Evolution sexualtäuschender Orchideen
Evolution of orchids (Ophrys) with a pseudocopulatory pollination mechanism
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Ophrys,
Pollinator change,
Orchidaceae,
Evolution,
Nuclear markers
Blüten der europäischen und mediterranen Orchideengattung Ophrys (Ragwurz) locken auf Weibchensuche befindliche Männchen von Bienen an, indem sie wichtige paarungsauslösende Signale (Sexuallockstoff, Farbsignale) imitieren. Diese Männchen verwechseln die Blüte mit ihren Weibchen und versuchen sich mit diesen zu paaren. Während dieser sogenannten Pseudokopulation entnehmen die Männchen den Blütenpollen oder transferieren bereits mitgebrachten Pollen auf die Blütennarbe, wodurch es zu Bestäubungen kommt. Da Sexuallockstoffe bereits bei den Bienenarten artspezifisch sind, ist deren Imitation durch die Blüten ebenfalls spezifisch. Dies führt dazu, dass jede Ophrys-Art nur einen einzigen, hochspezifisch wirksamen Bestäuber hat. Die Entstehung neuer Orchideenarten sollte daher primär mit einem Bestäuberwechsel und damit über die Änderung des Duftbouquets erfolgen. Dies könnte auch dann geschehen, wenn solche Populationen geografisch in Kontakt geblieben sind (sympatrische Artbildung). Dieses Projekt versucht, mit molekularen Markern (Kern-DNA Marker) solche Bestäuberwechsel aufzudecken. Der Einfluss von Bestäubern auf den Genfluss zwischen Pflanzenpopulationen und damit letztlich auch auf Artbildungsprozesse wird mit molekularen populationsgenetischen Methoden geprüft werden. Wir werden verschiedene Fälle vergleichen, bei denen man aufgrund gut differenzierter Blütenmorphologie verschiedene Arten annimmt. Von der Bestäuberseite können hier drei Fälle unterschieden werden: (1) zwei nah verwandte Arten haben verschiedene Bestäuber; (2) nah verwandte Arten haben identische Bestäuber, sind aber anders (z.B. geografisch) getrennt; (3) sie haben identische Bestäuber, weil sie diese in der Evolution konvergent, also unabhängig, erworben haben. Dies kann nur entschieden werden, wenn man die genauen verwandtschaftlichen Verhältnisse dieser Arten kennt. Die Identifizierung von Bestäuberwechseln und eine vergleichende Duftstoffanalyse der involvierten Arten werden es uns erlauben, eine Hypothese über mögliche molekulare Mechanismen der Artbildung zu formulieren.
Blüten der europäischen und mediterranen Orchideengattung Ophrys (Ragwurz) locken auf Weibchensuche befindliche Männchen von Bienen an, indem sie wichtige paarungsauslösende Signale (Sexuallockstoff, Farbsignale) imitieren. Diese Männchen verwechseln die Blüte mit ihren Weibchen und versuchen sich mit diesen zu paaren. Während dieser sogenannten Pseudokopulation entnehmen die Männchen den Blütenpollen oder transferieren bereits mitgebrachten Pollen auf die Blütennarbe, wodurch es zu Bestäubungen kommt. Da Sexuallockstoffe bereits bei den Bienenarten artspezifisch sind, ist deren Imitation durch die Blüten ebenfalls spezifisch. Dies führt dazu, dass jede Ophrys-Art nur einen einzigen, hochspezifisch wirksamen Bestäuber hat. Die Entstehung neuer Orchideenarten sollte daher primär mit einem Bestäuberwechsel und damit über die Änderung des Duftbouquets erfolgen. Dies könnte auch dann geschehen, wenn solche Populationen geografisch in Kontakt geblieben sind (sympatrische Artbildung). Dieses Projekt versucht, mit molekularen Markern (Kern-DNA Marker) solche Bestäuberwechsel aufzudecken. Der Einfluss von Bestäubern auf den Genfluss zwischen Pflanzenpopulationen und damit letztlich auch auf Artbildungsprozesse wird mit molekularen populationsgenetischen Methoden geprüft werden. Wir werden verschiedene Fälle vergleichen, bei denen man aufgrund gut differenzierter Blütenmorphologie verschiedene Arten annimmt. Von der Bestäuberseite können hier drei Fälle unterschieden werden: 1. zwei nah verwandte Arten haben verschiedene Bestäuber; 2. nah verwandte Arten haben identische Bestäuber, sind aber anders (z.B. geografisch) getrennt; 3. sie haben identische Bestäuber, weil sie diese in der Evolution konvergent, also unabhängig, erworben haben. Dies kann nur entschieden werden, wenn man die genauen verwandtschaftlichen Verhältnisse dieser Arten kennt. Die Identifizierung von Bestäuberwechseln und eine vergleichende Duftstoffanalyse der involvierten Arten werden es uns erlauben, eine Hypothese über mögliche molekulare Mechanismen der Artbildung zu formulieren.
- Universität Wien - 100%
- Manfred Ayasse, Universität Ulm - Deutschland
- Elena Kramer, Harvard University - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 360 Zitationen
- 6 Publikationen
-
2011
Titel Evidence for progenitor–derivative speciation in sexually deceptive orchids DOI 10.1093/aob/mcr239 Typ Journal Article Autor Schlüter P Journal Annals of Botany Seiten 895-906 Link Publikation -
2011
Titel Chemical ecology and pollinator-driven speciation in sexually deceptive orchids DOI 10.1016/j.phytochem.2011.03.023 Typ Journal Article Autor Ayasse M Journal Phytochemistry Seiten 1667-1677 -
2009
Titel Speciation in sexually deceptive orchids: pollinator-driven selection maintains discrete odour phenotypes in hybridizing species DOI 10.1111/j.1095-8312.2009.01279.x Typ Journal Article Autor Stökl J Journal Biological Journal of the Linnean Society Seiten 439-351 -
2009
Titel Genetic patterns and pollination in Ophrys iricolor and O. mesaritica (Orchidaceae): sympatric evolution by pollinator shift DOI 10.1111/j.1095-8339.2009.00957.x Typ Journal Article Autor Schlüter P Journal Botanical Journal of the Linnean Society Seiten 583-598 -
2008
Titel Scent variation and hybridization cause the displacement of a sexually deceptive orchid species DOI 10.3732/ajb.95.4.472 Typ Journal Article Autor Stökl J Journal American Journal of Botany Seiten 472-481 Link Publikation -
2019
Titel Speciation, pattern recognition and the maximization of pollination: general questions and answers given by the reproductive biology of the orchid genus Ophrys DOI 10.1007/s00359-019-01350-4 Typ Journal Article Autor Paulus H Journal Journal of Comparative Physiology A Seiten 285-300 Link Publikation