Untersuchungen der Life history Europäischer Braunbären
Life history aspects of European brown bears
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Brown Bear,
Europe,
Ursus Arctos,
North America,
Life History
Bei der "life-history"-Strategie eines Organismus handelt es sich um den individuellen Ablauf von Koerperwachstum, Reproduktion und Mortalitaet als Endergebnis eines evolutiven Prozesses; allerdings kann die "life-history"-Strategie auch das Ergebnis einer Reaktion auf Umweltereignisse sein. In diesem Projekt werden die "life-history" Parameter des europaeischen Braunbaeren (Ursus arctos) untersucht. Der Baer ist, bezueglich Schutz und Managements, eine sehr kontroversielle Tierart. Ein verantwortungsbewusstes Management dieser Tierart muss daher auf einem moeglichst umfassenden Wissen ueber die Art basieren. Die meisten europaeischen Schutz- und Managementansaetze beruhen auf nordamerikanischen Erfahrungen. Sehr wahrscheinlich bestehen gravierende Unterschiede in der "life-history"-Strategie zwischen Europa und Nordamerika. Europaeische Baerenpopulationen haben groessere Waschtumsraten und groessere Wuerfe als nordamerikanische Populationen; europaeische Baeren sind frueher selbsstaendig und werden frueher geschlechtsreif, bleiben aber koerperlich kleiner als ihre nordamerikanischen Verwandten. Diese sind andererseits aggressiver als europaeische Baeren. Jahrhundertelange Verfolgung durch den Menschen hat moeglicherweise die Selektion bestimmter "life-history"-Strategien bei europaeischen Baeren verursacht, da im Gegensatz zu amerikanischen Baeren, europaeische Braunbaeren jahrhundertelang in einer menschengepraegten Landschaft mit hoher Bevoelkerungsdichte und menschlicher Verfolgung ueberleben mussten. In diesem Projekt werden die Unterschiede der "life-history"-Strategien zwischen Nordamerika, Nordeuropa und Suedosteuropa im Zusammenhang mit oekologischen und antrophogenen Faktoren evaluiert. Die Ausbreitung und Wiederbesiedelung neuer Gebiete durch weibliche Baeren wird im Zusammenhang mit "life-history"-Strategien untersucht (z.B. Koerpergroesse, Koerperwachstum, Poplationsdichte, genetische Variabilitaet). Weiters wird der Einfluss der Koerpergroesse eines weiblichen Tieres auf den langfristigen Fortpflanzungserfolg und den langfristigen Fortpflanzungserfolg der Jungen untersucht, sowie Faktoren die langfristigen maennlichen Fortpflanzungserfolg beeinflussen. Weiters wird das Ueberleben von Jungtieren im Zusammenhang mit Wurfgroesse, Infantizid und verschiedenen Fortpflanzungsstrategien untersucht. Es ist das Ziel dieses Projektes neue wissenschaftliche Erkenntnisse fuer das bessere Verstaendniss evolutiver Zusammenhaenge bei Grosssaugern zu gewinnen, sowie eine verbesserte Basis fuer den Schutz und das Management einer kontroversiellen Tierart zu liefern.
Dieses FWF-Projekt befasste sich mit dem Lebenszyklus des Braunbären (Ursus arctos) in Schweden. Ein Lebenszylus beinhaltet alle Abläufe im Leben eines Organismus, vom Körperwachstum über Reproduktionserfolge bis hin zum Tod. Dabei beeinflusst die Körpergröße männlichen und weiblichen Fortpflanzungserfolg wie auch die Überlebenschance von Jungbären. Die Körpergrösse eines einjährigen Bären korreliert mit der Körpergrösse der Mutter, der Wurfgrösse und der Populationsdichte, die Körpergrösse einer erwachsenen Bärin mit der Populationsdichte und den Nahrungsbedingungen. Grosse Männchen produzieren jährlich mehr Nachkommen, und grosse Weibchen sind erfolgreicher bei der Verteidigung ihrer Jungen gegen Infantizid (innerartliches Töten von Jungtieren). Andere Faktoren im Zusammenhang mit dem jährlichen männlichen Reproduktionserfolg sind Alter und Populationsdichte. Aber es gab auch Hinweise auf weibliche Partnerwahl: Bärinnen paaren sich bevorzugt mit Männchen aus der näheren Umgebung, aber die grössten Männchen und diejenigen mit der höchsten genetischen Mischerbigkeit (Heterozygosität) hatten die beste Wahrscheinlichkeit, Vater zu werden. Bärinnen mit den grossen Würfen hatten eine geringere Wahrscheinlichkeit für Jungenverlust als Weibchen mit kleinen Würfen. Diese Ergebnisse stützen die "maternal investment" Theorie, da Weibchen eine höhere Bereitschaft zeigten, grosse Würfe gegen Infantizid durch Männchen zu verteidigen als kleine Würfe. Das Abwanderverhalten von Braunbären ist von der Populationsdichte abhängig, und zwar verringert sich die Abwanderwahrscheinlichkeit, je höher die Populationsdichte ist. Bärenmännchen haben eine höhere Abwanderneigung als Weibchen; 94% der Männchen und 41% der Weibchen wanderten ab. Männchen verlassen ihren Geburtsort und vermeiden damit Inzucht besser. Weibliche Geschwister konkurrieren miteinander um das Recht, am Geburtsort zu bleiben (Philopatrie). Es gibt Hinweise auf eine auf Körpergröße basierenden Dominanzhierachie unter weiblichen Geschwistern, welche die über Frage der Abwanderung entscheidet. Weibchen die aus dem Streifgebiet ihrer Mutter abwanderten, reproduzierten allerdings früher als Weibchen, die nicht abwanderten. Durch hierarchische Beziehungen verwandter Weibchen innerhalb eines Streifgebietes kann es zur reproduktiven Unterdrückung junger Weibchen kommen. Erstmals gebärende Bärinnen haben auch signifikant kleinere Würfe und höhere Jungenverluste als Weibchen, die schon mehrmals geworfen haben. Es gibt schließlich Hinweise auf eine menschlich verursachte Veränderung in der Fortpflanzungsstrategie von Braunbären: Bärenpopulation mit langfristiger Verfolgung durch den Menschen (> 50 Generationen) zeigen eine relativ grössere Investition in die Fortpflanzung als Bärenpopulationen mit kurzfristiger menschlicher Verfolgung (< 15 Generationen). Daher sind Populationen mit langfristiger menschlicher Verfolgung (Europa) die weltweit produktivsten Bärenpopulationen und reagieren auf moderne Managementmassnahmen (nachhaltige Bejagung; Vollschonung) besser und schneller als die meisten anderen Bärenpopulationen (Nordamerika, Asien).
Research Output
- 715 Zitationen
- 9 Publikationen
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2007
Titel Should I stay or should I go? Natal dispersal in the brown bear DOI 10.1016/j.anbehav.2006.09.015 Typ Journal Article Autor Zedrosser A Journal Animal Behaviour Seiten 369-376 -
2007
Titel Genetic estimates of annual reproductive success in male brown bears: the effects of body size, age, internal relatedness and population density DOI 10.1111/j.1365-2656.2006.01203.x Typ Journal Article Autor Zedrosser A Journal Journal of Animal Ecology Seiten 368-375 -
2006
Titel Inversely density-dependent natal dispersal in brown bears Ursus arctos DOI 10.1007/s00442-006-0384-5 Typ Journal Article Autor Støen O Journal Oecologia Seiten 356 -
2006
Titel Socially induced delayed primiparity in brown bears Ursus arctos DOI 10.1007/s00265-006-0231-z Typ Journal Article Autor Støen O Journal Behavioral Ecology and Sociobiology Seiten 1-8 -
2006
Titel Correlates with body size and mass in yearling brown bears (Ursus arctos) DOI 10.1111/j.1469-7998.2006.00127.x Typ Journal Article Autor Dahle B Journal Journal of Zoology Seiten 273-283 -
2006
Titel Population Density and Food Conditions Determine Adult Female Body Size in Brown Bears DOI 10.1644/05-mamm-a-218r1.1 Typ Journal Article Autor Zedrosser A Journal Journal of Mammalogy Seiten 510-518 -
2009
Titel Internal hydrocephalus combined with pachygyria in a wild-born brown bear cub DOI 10.1007/s10344-009-0282-3 Typ Journal Article Autor Kübber-Heiss A Journal European Journal of Wildlife Research Seiten 539-542 -
2005
Titel The dilemma of female mate selection in the brown bear, a species with sexually selected infanticide DOI 10.1098/rspb.2005.3331 Typ Journal Article Autor Bellemain E Journal Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences Seiten 283-291 Link Publikation -
2009
Titel The effects of primiparity on reproductive performance in the brown bear DOI 10.1007/s00442-009-1343-8 Typ Journal Article Autor Zedrosser A Journal Oecologia Seiten 847