Bronze- und eisenzeitliche Pflanzenreste aus Bartholomäberg
Bronze and Iron aged plant remains from Bartholomäberg
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Archaeobotany,
Palaeoethnobotany,
Bronze Age,
Iron Age,
Vorarlberg,
Eastern Alps
1999 wurde oberhalb von Schruns im Montafon (Vorarlberg) eine prähistorische Siedlung entdeckt. Es ist dies die erste bekannte prähistorische Siedlung aus diesem Gebiet, das bis dahin als unbesiedelt gegolten hat. Der Siedlungsplatz liegt in 940 m Seehöhe auf einem Bergsporn am Südhang der Streusiedlung Bartholomäberg. In der Zwischenzeit sind in den Jahren 2000, 2001 und 2002 drei Grabungskampagnen durchgeführt worden. Sie brachten mehrere Hausstrukturen auf künstlich angelegten Terrassen zu Tage. Gegen Norden hin ist die Anlage durch eine 80 m lange und mindestens 2 m dicke Mauer abgeschirmt. Bis jetzt konnten in der Grabung vier Kulturschichten identifiziert werden. Die älteste datiert in die frühe Bronzezeit, der eine 40 cm mächtige Schicht aus der mittleren Bronzezeit folgt. Während der späten Bronzezeit ist die Siedlung verlassen worden. In der Hallstattzeit wird sie wieder bewohnt und die Siedlungstätigkeit dauert bis in die Latènezeit an. Neben archäologischen Artefakten sind diese vier Kulturschichten reich an verkohlten Pflanzenresten. Eine erste Untersuchung von fünf Proben aus der mittelbronzezeitlichen Schicht lieferte eine Reihe von Kulturpflanzen, wie Einkorn (Triticum monococcum), Emmer (Triticum dicoccum), Gerste (Hordeum vulgare), Saubohne (Vicia faba), und von Wildpflanzen, die teils für Ernährungszwecke gesammelt wurden, und die teils die frühere Vegetation der Äcker und Hecken widerspiegeln. Mit Hilfe der paläoethnobotanischen Untersuchung der verkohlten Pflanzenreste aus den Kulturschichten soll die Rolle der Landwirtschaft für die prähistorischen Siedler erhoben werden. Im speziellen sollen die Kultur- und Nutzpflanzen und deren Bedeutung für die Wirtschaftsweise der prähistorischen Siedler während der Bronze- und Eisenzeit evaluiert werden. Weiters sollen über die gefundenen Kulturpflanzen und Unkräuter einzelne Aspekte der Landwirtschaftsweise (wie Erntetechniken, Lage der Äcker, Nährstoffgehalt der Böden, etc.) ermittelt werden. Die nachgewiesenen Wildpflanzen spiegeln in eingeschränkter Weise die frühere Vegetation wider. Ein Hauptaugenmerk wird dabei auf das Vorkommen von Grünland während der Bronze- und Eisenzeit gelegt. Die Erhaltung von mehreren Kulturschichten in chronologischer Abfolge ermöglicht den Wechsel im Kulturpflanzenbau festzustellen und diese Ergebnisse mit den vorliegenden botanischen Befunden aus archäologischen Grabungen in angrenzenden Gebieten im Süden, Westen und Norden zu vergleichen. Die Untersuchungen versprechen neue Erkenntnisse über die prähistroische Ernährungs- und Landwirtschaftsweise in den mittleren Ostalpen, ist dies doch die erste bronzezeitliche Siedlung nördlich des Alpenhauptkammes, die paläoethnobotanisch untersucht wird. Außerdem liegt die Siedlung in einem bisher unerforschten Gebiet zwischen den bekannten Siedlungen im Süden und im Westen.
- Universität Innsbruck - 100%
Research Output
- 79 Zitationen
- 3 Publikationen
-
2007
Titel Distribution patterns of cultivated plants in the Eastern Alps (Central Europe) during Iron Age DOI 10.1016/j.jas.2006.05.001 Typ Journal Article Autor Schmidl A Journal Journal of Archaeological Science Seiten 243-254 -
2005
Titel LAND USE IN THE EASTERN ALPS DURING THE BRONZE AGE—AN ARCHAEOBOTANICAL CASE STUDY OF A HILLTOP SETTLEMENT IN THE MONTAFON (WESTERN AUSTRIA)* DOI 10.1111/j.1475-4754.2005.00213.x Typ Journal Article Autor Schmidl A Journal Archaeometry Seiten 455-470 -
2005
Titel Subsistence strategies of two Bronze Age hill-top settlements in the eastern Alps—Friaga/Bartholomäberg (Vorarlberg, Austria) and Ganglegg/Schluderns (South Tyrol, Italy) DOI 10.1007/s00334-005-0088-5 Typ Journal Article Autor Schmidl A Journal Vegetation History and Archaeobotany Seiten 303-312