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Der Brandopferplatz von Ulten/St. Walburg (Südtirol)

The Pyre of Ulten/St. Walburg (South Tyrol)

Walter Leitner (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P16714
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2003
  • Projektende 31.12.2006
  • Bewilligungssumme 237.273 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (5%); Andere Naturwissenschaften (20%); Biologie (15%); Geschichte, Archäologie (60%)

Keywords

    Pyre Middel Europe, Sacrifice Of Food, St. Walburg / Ulten, Immolation Of Animals

Abstract Endbericht

Das Amt für Bodendenkmäler, Bozen untersuchte in den Jahren 1988-2002 in St. Walburg in Ulten, einem Seitental südlich von Meran (Provinz Bozen/Südtirol) einen Brandopferplatz der jüngeren Eisenzeit vollständig (5.- 2. Jh. v. Chr.). Insbesondere die Struktur ragt unter den zeitgleichen Opferplätzen hervor. Erstmals wurden zeilenförmig angelegte, gemauerte Altäre, eine Serie von Verbrennungsstellen sowie ein zugehöriges Gebäude freigelegt. Dies findet direkte Vorbilder im etruskischen Kulturraum. Im Rahmen des Kultes wurden Gegenstände aus Bronze und Eisen geopfert. Außerdem spielten Keramikgefäße eine Rolle, die sich stets in zerschlagnem Zustand fanden. Einen wesentlichen Bestandteil im Ritus bildete das Tieropfer. Dabei übereignete man den Gottheiten Schädel- und Fußteile von Haustieren und verbrannte sie auf den Altären. Daneben konnten erste Analysen das Opfer von Getreide und Speisen belegen. Der Brandopferplatz steht in seiner Struktur im alpinen und voralpinen Raum vorerst vereinzelt da. Aufgrund der ausgezeichneten Erhaltung bildet er einen wesentlichen Befund für die Erforschung der Brandopferplätze im mitteleuropäischen Raum. Wegen seiner mediterranen Ausrichtung kommt ihm eine Schlüsselfunktion in der Vermittlung südlicher Einflüsse auf die alpinen Heiligtümer zu. Außerdem zeichnen sich neue Details zum Charakter des Heiligtums sowie zum Ablauf des Kultes ab. Der bislang nur in Vorberichten vorgestellte Befund erfordert eine vollständige wissenschaftliche Auswertung unter Einbindung sämtlicher Opferplätze des Alpenraumes. Daneben bietet der Opferplatz ideale Voraussetzungen für ein botanisches Begleitprojekt, das den Großrestanalysen und den Holzbestimmungen sowie Tierknochenuntersuchungen gewidmet ist. Das Forschungsprojekt setzt sich zum Ziel, die Entwicklung der Heiligtümer ab der Bronze- und Urnenfelderzeit aufzuzeigen und dies vor dem Hintergrund weitreichender Veränderungen in der jüngeren Eisenzeit. Die Grabung am Brandopferplatz von Ulten/St. Walburg zeigte außerdem, dass in den darunter liegenden Schichten die Reste einer spätbronze- bis eisenzeitlichen Siedlung liegen (13. bis 6. Jh. v. Chr.). Diese einmalige Ortskontinuität in einem alpinen Seitental soll durch die Gewinnung eines Pollenprofils in unmittelbarer Umgebung abgesichert werden. Nachdem die in Zeilen angeordneten Gebäude durch einen Brand zerstört worden waren, entschloss man sich, das Siedlungsareal in ein Heiligtum umzuwandeln.

Der Begriff Brandopferplatz nimmt in den vor- und frühgeschichtlichen Kulturen einen bedeutenden Stellenwert ein. An solchen Orten wurden kultisch-religiöse Handlungen praktiziert, die in der rituellen Verbrennung von diversen Opfergaben in Form von Tieren, Pflanzen aber auch Sachopfern gipfelte. Das Phänomen der Opferhandlung prägt schon seit eh und je die Kulturgeschichte der Menschen. Angst vor Naturgewalten ließ den Glauben an höhere Mächte bzw. Gottheiten wachsen, die scheinbar ihr Schicksal bestimmten. Mit der Etablierung einer wirtschaftlich hoch strukturierten Gesellschaft in der Jungsteinzeit verstärkten Einflüsse höherer Gewalt, wie z.B. Missernten und Tierseuchen, den Drang die Götterwelt vermehrt positiv zu beeinflussen. Damit festigten sich Opfertraditionen, deren Jahrtausende andauernde Kontinuität im Untersuchungsraum Alpen für die archäologische Forschung von großer Bedeutung wurden. Diese Kultplätze, die ob ihres rudimentären Erscheinungsbildes und der willkürlich interpretierbaren Situation für die wissenschaftliche Untersuchung lange Zeit hindurch ein heikles Thema darstellten und zu äußerst kontroversen Diskussionen führten, sind dank aktueller Forschungsergebnisse heute weitgehend enträtselt. Die im Rahmen dieses FWF-Projektes geleistete Arbeit trägt nicht unwesentlich dazu bei. Brandopferplätze entwickelten sich zu religiösen und gleichzeitig wohl auch politischen Zentren der damaligen Gesellschaft. In ihrer Architektur sehr komplex, sind diese Anlagen häufig in Verbindung mit topographisch wichtigen Siedlungszentren aber auch an besonders exponierten Stellen vorzufinden. Auf Grund des guten Erhaltungszustandes eines ganzen Altarpodiums mit mehreren, reihenförmig angeordneten Opferflächen samt verbrannten Resten, gilt der eisenzeitliche Brandopferplatz St.Walburg in Ulten durchaus als repräsentative Schlüsselstelle im Vergleich. Die paläozoologischen Untersuchungen wiesen Schaf und Ziege als die häufigsten Opfertiere aus, während das Rind eine untergeordnete Rolle spielte. Die Auswahl der geopferten Körperteile fiel auf Schädel- und Extremitätenteile in organischem Verband. Das Spektrum floristischer Opfergaben reicht hingegen von Getreide zu Hülsenfrüchten und Ölsaaten. Von geringerer Bedeutung waren Schalenfrüchte und wilde Obstsorten. Der agrarische Charakter dieses Brandopferplatzes wird damit hervorgehoben. Die Tatsache, dass für die Feuerung nicht extra frisches Holz in größeren Mengen geschlagen wurde, sondern aus Sammelbeständen kam, weist auf umweltbewusste Maßnahmen hin. Konkrete Bestrebungen sind im Gange, diese einmalige inneralpine Kultstätte am Fundort zu erhalten und eine museale Einrichtung zum Thema Brandopferplätze zu konzipieren.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Amei Lang, Ludwig-Maximilians-Universität München - Deutschland

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