romanistik ist zu verzeichnen.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 13 Zitationen
- 1 Publikationen
-
2018
Titel Molecular phylogeny of the Palaearctic butterfly genus Pseudophilotes (Lepidoptera: Lycaenidae) with focus on the Sardinian endemic P. barbagiae DOI 10.1186/s40850-018-0032-7 Typ Journal Article Autor Todisco V Journal BMC Zoology Seiten 4 Link Publikation