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Zell-Modelle für die Untersuchung von Ca2+ Kanalmutanten

Cellular methods for studying Ca2+ channel mutations

Bernhard E. Flucher (ORCID: 0000-0002-5255-4705)
  • Grant-DOI 10.55776/P16532
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2003
  • Projektende 28.02.2007
  • Bewilligungssumme 334.002 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (20%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (80%)

Keywords

    Skeletal Muscle, Calcium Channel, Dihydropyridine Receptor, Ryanodine Receptor, Malignant Hyperthermia, Cell Culture

Abstract Endbericht

In früheren Studien wurde von uns ein Zellkultursystem entwickelt, das Struktur-Funktions-Untersuchungen von genetisch veränderten Kalziumkanälen in ihrer natürlichen zellulären Umgebung ermöglichte. Dieses System erwies sich bei der Aufklärung der Rolle von Kalziumkanälen in der Steuerung der Muskelkontraktion als außerordentlich wertvoll. Im vorliegenden Projekt planen wir die Entwicklung weiterer und verbesserter Zellkultursysteme, mit denen wir diese erfolgreiche Forschungsstrategie auf andere Kalziumkanäle, auf Nervenzellen, und auf Untersuchungen von genetischen Erkrankungen ausweiten können. U.a. erwarten wir uns von diesen neuen "homologen Expressionssystemen" einen wichtigen Beitrag zu unseren Untersuchungen an der Erregungs-Kontraktions-Kopplung, bei gleichzeitiger Reduktion der dafür notwendigen Versuchstiere. Unser bewährter experimenteller Ansatz basiert darauf, Zelllinien von Mausmutanten zu erzeugen, denen ein natürlicher Kalziumkanal fehlt und diesen durch rekombinante Kanäle zu ersetzen. Neu ist, dass die Zelllinien durch Kreuzung zweier Mausmutanten (Kalziumkanal-Mutante und ImmortoMouse) hergestellt werden. Die so gewonnenen Zelllinien vereinen die Eigenschaften beider Mäuse und können somit stabil transfiziert und über viele Generationen unverändert vermehrt und untersucht werden. Exprimiert man in diesen Zellen den fehlenden Wildtyp-Kanal, wird so die normale Funktion wieder hergestellt. Exprimiert man stattdessen einen genetisch veränderten Kanal, können die Auswirkungen der Mutation auf die Entwicklung und Funktion der Zellen mit einer breiten Palette von Methoden untersucht werden. Dies gibt uns wichtige Informationen über die Eigenschaften der Kalziumkanäle, über den Mechanismus der Erregungs-Kontraktions-Kopplung, und über die Pathophysiologie von Muskelerkrankungen. Um das volle Potential dieser Kulturen als zelluläre Krankheitsmodelle zu erfassen, sollen zwei Zelllinien mit Kanalmutationen, die beim Menschen zur malignen Hyperthermie führen, erzeugt und in verschiedenen Labors analysiert werden. Weiters soll diese erfolgreiche Forschungsstrategie nun auch in Untersuchungen von Physiologie und Pathophysiologie der Kalziumkanäle in Nervenzellen Anwendung finden.

Ziel dieses Projektes war es, Zellmodelle zur Untersuchung von normalen und mutierten Kalziumkanälen in der natürlichen Umgebung von Muskelzellen zu entwickeln. Zu diesem Zweck wurden Mausmutanten, denen Kalziumkanäle fehlen, mit der transgenen Immortomaus gepaart, und Muskelzellen gewonnen, welche die Eigenschaften beider Tiermodelle vereinten. Dazu musste zuerst die Position des Immorto-Transgens im Genom der Immortomaus lokalisiert werden und ein PCR Test zur Genotypisierung entwickelt werden (Kern & Flucher, 2005). Insgesamt wurden so mehrere Zelllinien von CaV1.1 und RyR1 Kalziumkanal Null-Mutanten erzeugt, und untersucht, inwieweit heterologe Expression eines gesunden Kanal-Gens die normale Muskelfunktion in diesen Zellen wieder herstellt. Detaillierte Untersuchungen solcher stabil transfizierter Muskelzelllinien zeigten eine unerwartete Klon-zu-Klon Variabilität diverser Zelleigenschaften, die eine zweckmäßige Analyse von Mutationseffekten ausschließt. Andererseits zeigte sich die transiente Transfektion der immortalisierten Zelllinien für solche Studien geeignet (Kugler et al., 2004a, 2004b; Weiss et al., 2004; Takekre et al., 2004; Schuhmeier et al., 2005). Als Alternative zu Untersuchungen von genetisch veränderten Kalziumkanälen in den rekonstituierten Muskelzelllinien testeten wir die Eignung von siRNA Gen-Silencing in Muskelzellen. Diese neue Methode erwies sich besonders wertvoll in der Untersuchung essenzieller Proteine, für welche keine Knock-Out Mausmodelle zur Verfügung stehen. Die siRNA Technik wurde somit erstmalig in unserer Untersuchung der Funktion der Kalziumkanal a 2 d-1 Untereinheit an Muskelzellen eingesetzt (Obermair et al., 2004, 2005; Tuluc et al., 2007). Expression der Herz-Variante des Kalziumkanals in unseren Skelettmuskel Zelllinien erzeugte eine Erregungs- Kontraktions-Kopplung mit cardialen Eigenschaften. Die Komputersumulation der auf diese Weise experimentell erhobenen Daten in einem virtuellen Modell für Herzzellen, zeigte, dass die verminderte Funktion der a 2 d-1 Kanaluntereinheit zu einer Verlängerung des Aktionspotentials führt wie sie bei Herzrhythmusstörungen beobachtbar ist. Die Kombination unserer einzigartigen Muskelzellsysteme mit rekombinanten Expression und siRNA Techniken und Computersimulation stellt eine neuartige und wirkungsvolle Strategie zur Erforschung der Auswirkungen von genetischen Veränderungen in Kalziumkanälen auf die Funktion von Skelett- und Herzmuskel dar. Somit führen die neu entwickelten Zellmodelle und experimentellen Strategien nicht nur zu einem verbesserten Verständnis der Kalziumkanalfunktion im Muskel, sondern sie stellen überdies eine wertvolle Alternative zu Experimenten an Gen- modifizierten Tiermodellen dar.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Innsbruck - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Thomas V. Mccarthy, University College Cork - Irland
  • Vincenzo Sorrentino, Università degli studi di Padova - Italien
  • Robert T. Dirksen, University of Rochester - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 324 Zitationen
  • 8 Publikationen
Publikationen
  • 2007
    Titel Computer modeling of siRNA knockdown effects indicates an essential role of the Ca2+ channel a2d-1 subunit in cardiac excitation–contraction coupling
    DOI 10.1073/pnas.0700577104
    Typ Journal Article
    Autor Tuluc P
    Journal Proceedings of the National Academy of Sciences
    Seiten 11091-11096
    Link Publikation
  • 2005
    Titel The ß1a subunit is essential for the assembly of dihydropyridine-receptor arrays in skeletal muscle
    DOI 10.1073/pnas.0508710102
    Typ Journal Article
    Autor Schredelseker J
    Journal Proceedings of the National Academy of Sciences
    Seiten 17219-17224
    Link Publikation
  • 2008
    Titel SRP-27 is a novel component of the supramolecular signalling complex involved in skeletal muscle excitation–contraction coupling
    DOI 10.1042/bj20070906
    Typ Journal Article
    Autor Bleunven C
    Journal Biochemical Journal
    Seiten 343-349
    Link Publikation
  • 2005
    Titel Localization of transgenes and genotyping of H-2Kb-tsA58 transgenic mice
    DOI 10.2144/05381bm03
    Typ Journal Article
    Autor Kern G
    Journal BioTechniques
    Seiten 38-42
    Link Publikation
  • 2005
    Titel The role of auxiliary dihydropyridine receptor subunits in muscle
    DOI 10.1007/s10974-005-9000-2
    Typ Journal Article
    Autor Flucher B
    Journal Journal of Muscle Research & Cell Motility
    Seiten 1-6
  • 2004
    Titel Functional Interaction of CaV Channel Isoforms with Ryanodine Receptors Studied in Dysgenic Myotubes
    DOI 10.1529/biophysj.104.051318
    Typ Journal Article
    Autor Schuhmeier R
    Journal Biophysical Journal
    Seiten 1765-1777
    Link Publikation
  • 2004
    Titel Differential Contribution of Skeletal and Cardiac II-III Loop Sequences to the Assembly of Dihydropyridine-Receptor Arrays in Skeletal Muscle
    DOI 10.1091/mbc.e04-05-0414
    Typ Journal Article
    Autor Takekura H
    Journal Molecular Biology of the Cell
    Seiten 5408-5419
    Link Publikation
  • 2004
    Titel The monoclonal antibody mAB 1A binds to the excitation–contraction coupling domain in the II–III loop of the skeletal muscle calcium channel a1S subunit
    DOI 10.1016/j.abb.2004.04.007
    Typ Journal Article
    Autor Kugler G
    Journal Archives of Biochemistry and Biophysics
    Seiten 91-100

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