Individuelle vs. Gruppenentscheidungen in der Ökonomik
Individual vs. group decision making in economics
Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (10%); Wirtschaftswissenschaften (90%)
Keywords
-
Economics,
Group Decisions,
Individual Decisions,
Experimental Economics,
Game Theory,
Bargaining
In der Okonomie werden üblicherweise Individuen als Entscheidungsträger` angenommen. In vielen realen Situationen sind aber Gruppen die Entscheidungsträger, wie etwa Vorstandsgremien, Richterkollegien oder Familien. Haushalte und Unternehmen etwa, die bedeutendsten Entscheidungsträger in ökomischen Lehrbüchern, sind typischweise keine Individuen, sondern Gruppen von Personen, die ein gemeinsames Interesse haben. Die traditionelle ökonomische Theorie thematisiert den Einfluss des EntscheidungsträgertypsIndividuum oder Gruppe-auf tatsächliche Entscheidungen bisher unbefriedigend. Zwar beschäftigt sich die Neue Politische Ökonomie mit Gruppenentscheidungen, allerdings hauptsächlich unter dem Blickwinkel, wie individuelle Präferenzen in Abhängigkeit von den geltenden Regeln zu Gruppenentscheidungen aggregiert werden. Die Neue Politische Ökonomie vernachlässigt aber die Frage, ob sich Gruppenentscheidungen systematisch von den Entscheidungen einzelner Individuen unterscheiden. Des Weiteren wird nicht berücksichtigt, dass sich Individuen in ihrem Verhalten unterscheiden, abhängig davon, ob sie als Einzelpersonen entscheiden oder als Mitglieder einer Gruppe. Das Forschungsprojekt soll den Einfluss des Entscheidungsträgertyps auf ökonomische Entscheidungen durch ökonomische Experimente untersuchen. Die zentralen Forschungsfragen sind folgende: (1) Wie werden in Gruppen Entscheidungen getroffen? Das heißt, wie kommen Individuen mit unterschiedlichen Präferenzen zu einer Gruppenentscheidung? (2) Wie unterscheiden sich Gruppenentscheidungen von individuellen Entscheidungen? Insgesamt soll durch das Projekt empirische (experimentelle) Evidenz über die Bedeutung des Entscheidungsträgertyps gewonnen werden. Im Detail analysieren wir das Verhandlungsverhalten von Gruppen bzw. Individuen. Dazu führen wir Experimente mit den folgenden drei ZweiParteien Verhandlungsspielen durch: Diktator-Spiel, Ultimatum-Spiel, Vertrauens-Spiel. Wir wählen ein experimentelles Design mit abhängigen Stichproben, indem wir ExperimentTeilnehmer zuerst als Individuen und dann als Mitglied einer Gruppe Entscheidungen treffen lassen. Wir verwenden die "Social decision scheme theory" von Davis (1973), um zwischen verschiedenen Gruppenentscheidungsregeln diskriminieren zu können.
Dieses Projekt hat das Verhalten von Teams und Individuen in ökonomischen Entscheidungssituationen mit Methoden der experimentellen Ökonomik erforscht. Die wesentlichen Ergebnisse der Analyse sind: 1) Entscheidungen von Teams sind näher an den Prognosen der Spieltheorie (unter Annahme von Standard- Präferenzen) als Entscheidungen von einzelnen Personen, 2) Teams scheinen stärker durch die eigene Auszahlung motiviert zu sein als einzelne Entscheidungsträger, ihr Verhalten ist daher auch egoistischer als das von Individuen, und 3) Teams können Fehler in individuellen Entscheidungen eliminieren und sich schneller an neue Gegebenheiten und Entscheidungssituationen anpassen. Diese Ergebnisse sind auf viele Varianten strategischer Interaktion, von einfachen Lotterien und Investitionsentscheidungen bis hin zu Auktionen und Verhandlungen anwendbar. Der wichtigste Beitrag des Forschungsprojektes ist, gezeigt zu haben, dass die oben genannten Unterschiede in den Entscheidungen von Teams und Individuen in einer großen Bandbreite von Spielen und auch bei verschiedenen Entscheidungsprozessen in Teams (z.B. Diskussion über Chat, persönliche Diskussion oder Abstimmungsmechanismen) beobachtbar sind. Worauf sind nun die Unterschiede im Verhalten von Teams und Individuen zurückzuführen? Unsere Ergebnisse zeigen zwei Hauptgründe auf: 1) Die Möglichkeit, verschiedene Ansätze und Herangehensweisen im Team zu diskutieren und zu argumentieren, und 2) die Verantwortung gegenüber den anderen Teammitgliedern bei gemeinsamen Entscheidungen.
- Universität Innsbruck - 100%
Research Output
- 596 Zitationen
- 6 Publikationen
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2012
Titel Trust and reciprocity among international groups: Experimental evidence from Austria and Japan DOI 10.1016/j.socec.2011.08.028 Typ Journal Article Autor Akai K Journal The Journal of Socio-Economics Seiten 266-276 Link Publikation -
2011
Titel Do you not like Pigou, or do you not understand him? Tax aversion and revenue recycling in the lab DOI 10.1016/j.jeem.2010.10.006 Typ Journal Article Autor Kallbekken S Journal Journal of Environmental Economics and Management Seiten 53-64 Link Publikation -
2009
Titel Searching for a better deal – On the influence of group decision making, time pressure and gender on search behavior DOI 10.1016/j.joep.2008.10.003 Typ Journal Article Autor Ibanez M Journal Journal of Economic Psychology Seiten 1-10 -
2007
Titel Outcomes versus intentions: On the nature of fair behavior and its development with age DOI 10.1016/j.joep.2006.09.001 Typ Journal Article Autor Sutter M Journal Journal of Economic Psychology Seiten 69-78 Link Publikation -
2007
Titel Trust between individuals and groups: Groups are less trusting than individuals but just as trustworthy DOI 10.1016/j.joep.2006.12.003 Typ Journal Article Autor Kugler T Journal Journal of Economic Psychology Seiten 646-657 -
2010
Titel To lead or not to lead Endogenous sequencing in public goods games DOI 10.1016/j.econlet.2010.04.025 Typ Journal Article Autor Haigner S Journal Economics Letters Seiten 93-95