Integration ausländischer Jugendlicher
Integration for foreign youth
Wissenschaftsdisziplinen
Soziologie (100%)
Keywords
-
Second Generation,
Social Integration,
Migration,
Ethnic Identity,
Foreign Youth,
Marginalization
Das Projekt strebt an, die Integration von Ausländerkindern in Österreich auf systematische Weise zu untersuchen. Es werden insgesamt 1,000 ausländische Jugendliche (16 - 26 Jahre alt), die hier geboren sind oder von Beginn an österreichische Schulen besucht haben, untersucht. Die Studie erlaubt es, anhand einer Kontrollgruppe inländischer Jugendlicher (n=400) ähnlicher Milieus die spezifischen Probleme herauszuarbeiten. Integration wird als Anpassung in den zentralen Lebensbereichen definiert. Die Hauptdimensionen sind die soziale Positionierung in Ausbildung, Beruf und sozialen Netzwerken. Diese objektiven Bedingungen bestimmen in starkem Ausmaß die psychosozialen Anpassungsprozesse. Daher werden Werthaltungen, Ideologien, kollektive Zugehörigkeitsgefühle und bestimmte Verhaltensweisen (die zum Konstrukt "Identität" zusammengefaßt werden) in Abhängigkeit von den strukturellen Integrationsfaktoren gesehen. Folgend der Theorie, daß der Integrationsprozeß als Kontinuum zwischen zwei Polen - Marginalisierung/Ausschließung einerseits, Assimilation andererseits - zu sehen ist, werden Typen entwickelt, die verschiedene Stufen auf diesem Kontinuum repräsentieren. Speziell kontroverse Theorien der kulturellen Assimilation sollen geprüft werden; auch wenn ein kausaler Zusammenhang zwischen gelungener beruflicher und sozialer Positionierung besteht, determinieren diese nicht eine vollständige identifikative Assimilation - Mischformen von Identität sind bei der zweiten Generation am ehesten zu erwarten. Die interaktiven Effekte von spezifischen Lebensbedingungen, subjektiven Erfahrungen und Reaktionen werden unter dem Aspekt von Problemakkumulationen untersucht, um verschiedene Milieus erfassen zu können. Erst bestimmte Problemkonstellationen werden als tiefer liegende Ursachen von Desintegration betrachtet. Die zentralen Variablenbereiche sind: - Berufsausbildung und Arbeit (berufliche Biografie, Arbeitsverhältnisse) - Kontaktsituation (Familie, Ausbildung/Arbeitsplatz, peers), interethnische Kontakte (Konflikte) - Aspirationen und Einschätzung der Chancen, Diskriminierungserfahrungen und Reaktionen - Identifikationen, Bewertungen von Regeln und Lebensweisen beider Kulturen, Werte und zentrale Orientierungen (z.B. religiös/sekular, universalistische und demokratische Einstellung, Nationalismus) "Reethnisierung" und Marginalität einerseits, Assimilation oder Mischkulturalität andererseits werden in Abhängigkeit von Integrationserfolgen in den Lebensbereichen untersucht.
Die Studie zur Integration der 2. Generation ausländischer Jugendlicher legte den Schwerpunkt auf die Fragen: welche Bildungsqualifikationen und beruflichen Positionen konnten erreicht werden? Welche sozialen Netzwerke haben die Jugendlichen aufgebaut? Welche Zugehörigkeitsgefühle und Wertorientierungen haben sie entwickelt? Es wurde gezeigt, dass die These mehr oder minder automatischer Integrationsstufen - die strukturelle Integration bringt die Öffnung der Kontaktkreise und in deren Folge kulturelle Identifikation hervor - nicht der Realität entspricht. Die Analyse der erzielten Bildungspositionen zeigte, dass sich primär soziale Herkunft und die Konzentration ausländischer Jugendlicher in Schulen hinderlich auswirkt; spezifische Merkmale des Milieus, wie Sprachgebrauch zu Hause oder interethnische Kontakte, treten diesen Faktoren gegenüber in den Hintergrund. Betrachtet man die beruflichen Positionen, so konnten sich die bereits berufstätigen Jugendlichen im Vergleich zu den Vätern - die in den untersten Positionen konzentriert sind - verbessern; bei einem Drittel wurde jedoch der niedrige Status des unqualifizierten Arbeiters "vererbt". Die soziale Integration ist angesichts der starken Geschlossenheit der Freundschaftskontakte bei der Mehrheit der Jugendlichen wenig erfolgreich verlaufen. Und weniger als die Hälfte fühlt sich auch in Österreich "zu Hause" (hierbei bestehen jedoch starke Unterschiede nach den Herkunftsländern). Offenere Kontaktkreise und Zugehörigkeitsgefühl zur österreichischen Gesellschaft werden vor allem durch eine starke eigenethnische Orientierung im Elternhaus erschwert. In einem geschlossenen Milieu, in dem sich ethnische Merkmale bündeln - z.B. große Bedeutung von Religion, ethnisch homogene Kontakte, Überwiegen der Herkunftssprache zu Hause und beim Medienkonsum - lebt aber nur eine Minderheit der Jugendlichen. Bei den meisten Jugendlichen vermischen sich die sozial-kulturellen Gegebenheiten der konkreten Lebensumwelt mit einzelnen ethnischen Elementen. In diesem Sinne spielt sich ein "Leben zwischen den Kulturen" ab. Weder leben die Jugendlichen also in einem ethnischen Ghetto, noch in einem weitgehend assimilierten Milieu. Auf zwei wichtige Problemkreise, die Maßnahmen erforderlich machen, soll hingewiesen werden: im Bildungswesen zeigte sich die starke Auswirkung sozialer Schichtzugehörigkeit, die sich mit dem Problem zu großer Ausländeranteile verbindet; an den Auswirkungen eines stark eigenethnisch geprägten elterlichen Milieus auf mangelhafte soziale Integration zeigt sich, dass den Eltern mehr positive Anreize für eigene aktive Integrationsschritte geboten werden müssten.
- Universität Wien - 100%