Die Österreichische Nationalbibliothek 1938-1945
The Austrian National Library 1938-1945
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (20%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (60%)
Keywords
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Bibliotheksgeschichte,
Nationalsozialismus,
Restitution nach 1945,
Bücherraub
Spätestens seit der Errichtung der Historikerkommission durch die österreichische Bundesregierung bzw. seit dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes Nr. 181/1998 über die Rückgabe von Kunstgegenständen aus den österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen steht das Schicksal vornehmlich jüdischen Eigentums und Vermögens in der NS- Zeit und dessen allfällige Restitution sowie auch die Überprüfung der Erwerbungen und Zugänge der Bundesmuseen, Bibliotheken und Sammlungen in den Jahren 1938-1945 sowie die Restitutionsvorgänge nach dem Zweiten Weltkrieg im Mittelpunkt der Diskussion - sowohl auf institutioneller als auch auf wissenschaftlicher Ebene. Obwohl eine wichtige kulturelle Institution wie die Österreichische Nationalbibliothek am Gesetz beteiligt ist und Berichte über die Provenienzforschung an das zuständige Ministerium abgibt, sind bisher keine Ergebnisse veröffentlicht worden und es fehlt bislang eine Darstellung der Geschichte der ÖNB in diesem Zeitraum, die über die offiziöse Geschichte von Ernst Trenkler aus den 70er Jahren hinausgeht, an Ergebnissen der laufenden internen Nachforschungen anknüpft und Fragen beantwortet, die in den letzten Jahren an die Nationalbibliothek gestellt worden sind. Unabdingbar für den Erfolg des Projekts ist der uneingeschränkte Zugang zu allem relevanten Archivmaterial in der Bibliothek. Anhand von einschlägigen hauseigenen Verwaltungsakten, die erstmals ausgewertet werden, sowie von Archivmaterial in anderen Institutionen wie das Österreichische Staatsarchiv und das Wiener Stadt- und Landesarchiv, das bei früheren Darstellungen nicht zur Verfügung stand, soll eine Geschichte recherchiert und verfasst werden, die sich nicht (ausschließlich) an ein Fachpublikum richtet. Mit den Worten der Generaldirektorin der ÖNB geht es darum, "ein objektives und umfassendes Bild dieses unerfreulichen Kapitels in der Geschichte der ÖNB [zu] erarbeiten und der Öffentlichkeit [zu] präsentieren". Den Schwerpunkt des Projekts bilden die Druckschriften- und Handschriftensammlungen. Es wären u.a. folgende Problemstellungen zu nennen: Welche Funktion hatte die ÖNB in der Bibliothekslandschaft der damaligen Zeit bzw. im Rahmen der NS- Bücherverwertung nach dem März 1938? Welche Rolle spielte der unmittelbar nach dem Anschluss im März 1938 eingesetzte kommissarische Leiter der ÖNB, Dr. Paul Heigl? Inwiefern und in welchen Fällen war er aktiv an dieser "Erwerbungspolitik" bzw. an den Übernahmen privater Bibliotheken beteiligt? (passive vs. aktive Rolle?) Was wurde von der ÖNB übernommen? (Auflistung und exemplarische Beschreibung der Fälle.) Das Schicksal der übernommenen Bestände nach 1945. Was wurde von der ÖNB aus unternommen, um die Besitzer ausfindig zu machen, wie wurde mit Anträgen umgegangen? Was geschah etwa mit Bibliotheken von Arthur Schnitzler; Herbert Reichner, Gottfried Bermann Fischer oder Rothschild?