Pompeii - Regio VII - Insula 2 - pars occidentalis
Pompeii - Regio VII - Insula 2 - pars occidentalis
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Klassische Archäologie,
Pompeji,
Urbanistik,
Bauforschung,
Römische Republik,
Römische Kaiserzeit
Das Projekt "Pompeii - Regio VII Insula 2 - pars occidentalis" des Instituts für Klassische und Provinzialrömische Archäologie der Universität Innsbruck, beabsichtigt diesen zentral gelegenen Teil Pompejis, der an der Kreuzung Via degli Augustali und Vico Storto liegt, einer archäologischen Gesamtuntersuchung zu unterziehen. Der ausgewiesene Bereich setzt sich aus der Casa di N. Popidius Priscus (VII, 2, 20.40), einer Bäckerei (VII, 2, 22), der Casa dell`Amore punito (VII, 2, 23), der Casa delle Quadrighe (VII, 2, 25), der Casa di Mercurio (VII, 2, 35), einem kleinen Wohnhaus ohne Namen (VII, 2, 38) und mehreren Geschäftslokalen (VII, 2, 24, 27-29, 32, 33, 37, 39) zusammen. Diese Bauten erscheinen zwar des öfteren in Publikationen, wurden aber bis jetzt noch nie zusammenfassend und detailliert erfaßt. Das Forschungsvorhaben erstreckt sich über die Jahre 2003 - 2006 und der Förderungsantrag bezieht sich auf die Sichtung und Aufnahme des Archivmaterials, eine genaue Beschreibung, Vermessung und Analyse der erhaltenen architektonischen und dekorativen Bestandteile unter besonderer Berücksichtigung ihres Erhaltungszustandes, weiters auf geophysikalische Prospektionen, archäologische Sondagen und die Bearbeitung des Fundmaterials. Ein zentrales Anliegen des Forschungsprojektes ist die Erfassung der Baugeschichte der einzelnen Gebäude, weshalb neben einer detaillierten Bauaufnahme auch archäologische Sondagen durchgeführt werden, um Fragen zur chronologischen Abfolge von Um- und Zubauten genauer klären zu können. Eine absolute Neuheit in dieser Zone Pompejis stellen Untersuchungen zu Vorgängerbauten dar, die durch geophysikalische Prospektionen und archäologische Sondagen erfaßt werden sollen. Dabei sind wichtige Ergebnisse in Bezug auf Urbanistik und Materialkultur des "republikanischen" Pompeji zu erwarten, von dem wir bis jetzt im Vergleich zum "kaiserzeitlichen" relativ wenig wissen. In der Insula 2 - Regio VII - pars occidentalis von Pompeji liegt auch die Vermutung und Hoffnung nahe, in den archaischen Schichten auf Reste der Ummauerung der "Altstadt" aus dem 6. Jh. v.Chr. zu stoßen und so ein besseres Verständnis der Maueranlage und klare Befunde zu ihrer Datierung zu gewinnen. Ein besonderes Augenmerk wird auch auf die dekorative Ausstattung der einzelnen Gebäude gelegt, wobei insbesondere die erhaltenen Dekorationssysteme der Wände aufgenommen und untersucht werden sollen. Das Projekt will mit dem Ziel einer Publikation einen wichtigen innovativen Beitrag auf der Basis interdisziplinärer Forschungsmethoden zur Kenntnis des antiken Pompeji leisten und fügt sich damit in eine Reihe von internationalen Forschungsprojekten ein, die sich auf Initiative der Soprintendenza Archeologica di Pompei um die Erhaltung und wissenschaftliche Erfassung des einmaligen Kulturgutes "Pompeji" bemühen.
Im Rahmen des Projektes Pompeji Regio VII, Insula 2, pars occidentalis wurde der westliche Teil der nahe am Handelsforum gelegenen Insula VII, 2 in seiner Baugeschichte erforscht. Untersucht und in ihrer Baugeschichte geklärt wurden folgende Häuser und Hausteile: Die Bäckerei VII, 2, 22; Das Haus des bestraften Amor VII, 2, 23; Das Haus der Quadrigen VII, 2. 25; Das Thermopolium VII, 2, 32-33; Das Haus des Merkur VII, 2, 35; Das Haus VII, 2, 38; Die Taberne VII, 2, 40; Das Haus des Numerius Popidius Priscus VII, 2, 20. 1.) Im untersuchten Gebiet gibt es keine Bauten, die älter als das 4. Jh. v. Chr. wären. Die regio VII zeichnet sich damit mit der gleichen Baugeschichte, wie die regio VI aus, beide wurden im 4. und 3. Jh. v. Chr. auf bisher unbebautem Gelände errichtet. 2.) Die großen Kalkblöcke (130:40:70 cm) unter dem westlichen Teil der Casa di Mercurio konnten aus Gründen der Denkmalpflege nicht ausreichend verfolgt werden, dürften aber mit großer Wahrscheinlichkeit zur jüngeren inneren Stadtmauer von Pompeji gehören (4. Jh. v. Chr.), die zum Schutz vor den Samniten errichtet wurde. 3.) Der seit dem 2. Jh. wachsende römische Einfluss gibt der Stadt bald den bis zum Untergang gültigen Ausbau, der großteils nur mehr durch Renovierungen, Um- und Ausbauten, bes. nach dem großen Erdbeben von 62 n. Chr. verändert wurde. 4.) Reste figürlich gestalteter Wandmalerei des 1. Stils (Victoria als Lenkerin einer biga, monochrome Bordürenmalerei) wurde in der Casa di Mercurio festgestellt. 5.) Die Bäckerei VII, 2, 22 in der Casa di Popidio wurde entgegen allen bisherigen Annahmen nur kurz benutzt und bestand etwa zwischen 60 n. Chr. und 79 n. Chr. 6.) Nach dem großen Erdbeben 62 n. wurden in erster Linie die Fassaden wiederhergestellt, während die Innenräume auch beim Vesuvausbruch weithingehend noch Baustellen waren. Die für die Aufmauerung notwendige Pozzolanerde wurde vielfach auf dem eigenen Hausgrund in großen Gruben ausgehoben, die später dann mit Schutt und Abraum wieder verfüllt wurden. 7.) Nach dem Erdbeben konnte auch der Ausbau von Obergeschoßen festgestellt werden. 8.) Die Geschäfts- und Wirtschaftsräume haben in der Wiederherstellung absoluten Vorrang vor den privaten Wohnräumen.
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