Ferrum Noricum Hüttenberg, Archäometallurgie
Ferrum Noricum Hüttenberg, archaeometallurgy
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (40%); Andere Technische Wissenschaften (30%); Werkstofftechnik (30%)
Keywords
-
Ferrum Noricum,
Carinthia,
Archaeometallurgy,
Iron production technology,
Iron smelting infrastructure,
Contrasting of technologies
Das metallurgische Projekt befaßt sich mit der Untersuchung von Eisen-/Stahlgegenständen, anderen verhüttungsspezifischen Materialien (Schlacken, Ofenlehm, Bausteinen, Feuerfestkeramik) und schmelztechnischen Aggregaten (Schachtöfen, Röstöfen) der vorrömischen und römischen Eisengewinnung, die durch das feldarchäometrische Projekt lokalisiert und durch das archäologische Projekt freigelegt bzw erschlossen werden. Die Untersuchungen umfassen sowohl Materialanalysen zur Charakterisierung von Werkstoffeigenschaften, als auch Studien zur Rekonstruktion von Prozeßabläufen und der Werkstückherstellung der norischen Eisengewinnung. Als Arbeitshypothese wird von einer Gegenüberstellung der inner und außeralpinen (keltischen) Eisenerzeugung und -verarbeitung ausgegangen, wobei die Qualität der erzeugten Stähle nach schmelz (unlegiert, kohlenstoff-, phosphorlegiert) und verarbeitungstechnischen (Feuerschweißung, Zementation; Verbundwerkstoffe) Aspekten im Mittelpunkt steht. De facto wird versucht, aus einer Gegenüberstellung des Forschungsstandes an den Eisenfunden des Madalensberges, der zu erschließenden Funde und Befunde aus dem Raum Hüttenberg (inneralpiner Raum) und des keltischen Depotfundes am Gründberg bei Linz (außeralpiner Raum), Entwicklungsphasen und lokale Besonderheiten der keltisch/römischen Eisengewinnung zu erschließen. Entsprechend der Problemstellung umfaßt der gewählte methodische Ansatz mehrere analytische Verfahren (Schlacken und Stahlchemismus, Schliffanalyse, gesteinhüttentechnische Untersuchung von Hüttenbaustoffen und Feuerfestkeramik, Mikrosonde, Spurenelementechemie), die an fachspezifischen Instituten der Montanuniversität und in Labors der Voestalpine Stahl Linz GmbH. kooperativ zur Ausführung kommen. Das interdisziplinäre Zusammenwirken mit dem archäologischen und dem archäometrisch-geowissenschaftlichen Projekt liegt schwerpunktsmäßig bei der Geländearbeit und der Interpretation der Gesamtergebnisse.
Die am Verhüttungsplatz "Eisner" in Hüttenberg gefundenen Laufschlacken sind Silicatschlacken mit ca. 60 Masse- % FeOn ; 10 Masse-% MnO und 25 Masse-% SiO2 . Die Fließtemperatur der Laufschlacken liegt bei 1500C. Die hohe Fließtemperatur von 1500C ist ein Hinweis darauf, dass in den Schachtöfen von den Schmelzern Temperaturen um 1550C eingestellt wurden. Daher war es den Metallurgen möglich sowohl kohlenstoffarme Stahlluppen als auch kohlenstoffreiche Stahlluppen (=Roheisen) zu erzeugen. Abhängig von den eingesetzten Eisenerzen wurden auch Stahlluppen mit unterschiedlichen Phosphorgehalten erschmolzen. Die kohlenstoffarmen Stahlluppen wurden zu Stangen ausgeschmiedet. Durch Feuerschweißen mehrer Stahlstangen unterschiedlicher Qualität (legiert oder unlegiert) wurde das Fertigprodukt geschmiedet. Aufkohlen und Härten der Werkstücke wurde von den Schmiedemeistern in der Römerzeit beherrscht. Die Verarbeitung des spröden Roheisens zu Fertigprodukten setzt ein Frischen voraus. Dies war den Metallhandwerkern in den inneralpinen Gebieten in der Römerzeit wahrscheinlich bekannt. Archäologische Beweise für diese Technologie fehlen uns aber derzeit noch.
- Montanuniversität Leoben - 100%