Österreichisch-Sowjetische Beziehungen 1945-1955
Austrian-Soviet Relations 1945-1955
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Quellenedition,
Österreich,
Sowjetunion,
Zeitgeschichte,
1945-1955,
Außenpolitik
Anlässlich des bevorstehenden 50-Jahre-Jubläums des österreichischen Staatsvertrages im Jahr 2005 plant das Österreichische Staatsarchiv in Zusammenarbeit mit dem Bundesarchivdienst der Russischen Föderation und dem Insitut für allgemeine Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften die Vorbereitung einer umfassenden Quellenedition zu den österreichisch-sowjetischen Beziehungen in den Jahren 1945 - 1955 anhand neuer österreichischer und russischer Archivalien in deutscher und russischer Sprache. Die vorliegenden Arbeiten sind aufgrund des bisher stark eingeschränkten Zugangs zu den Quellen fragmentär, beziehen sich nur auf offizielle Statements oder zeigen eine einseitige sowjetische Sicht. Erst in letzter Zeit konnte russisches Archivmaterial bei Forschungsarbeiten verwendet werden. Die laufende Deklassifizierung aufschlussreicher Quellen des sowjetischen Staats- und Parteiapparates in russischen Archiven (Archiv des Russischen Außenministeriums, dem Staatarchiv der Russischen Föderation, Russländisches Archiv für sozial- politische Geschichte, Russländisches Archiv der neuesten Geschichte, möglicherweise Zentrales Militärarchiv) und die Sichtung bis vor kurzem noch gesperrter Quellen im Österreichischen Staatsarchiv lassen neue interessante Forschungsergebnisse für dieses äußerst wichtige Gebiet der österreichischen Zeitgeschichte erwarten. Die Edition wird u.a. folgende Punkte beinhalten: Planungsphase der Nachkriegsfrage ab 1941, Aufbau demokratischer Strukturen, der Verlauf der Staatsvertragsverhandlungen, die Sowjetunion als Besatzungmacht, der geplante aber nicht realisierte Handelsvertrag mit der Sowjetunion, Frühphase des Kalten Krieges in Österreich 1945-47, Beginn der bilateralen diplomatischen Beziehungen 1946, Wiedererrichtung der österreichischen Gesandtschaft, Verhandlungen über das ehemalige deutsche Eigentum und die Kriegsgefangenenfrage 1945-55. Die Edition sieht die kommentierte Veröffentlichung von Schlüsseldokumenten, wissenschaftliche Einleitungen zu jedem Kapitel sowie eine Chronologie, ein kommentiertes Dokumentenverzeichnis, Sach-, Namens- und Ortsregister, eine Übersicht der wichtigsten biographischen Daten von Politikern und Diplomaten und eine Bibliographie vor.
Das Forschungsprojekt "Österreichisch-sowjetische Beziehungen 1945-1955" bereitete eine Quellenedition mit Dokumenten österreichischer und russischer Archive vor, die verschiedene bislang nicht dokumentierte Aspekte dieser Beziehungen berücksichtigt und einen fundierten Überblick für diesen Zeitraum bietet. Ausgehend von den wichtigsten Entwicklungsschritten in der sowjetischen Planung Nachkriegsösterreichs 1941 - 1945, setzt sich die Edition u.a. mit der Rolle der sowjetischen Besatzungsmacht beim Wiederaufbau der politischen und administrativen Strukturen in Österreich und mit der Haltung der UdSSR zur österreichischen Innenpolitik auseinander. Die detaillierten Berichte des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission verdeutlichen das Misstrauen der UdSSR gegenüber den österreichischen Behörden. Die Einschätzung der österreichischen Regierung als reaktionäre Kraft bewirkte auch die Verzögerung bei der Etablierung vollwertiger diplomatischer Beziehungen. Erst 1953, zwei Jahre später als die Westalliierten, ernannte die UdSSR im Rahmen einer Entspannungspolitik einen Botschafter für Österreich. Neben der Diplomatiegeschichte legt die Edition einen Schwerpunkt auf den Bereich der Kultur, des Sports, der Repräsentation und der Feierlichkeiten als Mittel zur Verbesserung des politischen Verhältnisses. Hier zeigt sich die Zurückhaltung der österreichischen Regierung nach einer ersten aufgeschlossenen Phase (etwa bis 1948) deutlich. Vor Abschluss des Staatsvertrages wollte Österreich keine besonderen Aktivitäten setzen, aber auch die UdSSR verhielt sich bei direkten Austauschvorschlägen zeitweise reserviert. Die komplexe Thematik der sowjetischen Position zum Staatsvertrag und zur Neutralität beleuchten zahlreiche neue Dokumente aus russischen Archiven. Im engen Zusammenhang damit stehen die Fragen der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und der UdSSR, v.a. die Diskussionen um das "Deutsche Eigentum". Die Verhandlungen über den österreichischen Staatsvertrag waren bekanntlich vom Kalten Krieg stark beeinflusst. In Österreich selbst entwickelte sich ein Propagandakrieg zwischen den Westalliierten und der UdSSR. Auch die Behinderung der Repatriierung der sowjetischen "displaced persons" aus den westlichen Besatzungszonen Österreichs in die UdSSR gehörte zu den Erscheinungsformen des Kalten Krieges. Schließlich konnte auch die Geschichte der Rückführung der österreichischen Kriegs- und Zivilgefangenen aus der Sowjetunion aufgearbeitet werden. Die Quellenedition wird über 300 Dokumente aus dem Österreichischen Staatsarchiv, dem Staatsarchiv der Russischen Föderation (GARF), dem Russ. Staatsarchiv für Soziale-und politische Geschichte (RGASPI), dem Russ. Staatsarchiv für Neueste Geschichte (RGANI), dem Russ. Staatsarchivs für Wirtschaft (RGAE) und dem Historischen-Dokumentarischen Departement des Außenministeriums der RF (IDD MID) - in deutscher und russischer Sprache enthalten. Davon stammen zwei Drittel aus den Archiven der RF.
- V.P. Kozlov, Federal´naja Archivnaja Sluzba Rossii - Russland
- Aleksandr O. CubarJan, Russian Academy of Science - Russland