Der Schriftsteller Johannes Freumbichler und sein literarischer Nachlass
The author Johannes Freumbichler and his literary inheritance
Wissenschaftsdisziplinen
Medien- und Kommunikationswissenschaften (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
-
Nachlass-Erschliessung,
Transskription,
Literaturwissenschaftliche Kommentierung,
Positionierung von Autor und Werk,
Edition,
Symposion
Der österreichische Schriftsteller Johannes Freumbichler (1881 - 1949) hat einen im Vergleich zu seinem veröffentlichten Werk äußerst umfangreichen Bestand an Notizen, Tagebüchern, Briefen und Werkmanuskripten bzw. -typoskripten hinterlassen. Die Bedeutung dieses Nachlasses wurde bis heute weder hinreichend untersucht noch auch nur ansatzweise erkannt, ebenso wie die Einschätzung des Autors und seiner Stellung viel zu wenig erforscht ist. Die fachgerechte archivalische Erschließung und die literaturwissenschaftliche Aufarbeitung dieses Nachlasses, der sich im Thomas-Bernhard-Archiv` in Gmunden (Österreich) befindet, sind die beiden gemeinsamen Ziel des gegenständlichen Projekts. Dies schafft die Möglichkeit, sowohl die Eigenständigkeit und den besonderen literaturgeschichtlichen Stellenwert von Johannes Freumbichlers Werk als auch dessen äußerst prägenden Einfluss auf seinen ungleich erfolgreicheren schreibenden Enkel Thomas Bernhard (1931 - 1989) unter aktuellen und differenzierteren Gesichtspunkten neu zu entdecken. Wesentliche Voraussetzung für jede literaturgeschichtliche Forschungsarbeit ist in diesem Fall zunächst eine archivalische Ordnung und Katalogisierung des Nachlasses (nach RNA = Regeln zur Erschließung von Nachlässen und Autographen`). Einen entscheidenden Schritt in diese Richtung stellte das vom Land Salzburg finanzierte dreimonatige Arbeitsprojekt 2002 im Thomas-Bernhard-Archiv dar, bei dem eine Sichtung und Bestandaufnahme (Sichtungsliste) sowie eine erste Ordnung des umfangreichen Nachlass-Bestandes durchgeführt wurden. Die nahezu 10 000 Typoskript- und Manuskriptseiten, über 800 Briefe (z.B. Korrespondenz mit Alice und Carl Zuckmayer und Verlagen) und rund 200 Tage- bzw. Notizbücher dokumentieren sehr aufschlussreich die Lebens- und Zeitgeschichte eines vom ständigen Existenzkampf bedrohten Schriftstellers in der Ersten Österreichischen Republik. Bereits der gegenwärtige Stand der Forschung lässt erkennen, dass Freumbichlers Werk zwischen Tradition und Aufbruch, zwischen der Sehnsucht nach Ordnung und Wertekonservatismus einerseits, Gesellschaftskritik mit anarchisch-revolutionären Elementen andererseits steht. Weder der 1937 veröffentlichte Bauernroman Philomena Ellenhub` noch der unveröffentlichte Roman Eling. Das Tal der sieben Höfe` lassen sich dem Genre des konservativ-traditionellen Heimatromans zuordnen. Von der Blut-und-Boden-Ideologie der NS-Zeit hat sich Johannes Freumbichler distanziert, zugleich zeigt sich in seinem Werk die Trauer über den Verlust verbindlicher Werte und den unaufhaltsamen Untergang des Bauerntums (vgl. F. Aspetsberger (1979), R. Langer (1999)). Diese Aspekte, die durch die Erforschung des Nachlasses eingehender untersucht werden sollen, lassen Freumbichlers Werk als für seine Zeit eigenständig und kontroversiell erscheinen. Die Ziele des gegenständlichen Forschungsprojekts sind: - die archivalische Ordnung und Katalogisierung (nach RNA) des literarischen Nachlasses von Johannes Freumbichler, - die Transkription der forschungsgeschichtlich relevanten Texte (Manuskripte, Briefe), - eine eingehendere literaturwissenschaftliche Forschungsarbeit am Nachlass Johannes Freumbichlers, der sowohl die biographische und literarische Beziehung zwischen Johannes Freumbichler und Thomas Bernhard (Einflüsse, Textreferenzen) als auch eine spannungsgeladene Künstlerexistenz im Ständestaat und Nationalsozialismus zeitgeschichtlich dokumentiert - und schließlich die Präsentation dieser Forschunsgergebnisse als Buchpublikation (bzw. Vorträge), die sowohl für die germanistische Forschung als auch für die interessierte Leseöffentlichkeit neue Kontexte, Impulse und Perspektiven bietet.
Der österreichische Schriftsteller Johannes Freumbichler (1881 - 1949), Großvater des international bekannten Autors Thomas Bernhard (1931 - 1989), hinterließ ein äußerst umfangreiches literarisches Erbe. Seinem relativ schmalen veröffentlichten Werk - am bekanntesten der Roman Philomena Ellenhub` (1936, Förderungspreis Großer Österreichischer Staatspreis 1937) - steht ein immens großer Nachlass unveröffentlichter Texte, Notizen und Tagebücher (insgesamt ca. 15.000 Blatt), rund 1.600 Briefe (z.B. Korrespondenz mit Carl und Alice Zuckmayer, wichtige Verlagskorrespondenz) sowie Lebensdokumente gegenüber. Johannes Freumbichlers Nachlass wurde in dem zweijährigen FWF-Projekt P 16404 - G06 (Mai 2003 - April 2005) erstmals systematisch, nach international gültigen Standards archivalischer Erschließung, gesichtet, geordnet und katalogisiert. Damit ist der germanistischen Wissenschaft ebenso wie dem interessierten Benutzer im Thomas- Bernhard-Archiv (Gmunden), wo Freumbichlers Nachlass gemeinsam mit dem des Enkels aufbewahrt wird, eine weitere wichtige, aufschlussreiche Quelle der österreichischen Literaturgeschichte sowie der Thomas-Bernhard- Forschung zugänglich. Eine Sichtungsliste sowie die Katalogisierung des gesamten Nachlasses von Johannes Freumbichler entsprechend seiner archivalischen Ordnung erlaubt es, einzelne Materialien aus dem Bestand, seien es Texte, Briefe oder Lebensdokumente, problemlos aufzufinden und einzusehen. Ein weiterer innovativer Fortschritt liegt in der Transkription einzelner ausgewählter handschriftlicher Textdokumente, die in ihrer Bedeutung für die Forschung bislang unerkannt blieben, weil sie erst gesichtet und entziffert werden mussten. Das Projekt schafft die Basis zu einer neuen Einschätzung von Johannes Freumbichlers Biographie und dichterischem Schaffen als dringliches Anliegen zukünftiger Forschung. Dies konnte in ersten inhaltlichen Studien, etwa auch zur Geschichte und genetischen Entwicklung von Freumbichlers Schaffen oder kurzen Vergleichen mit Bernhards Werk, lediglich skizziert werden. Freumbichlers Position in der österreichischen Literaturgeschichte, der Einfluss als Lehrer` auf das (Früh)werk seines Enkels Thomas Bernhard sowie die Familiengeschichte als Porträt eines nicht untyischen österreichischen Künstlerschicksals von der ausgehenden Donaumonrachie über die Erste Republik, den Ständestaat und das Dritte Reich bis unmittelbar nach 1945 bezeichnen die grundlegenden Ziele einer zukünftigen literaturwissenschaftlich orientierten Forschungsarbeit anhand seines nun geordneten und zugänglich gemachten Nachlasses.
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