Fontes Civitatis Ratisponensis III
Fontes Civitatis Ratisponensis III
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (70%); Informatik (30%)
Keywords
-
Historische Informationswissenschaft,
Informationssysteme,
Dokumentation,
Edition,
World-Wide-Web (WWW),
Multimedia
Das Team des Forschungsprojekts Integrierte Computergestützte Edition (ICE) hat sich zur Aufgabe gesetzt, bewährte Editionstechniken mit rezenten Informationstechnologien und den damit in Zusammenhang stehenden wissenschaftstheoretischen Ansätzen zu kombinieren. Das bedeutet vor allem interdisziplinäre Arbeit sowie Transparenz des Forschungsprozesses durch eine regelbasierte Teilautomatisierung editorischer Tätigkeit und durch Einbindung und Verwaltung von Spezialwissen des Bearbeiters. Um dabei eine möglichst große Zahl von Interessenten zu erreichen, werden Einzelcomputer und vernetzte Systeme als Trägermedium für Dokumentationen und Editionen genutzt. Als Ergebnis entsteht ein integriertes Informationssystem, das nicht nur zur Archivierung historischer Originalquellen und deren inhaltlicher Erschließung dient, sondern darüber hinaus umfangreiche Hilfsmittel zur Analyse der Überlieferung einer Reichsstadt des Mittelalters und der Frühen Neuzeit bereitstellt und je nach Benutzergruppe unterschiedliche Zugänge dazu bietet. So werden für den Casual User Editionen aus dem Kernsystem in ein WWW-System exportiert und im Internet wie auch auf CDROMs angeboten, der Advanced User kann über ein Interface auf das Kernsystem zugreifen und der Expert User erhält den direkten Zugriff auf die Datenbanken via WWW. Die Ziele dieses Projekts sind zum ersten die Vervollständigung und Vereinheitlichung der im gesamten Projektverbund produzierten Daten. Zum zweiten soll das Virtuelle Archiv, das sukzessive alle Quellen zur Geschichte der Regensburger Civitas von den Anfängen bis zum Jahr 1514 enthalten soll, durch die Integration einer bestandsübergreifenden Gesamterschließung und eines Evaluationssystems weiterentwickelt werden. Zum dritten soll das Gesamtsystem in ein weitgehend systemunabhängiges, dem Industriestandard folgendes Format migriert werden. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die langfristige Sicherung der von den einzelnen Vorgängerprojekten und Kooperationspartnern erarbeiteten Daten gelegt werden, wobei dem Benutzer durch bestandsübergreifende Kataloge und Findhilfen der Zugang zum Gesamtsystem erleichtert werden soll und er zudem wirksame Instrumente für effizientes Controlling und Evaluation in die Hand bekommt. Um dies gewährleisten zu können, ist es unerläßlich, im Rahmen des Virtuellen Archivs Metadaten nicht nur über die einzelnen Bestände, sondern auch über deren Bearbeitungsstufen zu entwickeln und in das System zu integrieren, sodaß im Detail verfolgt werden kann, welche Bearbeitungsstufen durchlaufen wurden bzw. welcher Bestand und welche Quelle wann und von wem bearbeitet wurde.
Im Rahmen der Projektserie "Fontes Civitatis Ratisponensis (FCR)" wurden seit mittlerweile über 15 Jahren methodische und technische Kompetenzen im Bereich der Dokumentation des unikal überlieferten Schriftgutes und dessen Edition erworben und in verschiedenen Systemen umgesetzt. Die FCR basieren in theoretischer und methodischer Hinsicht auf dem Modell der Computergestützten Integrierten Edition (ICE) und verfolgen in dessen Umsetzung eine Work-In-Progress-Strategie. In Ergänzung zu den digitalen Editionen entstanden auch Online- Repertorien im Sinne archivarischer Findbücher und ein virtuelles Archiv, das Archivalien in einer Basiserschließung samt bildlicher Darstellung in unterschiedlichen Sichtweisen bereitstellt. Das Projekt war vor allem drei zentralen Schwerpunkten gewidmet: 1. Die Daten von Vorgängerprojekten und von Kooperationspartnern wurden vervollständigt und vereinheitlicht, also weitgehend einer Endbearbeitung unterzogen. 2. Das virtuelle Archiv wurde vom Prototyp zu einer Produktionsversion weiterentwickelt und umfasst Basiserschließungen sowie digitale Faksimiles unterschiedlicher Lagerorte. 3. Die vervollständigten und vereinheitlichten Daten des Kernsystems wurden in ein XML-basiertes Daten- Repository migriert. Die Ergebnisse dieser Arbeiten umfassen eine große Menge heterogener Daten sowie konkrete Machbarkeitsstudien und Implementationen. Dazu zählen etwa der Wechsel von einem software-zentrierten zu einem datenzentrierten Ansatz im Systemdesign, die explizite Formulierung einer Work-in-Progress-Strategie, der Export von proprietären Formaten in ein allgemeines Daten-Repository sowie Arbeitstagungen von ExpertInnen und informelle Gespräche im Rahmen der FCR als Teil eines Feedback-Prozesses. Damit kann das Gebiet der exemplarischen Grundlagenforschung im Wesentlichen als abgeschlossen betrachtet werden; zugleich wurde die Basis für weiterführende Anwendungssysteme geschaffen. Die Fontes Civitatis Ratisponensis bieten eine Integration von dokumentarischer und editorischer Arbeit, die sich in einem virtuellem Archiv und digitalen Editionen niederschlägt. In diesem Sinne sind sie auch von öffentlichem Interesse und stehen allen Interessierten am unikal überlieferten schriftlichen Kulturerbe der Stadt Regensburg zur Verfügung. Neben den konkreten Arbeiten an Regensburger Materialien bieten die FCR eine exemplarische Lösung für wissenschaftliche Arbeiten auf diesem Gebiet, unter dem Prinzip der Integration von traditionellen Arbeitstechniken mit rezenten Anwendungen von Informationstechnologien. Das Forschungsprojekt wurde vom FWF und der Stadt Regensburg finanziert. Weitere Informationen finden sich im WWW unter den Adressen http://www.fcr-online.com und http://hfi.uni-graz.at.
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