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Ehrbar will man ergötzt werden ...

Honourable one should be amused ...

Beatrix Müller-Kampel (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P16290
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.2003
  • Projektende 30.06.2004
  • Bewilligungssumme 33.054 €

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (50%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)

Keywords

    Maurus Lindemayr, Edition, Comedies, Theatre, Austrian Enlightenment

Abstract Endbericht

Die erste Gesamtedition der hochdeutschen Lustspiele P. Maurus Lindemayrs OSB soll bislang lediglich handschriftlich überlieferte Stücke der Forschung zugänglich machen und - versehen mit einer ausführlichen Studie - ein differenzierteres Bild des berühmten Mundartautors ermöglichen. Obwohl sie ästhetisch wie literaturhistorisch zu den bemerkenswertesten Arbeiten des österreichischen Theaterlebens der theresianisch-josephinischen Zeit zu zählen sind, fanden die hochdeutschen` Lustspiele des Lambacher Benediktiners P. Maurus Lindemayr (1723 - 83) in der Forschung bislang kaum Beachtung. Maßgeblichen Anteil daran hat die lokalpatriotisch motivierte Reduzierung des vielseitigen Schriftstellers und Übersetzers zum kernigen P. Maurus`, der mit seinen Bauernkomödien und Gedichten im oberösterreichischen Dialekt als Vater obderennsischer Mundartliteratur` gilt. Seine hochdeutschen Stücke wurden, da sie dem Bild nicht entsprachen, bereits in den ersten Werkkompilationen ausgespart und in frühen Studien als ästhetisch unzulänglich abgetan; bis heute ist denn auch ein Großteil seiner Werke, die nicht in oberösterreichischer Mundart verfasst sind, ungedruckt. So haben sich gerade auch jene Lustspiele Lindemayrs für lange Zeit dem literaturwissenschaftlichen Zugriff entzogen, die nicht nur eine zum Teil bis heute lebendige Unterhaltungsqualität aufweisen, sondern auch als Dokumente eines umfassenden Modernisierungsprozesses gelesen werden können, der in diesen Jahrzehnten das österreichische Theaterschaffen grundlegend veränderte. Diese teils noch niemals in den Druck gelangten hochdeutschen Lustspiele Lindemayrs in einer historisch-kritischen Edition einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und in einer Studie wissenschaftlich einzuordnen heißt auch, eines der wesentlichen Desiderate der literatur- und theaterwissenschaftlichen Forschung im Bereich der österreichischen Aufklärung zu erfüllen. Immerhin sind diese Stücke hochwertige Belege für den Versuch, nicht nur die Traditionen des Ordenstheaters mit den modernen Strömungen des Theaterlebens der Zeit zu versöhnen, sondern darüber hinaus einen eigenständigen ästhetischen Weg zu finden zwischen den Ansprüchen eines Bildungstheaters, das als aufklärerisches Didaktisierungsmedium aufgewertet wurde, und den Bedürfnissen eines Unterhaltungstheaters. Dass durch die Drucklegung ein differenzierteres Bild sowohl der Schriftstellerpersönlichkeit Maurus Lindemayr als auch des österreichischen Theaterlebens außerhalb des literarischen Zentrums Wien gezeichnet werden kann, ist Ziel des Projekts.

Die erste Gesamtedition der neun hochdeutschen Lustspiele P. Maurus Lindemayrs (1723-1783), die in diesem Projekt vorbereitet wurde, macht bislang zumeist nur handschriftlich überlieferte Stücke der Öffentlichkeit - der Forschung ebenso wie dem interessierten Lesepublikum - zugänglich und zeigt damit eine weitgehende unbekannte Seite des berühmten Mundartautors. Denn obwohl sie ästhetisch wie literaturhistorisch zu den bemerkenswertesten Arbeiten des Theaterlebens der theresianisch-josephinischen Zeit zählen, fanden die hochdeutschen Lustspiele des Lambacher Benediktiners bislang kaum Beachtung. Maßgeblichen Anteil daran hat die lokalpatriotisch motivierte Reduzierung des vielseitigen Schriftstellers zum `kernigen P. Maurus`, der mit seinen Bauernkomödien und Gedichten im oberösterreichischen Dialekt als `Vater obderennsischer Mundartliteratur` gilt. Seine hochdeutschen Stücke wurden, da sie dem Bild nicht entsprachen, bereits in den ersten Werkkompilationen ausgespart, in frühen Studien als ästhetisch unzulänglich abgetan und blieben bis heute zum Großteil ungedruckt. Mit der kritischen Edition wird es nun möglich sein, diese Lustspiele, die eine zum Teil bis heute lebendige Unterhaltungsqualität aufweisen, als Dokumente eines umfassenden Modernisierungsprozesses zu lesen, der in diesen Jahrzehnten das österreichische Theaterschaffen grundlegend veränderte. Hilfestellungen dafür sind die kritische Aufarbeitung der (ausführlich beschriebenen) Textvarianten, die Einblick gibt in die schwierige Überlieferungslage, die umfangreiche Kommentierung der Texte sowie die Rekonstruktion der Entstehungs-, Aufführungs- und Überlieferungsgeschichte. Die abschließende Studie skizziert im ersten Teil mit einer Fülle an neuem biographischen Material die Schriftstellerpersönlichkeit Lindemayr, bietet eine erste vollständige Bibliographie seiner Druckwerke und gibt einen ersten profunden Überblick über die Quellenlage seines dramatischen Werks. Der zweite Teil versucht eine literaturwissenschaftliche Verortung der edierten Lustspiele, die in einem durchaus eigenständigen ästhetischen Ansatz die Traditionen des Ordenstheaters mit den modernen Strömungen des Theaterlebens der Zeit zu verbinden versuchen. Zugleich versteht sich diese Edition als kritische Revision der Lindemayrforschung, die zur Genüge mit tradierten Fehlern und mangelhafter Quellenrecherche zu kämpfen hat. Zu hoffen bleibt, dass sich durch die Drucklegung dieser interessanten Werke ein differenzierteres Bild sowohl des Autors als auch des österreichischen Theaterlebens außerhalb des literarischen Zentrums Wien durchsetzt.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%

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