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Die Terra-Sigillata-Manufakturen von Westendorf und Pfaffenhofen und ihre Exporttätigleit in die Donauprovinzen

Terra Sigillata-Production of Westendorf and Pfaffenhofen

Verena Gassner (ORCID: 0000-0001-6600-5822)
  • Grant-DOI 10.55776/P16280
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2003
  • Projektende 30.11.2006
  • Bewilligungssumme 113.392 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Keywords

    Keramikproduktion, Terra Sigillata, Römische Ökonomie, Rätien, Römische Provinzarchäologie

Abstract Endbericht

Ziel dieses Forschungsprojektes ist die Bearbeitung und Vorlage der beiden raetischen SigillataManufacturen von Westerndorf und Pfaffenhofen in der Nähe der heutigen Stadt Rosenheim in Bayern. Obwohl die ersten Forschungen bereits im 19. Jahrhundert begannen, fehlt bis heute eine vollständige Aufarbeitung der reichen Produktion dieser im späten 2. und im 3. Jahrhundert aktiven Werkstätten, das von Bayern entlang der Donau bis nach Rumänien und Bulgarien verbreitet war. Damit stellen sie einen wichtigen Indikator für die wirtschaftlichen Beziehungen vor allem der Donauprovinzen im dritten Jahrhundert dar. Geplant ist eine vollständige Aufnahme der Funde aus den Produktionszentren selbst sowie aus dem Verbreitungsgebiet (vor allem Deutschland, Österreich, Ungarn, das ehemalige Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien). Durch neue methodische Ansätze wie die Klassifikation der Funde nach der Scherbenbeschaffenheit soll eine eindeutige, bisher nicht mögliche Unterscheidung der beiden Werkstätten erreicht werden. In der Folge soll - nach Produktionsorten getrennt - für beide Zentren eine Formtypologie erstellt werden, die besonders die bis dahin schwierig einzuordnende Sigillata ohne Reliefdekor betrifft. Ebenso ist ein Katalog aller bekannten Namensstempel auf glatter und reliefverzierter Sigillata vorgesehen. Ergänzend wird ein Punzenkatalog vorgelegt. Ein weiterer Abschnitt wird sich mit der Datierung der Manufakturen sowie ihrer Entwicklung beschäftigen. Auch die Frage des Verhältnisses und der Chronologie der einzelnen Formschüsselhersteller soll untersucht werden. Auf der Basis dieser Ergebnisse können Fragen zum Verbreitungsgebiet und den Vertriebsstrukturen sowie ganz allgemein zur wirtschaftlichen Entwicklung der Donauprovinzen im 3. Jahrhundert erörtert werden. Für die Dokumentation und Auswertung des Materials sollen zeitgemäße Methoden eingesetzt werden, die durch archäometrische Analysen ergänzt werden.. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden in einer Monographie vorgelegt, in der das Material aus den Produktionsorten und dem Verbreitungsgebiet gleichermaßen zur Geltung kommt.

Im Rahmen des mehrjährigen Projektes wurden mit Unterstützung der Archäologischen Staatssammlung München die im heutigen Südbayern gelegenen Terra Sigillata-Manufakturen von Westerndorf St. Peter und Pfaffenhofen am Inn mit dem vorrangigen Ziel einer monographischen Vorlage aufgearbeitet. Obwohl die ersten Forschungen bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts begannen, fehlte bis heute eine vollständige Aufarbeitung der reichen Produktion dieser im späten 2. und im 3. Jahrhundert n.Chr. produzierenden Töpfereien, deren Produkte hauptsächlich in den mittleren und unteren Donauprovinzen verhandelt wurden. Die Terra Sigillata-Produkte wurden aus den beiden römischen Töpfereien selbst sowie aus dem Verbreitungsgebiet systematisch erfasst und ausgewertet. Bei dieser Aufarbeitung konnte auf dem Kastenfeld in Pfaffenhofen zwar ein Straßendorf mit Töpfereien, die lokale Gebrauchswaren fertigten, festgestellt werden, aber der seit den sechziger Jahren postulierte Terra Sigillata-Manufakturstandort konnte nicht bestätigt werden. Aufgrund dieser Ergebnisse war eine umfassende monographische Vorlage dieser Manufaktur nicht möglich. In der Gemeinde Westerndorf St. Peter konnte im heutigen Ortskern nunmehr nicht, wie vermutet, das Töpfereiareal mit den Produktionseinheiten, sondern das Tonabbaugebiet der Terra Sigillata-Manufaktur von Westerndorf lokalisiert werden. Die Befunde sind somit als angelegte und teilweise mit Produktionsabfall wiederverfüllte Tonentnahmegruben zu interpretieren. Die eigentliche Lage der Produktionseinheiten sowie die Wohnsiedlung der Töpferhandwerker konnte derzeit noch nicht lokalisiert werden. Anhand des Materials aus Westerndorf wurde erstmals eine monographische Vorlage für die Produktion von Westerndorf erarbeitet, die einen Katalog der Fundstellen, Scherbentypen, Gefäßformen, Namenstempeln, Bildstempeln und Dekorationsserien sowie eine Fundortauflistung mit Verbreitungskarte beinhaltet. Bei diesen Studien zeigte sich ein für die Produktion charakteristisches, formtypologisch sehr eigenständiges Gefäßrepertoire mit einer eindeutigen Unterscheidung zu anderen Manufakturen. Bei näheren stilistischen Detailstudien der Bildstempel und Dekorationen wurden neue Dekorationsserien mit eigenen Bildstempelrepertoires erfasst. Ebenso konnten neue Namenstempel und vor allem Schreibweisen festgestellt werden. Anhand neuer methodischer Ansätze mit einem Klassifikationssystem der Gefäße nach dem Scherben und Vergleichen mit Rohstoffproben aus den römischen Tongruben der Manufakturen konnte - unter Einbeziehung von petrographisch-schwermineralogischen Analysen - eine eindeutige Differenzierung der bislang schwer unterscheidbaren reliefverzierten und vor allem glatten Produkte aus Westerndorf und Pfaffenhofen zu anderen Manufakturen erlangt werden. Detaillierte Studien über die wirtschaftlichen Beziehungen zu anderen Manufakturen ergaben, daß die Manufaktur von Westerndorf direkte Beziehungen zu den Töpferhandwerkern in Lavoye in den Argonnen aufweist und demnach keine Filialgründung von Rheinzabern ist. Auf Basis dieser eingehenden Forschungen über die beiden Terra Sigillata-Manufakturen wurden wesentliche Erkenntnisse über die Exporttätigkeit und die wirtschaftliche Entwicklung der Donauprovinzen im 3. Jahrhundert n.Chr. gewonnen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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